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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Leo (VIII.) nimmt dem Rompilger Wilhelm von Bellême die Beichte ab, erteilt ihm Absolution und trägt ihm als Satisfaktionsleistung auf, ein allein der römischen Kirche unterstehendes Kloster zu gründen und aus Eigengütern zu dotieren.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Urk. Wilhelms v. Bellême für St-Léonard in Bellême (Fauroux, Recueil des actes des ducs de Normandie 177). Reg.:Lit.: M. Prou, Examen de la charte de fondation de St-Léonard de Bellême (Melanges P. Fabre, Paris 1902, 215 ff.); M. Prou, Recueil des actes de Philipp Ier roi de France (Paris 1908) p. CCXIX ff.; H. du Motey, Origines de la Normandie et du duché d'Alençon (Paris 1920) 84 u. 125; Lemarignier, Études sur les privilèges d'exemption 181 ff.; J. Boussard, La seigneurie de Bellême aux Xe et XIe siècles (Mélanges L. Halphen, Paris 1951, 48).

Kommentar

Zur Überlieferung der Urkunde Wilhelms vgl. Fauroux 176 f. Die Urkunde ist undatiert, fällt aber in die Regierungszeit König Roberts II. von Frankreich, der sie unterschriftlich bestätigt haben soll; vgl. Newman, Cat. 171 f. König Philipp I. bestätigte neuerlich die Gründung. Wie Prou nachgewiesen hat, handelt es sich jedoch um eine Fälschung. Das von Wilhelm errichtete Kloster St-Léonard in Bellême (D. Sées) soll laut dieser Urkunde unter anderem von Bischof Fulbert von Chartres geweiht worden sein, was frühestens 1006, dem ersten Regierungsjahr Fulberts, geschehen sein kann. Um so auffälliger ist es, daß jener Papst, dem Wilhelm angeblich in Rom gebeichtet haben soll und von dem er den Auftrag zur Klostergründung erhielt, in der Urkunde ausdrücklich den Namen Leo erhält, also nur mit Leo VIII. identifiziert werden kann. Wilhelm hätte dann etwa 40 Jahre mit der Durchführung seines Gelübdes gezögert. Außerdem ist erwiesen, daß das Kloster schon von Wilhelms Vater Ivo von Bellême Ende des 10. Jh. begründet wurde; vgl. Boussard 44 f. Die Gründungsurkunde Ivos ediert Ph. Barret, Cartulaire de Marmoutier pour le Perche (Mortagne 1894) 1 ff.; wo sich 5 ff. die vom Editor für echt gehaltene Urkunde Wilhelms findet. Laut Prou, Recueil p. CCXXXV entstand die Fälschung Ende des 11. Jh. und hatte den Zweck, die Unterstellung des Klosters Bellême unter den Papst zu beweisen, wovon in der Gründungsurkunde Ivos nichts zu lesen ist. Eine echte Tradition über eine Romreise Wilhelms oder seines Vaters Ivo scheint dem Falsifikat nicht zugrunde zu liegen.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †371, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0964-00-00_2_0_2_5_0_395_F371
(Abgerufen am 27.07.2017).