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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Unter dem Vorsitz des Kaisers Otto (I.) tagt im Petersdom eine Synode (in sancti Petri ecclesia fit conventus). auf der nach kaiserlicher Anfrage über den Verbleib des Papstes Johannes (XII.) durch den Kardinalpresbyter Petrus, den Bischof Johannes von Narni und den Kardinaldiakon Johannes namens der Versammlung verschiedene Anklagen gegen den Papst erhoben und durch den Kardinaldiakon Benedikt eine Klageschrift verlesen wird, deren Richtigkeit die Anwesenden auf neuerliche Anfrage des Kaisers bestätigen. Die Synode beschließt die Absendung eines Ladungsbriefes an den Papst (n. 322).

Überlieferung/Literatur

Erw.: Liudprand v. Cremona, Hist. Ottonis 9 ff. (Becker, SS. rer. G. 41/1915, 164 ff.); Alberich v. Troisfontaines, Chr. (MGSS. XXIII 768). Reg.: Böhmer-Ottenthal n. 348 e; Boye, QuKat. 55. Lit.: Dümmler, Otto der Große 349 ff.; Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 805 ff.; Tangl, Teilnehmer 107 ff.; Ganahl, Studien 18 ff.; Brezzi, Roma e l'impero 131; Zimmermann, Papstabsetzungen 83 ff.; Zimmermann, Dunkle Jh. 149; Wolter, Synoden 74 ff.; Vacca, Prima sedes 146 ff.

Kommentar

Das Datum ergibt sich aus dem am gleichen Tage abgesandten Ladungsschreiben. Die Teilnehmer zählt Liudprand 9 (Becker 165 f.) auf; vgl. dazu Tangl, weiters Boye, Synoden 277 f. und Zimmermann, Parteiungen 39 ff. Laut Liudprand trat die bloß als conventus (vgl. dazu Ganahl 19) bezeichnete Versammlung rogantibus tam Romanis episcopis quam plebe zusammen. Liudprand fungierte als Dolmetscher des präsidierenden Kaisers. Die Anklagen gegen den Papst betrafen: Zelebrieren der Messe ohne Selbstkommunion, Ordination eines Diakons im Pferdestall und zu außergewöhnlicher Zeit. Das verlesene Klagelibell enthielt folgende Vergehen: Weihe eines Zehnjährigen zum Bischof von Todi (vgl. dazu Schwartz, Besetzung 294), Erteilung von Bischofsweihen um Geld, Sakrilege, Adulterium mit der Witwe des Miles Rainer, mit der Konkubine des eigenen Vaters, Stephana (vgl. n. 313), mit der Witwe Anna und deren Nichte, weiters Jagdleidenschaft, Blendung seines Paten Benedikt, Entmannung und Tötung des Kardinalsubdiakons Johannes, Waffentragen, Teufelsminnetrank, Anrufung von Götzen beim Würfelspiel, Nichteinhaltung der kanonischen Gebetszeiten und Versäumnis der Bekreuzigung. Vgl. zu den Anklagen auch n. 313 und n. 322, weiters Bezold, Fortleben 13 f. und Klauser. Die liturgischen Austauschbeziehungen 187 sowie zur Beurteilung auch des Prozeßverfahrens die zitierten Arbeiten von Zimmermann. Die Meinung der mittelalterlichen Autoren über Johannes' XII. geistliches und sittliches Leben ist ziemlich einheitlich negativ. Vgl. auch die Äußerungen bei Rather v. Verona (Weigle, MG. Briefe I 80, 86 ff. u. 92), Benedikt v. Soratte (Zucchetti, FSI. 55/1920, 173), Hrotsvita v. Gandersheim (Strecker 255), Gerbert v. Aurillac (Olleris, (Euvres 672), Hermann v. Reichenau und Bernold v. Konstanz (MGSS. V 115 u. 422), Otto v. Freising (Hofmeister, SS. rer. G. 45/1912, 286), Martin v. Troppau (MGSS. XXII 431) und Chr. s. Bartholomaei (MGSS. XXXI 213) sowie bei vielen anderen späteren Autoren. Alberich v. Troisfontaines übernimmt die Berichterstattung Liudprands. Vgl. weiters die Quellen über die Deposition Johannes' XII. n. 328.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 321, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0963-11-06_1_0_2_5_0_345_321
(Abgerufen am 23.05.2017).