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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Päpstliche Gesandtschaft nach Byzanz und Ungarn. ‒ Papst Johannes XII. sendet den Bischof Leo (von Velletri) und den Kardinaldiakon Johannes nach Konstantinopel, um Hilfe gegen Kaiser Otto den Großen zu erbitten. Mit ihnen reisen der mit dem Papst befreundete, in Ungarn erzogene Bulgare Saleccus und der jüngst vom Papste zum Missionsbischof (für Ungarn) geweihte Zachäus. Sie sollen (angeblich) die Magyaren zu einem Kriegszug gegen den Kaiser veranlassen. Die Legaten führen vom Papste unterschriebene und besiegelte Beglaubigungsschreiben (litteras ..., quae plumbo signatae sui nominis caracteres monstrant) mit sich.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Liudprand v. Cremona, Hist. Ottonis 6 (Becker, SS. rer. G. 41/1915,163). Reg.: JL. I p. 466 u. *3695; Böhmer-Ottenthal n. 348 b; Gombos, Cat. II 1334 n. 3197. Lit.: Dümmler, Otto der Große 347; Hampe, Berufung 165; Grumel, Les préliminaires 10; Ohnsorge, Abendland und Byzanz 39; Lintzel, Schriften II 149 u. 367; Holtzmann, Kaiserzeit 201; Zimmermann, Papstabsetzungen 81 f.; Zimmermann, Dunkle Jh. 146.

Kommentar

Ein Bischof Leo von Velletri nahm im Nov. 963 an der römischen Synode Kaiser Ottos des Großen teil (n. 321), Zachäus erscheint in den Akten der päpstlichen Synode von Feb. 964 (n. 347) als gentium episcopus, was Dümmler veranlaßt, ihn irrig zum Bischof von Genzano zu machen. Ob der Kardinaldiakon Johannes mit dem päpstlichen Legaten vom Jahre 960 (n. 283), dem Schreiber der Prunkausfertigung der Donatio Constantini (vgl n. 305), den Johannes XII. später verstümmeln ließ (vgl. n. 346 u. n. 937), und dem Ankläger gegen den Papst auf der genannten kaiserlichen Synode zu identifizieren ist, läßt sich nicht sicher entscheiden; vgl. dazu auch Lintzel II 363 und Zimmermann, Parteiungen 54. Vom Zweck der Legation und vom Schicksal der Legaten, die in Capua festgenommen und mit entsprechenden Boten durch den Fürsten Pandulf I. von Capua-Benevent an Kaiser Otto gesandt wurden, erfährt man bei Liudprand nur im Zusammenhang mit der Antwort, die der Kaiser den päpstlichen Boten erteilte, als diese ihn wegen der Gefangennahme der Legaten zur Rede stellten (n. 316). Demnach soll der Papst ob iniuriam Ottos nach Byzanz geschickt haben, womit vermutlich das nichterfüllte kaiserliche Versprechen bezüglich der Restitution des Kirchenstaates (n. 287 u. n. 305) gemeint ist; vgl. dazu auch Uhlirz in MÖIG. 50/1936,3 ff. und Zimmermann, Studien 155 f. Die Angaben Liudprands über den Zweck der Legation nach Ungarn bezweifeln jedoch F. A. Gombos, Liudprand történeti munkai (Budapest 1908) 70 f. und Lintzel. Auch nach Liudprand hatte Kaiser Otto die in Capua gefangenen Boten selbst noch nicht gesehen und verhört, als er die Vorwürfe der päpstlichen Legaten mit dem Hinweis auf die Kriegshetze des Papstes bei den Ungarn zurückwies, sondern konnte sich nur auf Gerüchte berufen. Lintzel meint daher, daß die Ernennung des Zachäus zum Missionsbischof unter den Ungarn am Kaiserhofe böswillig als politische Aktion des Papstes gedeutet wurde. Laut Liudprand bewiesen die den Legaten mitgegebenen päpstlichen Briefe die Schuld Johannes' XII., und dessen Maßnahmen, Missionsboten über das orthodoxe Byzanz und nicht über das katholische Deutschland nach Ungarn zu senden, wird man immerhin als merkwürdig beurteilen müssen. Zum Verhalten des Fürsten zu Capua vgl. Hampe. Kaiser Otto erhielt die Nachricht von den päpstlichen Bündnisbestrebungen während der Belagerung von San Leo di Montefeltro (10. Mai bis 12. Sep. 963); vgl. Liudprand 162. Zu Ostern (19. Apr. 963) hatte er zwar in Pavia andere schlechte Nachrichten über das Treiben des Papstes erhalten (n. 313), wußte aber noch nichts über dessen Legation nach Byzanz und Ungarn. Daraus ergibt sich, daß diese frühestens im Mai 963 abgesandt worden sein dürfte, laut Liudprand aber sicher noch vor der Aufnahme des italischen Königs Adalbert durch den Papst in Rom (n. 317).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 315, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0963-05-00_1_0_2_5_0_339_315
(Abgerufen am 22.10.2017).