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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Kaiser Otto (I.) bestätigt auch namens König Ottos (II.) dem Papst Johannes XII. als Vikar des Apostels Petrus (tibi beato Petro principi apostolorum et clavigero regni caelorum et per te vicario tuo domno Johanni summo pontifici et universali XII. pape) gemäß (und mit wörtlicher Benützung) früherer Verfügungen, besonders der Schenkungen der (Franken)herrscher Pippin (I.) und Karl (I.), genannte Territorien samt deren Pertinenzen, darunter vor allem Stadt und Dukat von Rom, Stadt und Exarchat von Ravenna samt der Emilia, die Pentapolis und die Sabina, genannte Orte im langobardischen Tuszien und in der Campagna, Besitzungen (südlich einer Grenzlinie) von Luni bis Istrien samt der Christinenkirche bei Pavia am Po, die Herzogtümer Spoleto und Benevent, Patrimonien in Benevent, Neapel, Kalabrien und Sizilien samt den Städten Neapel, Gaeta und Fondi sowie andere genannte Städte und Burgen (Mittelitaliens); überträgt dem Papst zum eigenen, des Sohnes, der Eltern und der Nachfolger Seelenheil sowie zur Erhaltung des fränkischen Volkes die dauernde Herrschaft über alle genannten Gebiete; bestätigt gemäß den Vereinbarungen zwischen Karl (I.) und Papst Hadrian (I.) Einkünfte aus Tuszien und dem Herzogtum Spoleto bei sonstiger Wahrung der eigenen Herrschaft; trifft gemäß dem Pakt Papst Eugens (II.) (mit Kaiser Lothar I.) Bestimmungen über die Papstwahl und vor allem über den vom Erwählten vor seiner Weihe nach dem Beispiel Papst Leos (IV.) in Gegenwart kaiserlicher Missi zu leistenden Eid sowie über das Wirken der Missi. A. dom. incarn. DCCCCLXII., ind. V., men. Feb., XIII. die eiusdem men., a. vero dom. Ottonis imp. invictissimi imp. XXVII.

Überlieferung/Literatur

Drucke: MG. Const. I 23; Stengel, Zur ma. Gesch. 245; Mirbt-Aland, Quellen 269. Reg.: Böhmer-Ottenthal n. 311; Böhmer-Mikoletzky n. 578 a; GP. IV/4,279 n. 4 u. 371 n. 49. Lit.: Th. Sickel, Das Privilegium Ottos I. für die römische Kirche vom Jahre 962 (1883); W. Ullmann, The Origins of the Ottonianum (Cambridge Historical Journal 11/1953, 114‒128; dt. Übersetzung in Zimmermann, Otto d. Gr. 296‒324); Ullmann, Machtstellung 338 f.; E. E. Stengel, Die Entwicklung des Kaiserprivilegs für die römische Kirche 817‒962 (Zur ma. Gesch. 218‒248); H. Zimmermann, Das Privilegium Ottonianum von 962 und seine Problemgeschichte (MIÖG. Erg.Bd. 20/1962, 147‒190); Drabek, Verträge 67 ff.

Kommentar

Eine Prunkausfertigung des Privilegs wird im Vatikanischen Archiv verwahrt; vgl. darüber die zitierte Arbeit von Sickel sowie jüngst über den aus Fulda stammenden Schreiber H. Hoffmann, Buchkunst und Königtum im ottonischen und frühsalischen Reich (1986) 170 f. Über die weitere Überlieferung und die Drucke sowie über das Problem der Echtheit, die zuletzt von Ullmann bestritten wurde, und über die diesbezügliche wissenschaftliche Diskussion vgl. abgesehen von den Editionen die Arbeit Zimmermanns. Über die Vorlagen handelt Stengel. Die Gewährung des Privilegs erfolgte anscheinend erst nach schwierigen Verhandlungen zwischen Kaiser und Papst wohl noch während der Krönungssynode (n. 298) und erst nach der Erfüllung der Magdeburger Wünsche des Kaisers durch den Papst (n. 304), worauf Hauck, Kirchengesch. III 225 aufmerksam gemacht hat. Aus n. 937 ergibt sich weiters, daß der Papst damals durch Vorlage einer Prunkabschrift der Konstantinischen Schenkung eine weitergehende Privilegierung zu erreichen versucht hat; vgl. dazu auch Fuhrmann, Pseudoisidor 386 u. H. Hoffmann in DA. 51/1995, 71 ff. Otto der Große gewährte aber nicht mehr, als die Pakten seiner karolingischen Vorgänger enthielten. Die Urkunde nennt die Unterschriften des Kaisers (vgl. Schlögl, Unterfertigung 73 ff.), des Erzbischofs Adaldag von Hamburg-Bremen, der Bischöfe Hartbert von Chur, Drogo von Osnabrück, Udo von Straßburg, Otwin von Hildesheim, Landwart von Minden, Otger von Speyer, Gezo von Tortona, Hubert von Parma und Wido von Modena, der Äbte Hatto (II.) von Fulda und Gunther von Hersfeld, weiters von fünf Grafen (darunter laut K. Lechner, Beiträge zur Genealogie der älteren österreichischen Markgrafen, MIÖG. 71/1963, 249 f. des Ostmarkgrafen Burchard) und neun anderen Laien.

Nachträge (1)

Nachtrag von Dieter Rübsamen, eingereicht am 16.06.2010.

Faksimile und ausführliche Beschreibung: Hoffmann, H., Sog. Ottonianum, in: Otto der Große. Magdeburg und Europa Bd. 2: Katalog, S. 430-432.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 305, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0962-02-13_1_0_2_5_0_328_305
(Abgerufen am 23.03.2017).