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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Während seines römischen Aufenthaltes erwirbt Kaiser Otto (I.) von Papst Johannes (XII.) verschiedene Reliquien, (1) Der Papst schenkt dem Kaiser einen Stab vom Roste des Märtyrers Laurentius. (2) Bei einem Empfang des Kaisers im Lateran zeigt der Papst diesem (aus seinem Reliquienschatz) die Sandalen Christi und schenkt ihm das in Silber gefaßte Haupt des Märtyrers Sebastian. (3) Am Clemenstag besuchen Kaiser und Papst gemeinsam den Gottesdienst in San Clemente, und Otto erhält vom Papste den Arm der Märtyrerin Felicitas. (4) Im Cyriakkloster an der Via lata erheben Kaiser und Papst die Reliquien des Märtyrers Cyriak, von denen der Papst dem Kaiser Arm und Schulter überläßt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: 1) Sigebert v. Gembloux, Vita Deoderici 16 (MGSS. IV 476). 2‒3) Denotatio reliquiarum (MGSS. XXX 956); Translatio Alexandri (MGSS. XXX 955). 4) Translatio Cyriaci (AASS. Aug. II 339). Reg.: Böhmer-Ottenthal 309 c; Swinarski, Herrschen mit Heiligen 414 n. 123. Lit.: Dümmler, Otto der Große 254 u. 357; Beissel, Verehrung der Heiligen 86; K. Hampe, Zum zweiten Zug Ottos I. nach Italien (NA. 25/1900, 677); Cavazzi, La diaconia 268; Duprè-Theseider, La grande rapina 424; H. Paschke, Babenberg anno Domini 973. Eine Interpretation der Vita St. Cyriaci (Bericht des Hist.Ver. Bamberg 109/1973, 109‒160, bes. 124 ff.).

Kommentar

Daß Otto in Rom zahlreiche Reliquien erworben hat, die dann nach Quedlinburg kamen, weiß man auch aus Berichten des Ann. Saxo (MGSS. VI 617) und der Ann. Magdeburgenses (MGSS. XVI 147) zum Jahre 962. Die päpstlichen Reliquienschenkungen an den Kaiser sind am ehesten in die Zeit der Kaiserkrönung Ottos (n. 294) zu datieren und wohl als Gegengabe des Papstes für kaiserliche Geschenke (n. 295) aufzufassen. Die Erwerbung der Laurentiusreliquie erwähnt Sigebert im Zusammenhang von n. 502: virgae ... e quibus una ... magno imperatori Ottoni ab Octaviano concessa est. Zur Echtheit der Tradition über den Besuch des Kaisers im Lateranpalast (palacium Lateranense) und der Erwerbung der Sebastianreliquie vgl. Hampe 677. Sie wird nur von der Denotatio bezeugt. Die Reliquie kam nach Magdeburg. Bezüglich der sowohl von der Denotatio als auch von der Translatio Alexandri bezeugten Schenkung der Felicitasreliquie, die ebenfalls nach Magedburg gebracht wurde, ergeben sich Schwierigkeiten, denn Clemenstage wurden am 23. Feb. und am 23. Nov. gefeiert. An einem 23. Feb. war Kaiser Otto aber nie in Rom. Dümmler glaubte daher auf 23. Nov. 963 datieren zu können, zu welchem Zeitpunkt aber eine gemeinsame Teilnahme des Kaisers und des Papstes an einem Gottesdienst in San Clemente (vgl. MGSS. XXX 956: Jamque aderat festivitas sancti Clementis martyris et imperator ad audienda missarum sollemnia ad ipsius ecclesiam perrexit ibique sibi papam habebat obvium) aus den n. 319 ff. erwähnten Umständen unmöglich ist. Hampe vermutet daher, daß im 10. Jh. auch Anfang Feb. in Rom ein Clemenstag gefeiert wurde und die Reliquienschenkung daher ebenfalls in die Zeit der Kaiserkrönung fallen dürfte. Die Berichterstattung der frühestens aus dem Spätmittelalter stammenden Translatio Cyriaci über die Erwerbung der Cyriakreliquie durch den Kaiser, die von diesem dann nach Bamberg gebracht wurde (vgl. dazu Guttenberg, Reg. 7 n. 7 und Deinhardt, Dedicationes Bambergenses 3) trägt legendäre Züge, so daß an ihrer Echtheit mit Recht gezweifelt wird. Abgesehen davon, daß das Vorhandensein von Cyriakreliquien in Bamberg fraglich ist, kann man die sonst durch keine Quelle bezeugte Reise des Kaisers nach Bamberg in dessen Itinerar nur schwer unterbringen. Guttenberg datiert auf Jan. 973, ebenso Paschke 136 ff., Deinhardt auf März-April 965, Cavazzi gar erst in den Pontifikat Johannes' XV. und in die Regierungszeit Ottos III. Weiters scheint der Reliquienschenkung an den Kaiser die besser bezeugte Schenkung an den Markgrafen Gero (n. 289) zu widersprechen. Dazu kommen andere chronologische Schwierigkeiten. Die Translatio Cyriaci motiviert die Schenkung mit der Feindschaft des Papstes gegen die Äbtissin Pretiosa vom Cyriakkloster (n. 260) und berichtet über sie im Zusammenhang mit der nach Ottos Krönung in Rom tagenden Synode (vgl. auch n. 298). Der Kaiser habe den Papst ersucht, ihm als Gegenleistung für erwiesene Hilfe und Unterstützung Reliquien römischer Heiliger zu überlassen. Der Papst nannte darauf dem Kaiser das Cyriakkloster (Romae monasterium puellarum iuxta regionem, quae Via lata nuncupatur, in loco, qui nominatur Ad Pinea, secus arcum Tiburii, in quo reconditum ... caput sancti Cyriaci martyris et levitae), wo die wertvollsten Reliquien Roms nächst denen der Apostelfürsten Petrus und Paulus verwahrt werden. Auf päpstlichen Rat sollen dann Otto und Johannes mit großem Gefolge zum Kloster geritten sein, wo der Papst das Grab Cyriaks mit Gewalt öffnen ließ. Unmittelbar nach der gewaltsamen Wegführung der Cyriakreliquien aus dem Kloster, an der teilgenommen zu haben man dem Kaiser kaum zutraut, soll aber die Äbtissin Pretiosa in einer ihr vom Kaiser gewährten Audienz die Bitte geäußert haben, Otto möge ihr als Ersatz für den Verlust wenigstens durch eine Gesandtschaft nach Byzanz vom Kaiser Basileios (II.), der aber erst 976 zur Regierung kam, Reliquien des Konfessors Nikolaus beschaffen. Eine Urkunde vom Jahre 972 bezeugt tatsächlich, daß das Cyriakkloster damals auch schon dem Nikolaus geweiht war; vgl. dazu und über das Kloster Ferrari, Rom. Monasteries 112 ff. sowie über die Klostergründung auch n. 198.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 297, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0962-02-00_1_0_2_5_0_320_297
(Abgerufen am 21.10.2017).