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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Leo VIII. erlaubt auf Grund des positiven Berichtes seiner Legaten über die in der Schule von Pavia in Anwesenheit des Kaisers Otto I. und auf dessen Befehl erfolgte Vernehmung der von Papstanhängern der Ketzerei und Sektiererei irrig verdächtigten zwölf deutschen Meistersinger unter Führung des Dr. Heinrich Frauenlob aus Mainz die Verbreitung der Kunst des Meistergesanges zu Gottes Lob.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Meisterlied von den „zwölf alten Meistern zu Pavia vom Kaiser und Papst bestätigt” (ed. J. Chr. Wagenseil, Buch von der Meister-Singer Holdseliger Kunst, Altdorf 1697, Ndr. von H. Brunner in Litterae 38/1975, 504 ff.). Reg.:Lit.: H. Ellenbeck, Die Sage vom Ursprung des Deutschen Meistergesangs (1911).

Kommentar

Über die tatsächliche und angebliche Entstehung des Meistergesangs vgl. weiters B. Nagel, Meistergesang (1975); H. Brunner, Die alten Meister (1975); R. Hahn, Die löbliche Kunst (1984); H. Brunner u. J. Rettelbach, Der Ursprung des Meystergesangs (Zs. f. dt. Altertum u. dt. Lit. 114/1985, 221‒240), wo überall Varianten der Entstehungssage (in Nürnberg, Mainz, Augsburg, Straßburg, Kolmar, Iglau, Dresden, Zwickau, Breslau, Wels etc.) samt der älteren Literatur besprochen werden. Texteditionen fehlen größtenteils und sind ein Desiderat der Forschung; vgl. Brunner-Rettelbach 232 Anm. 20. Am ausführlichsten ist die zitierte Bonner Dissertation von Ellenbeck. Der von Wagenseil edierte Text aus dem Ende des 16. Jh. bietet die vollendete Fassung der anscheinend um 1540 entstandenen Sage. Vom Papst heißt es hier (507): „Als nun Pabst Leo vernam mehrt / Daß solch Meister-Lieder und Thön / Gott nicht waren zu wieder / Erlaubt ers einem jeden schön / In der Welt hoch und nieder; / Sunderlich die Teutschen er vermahnt / Weil Gott die Kunst ihnen macht bekant / Solten sie die ausbreiten sehr / und ihm singen Loh, Preiß und Ehr.” Statt Pavia wird irrig auch Paris als Ort des vom Kaiser anberaumten Verhörs genannt, statt Leo VIII. (irrig auch Leo IV.) und Otto I. auch Gregor V. und Otto III. (irrig auch Otto IV.). Tatsächlich ist der Meistergesang zumindest spätmittelalterlich und verdankt die Sage ihrer Entstehung wohl der Tatsache, daß für Singschulen z. B. in Nürnberg bis 1546 (aber auch anderswo) die Genehmigung des Stadtrates immer wieder erbeten werden mußte, was man mit der Berufung auf altes Herkommen („wol über die sechs hundert und etlich Jahr”, Wagenseil 508) und kaiserliche wie päpstliche Konzession erleichtern oder umgehen wollte. Die präzise Datierung auf 962 („Man zehlt neun hundert Jahr zu hand / Zwey und sechzig der Dingen / Der Erste Otto / Kayser war so / Und thät das Reich erhalten / Leo der Acht / zu Rom mit Macht / Daß Pabstthum thät verwalten ”, Wagenseil 504) erklärt sich wohl aus dem Wissen um die Kaiserkrönung Ottos 1.962 (n. 294) und die Kooperation des Kaisers mit Leo VIII. auf Grund der Falsa n. 352,367 u. 368. Ein Aufenthalt Ottos I. in Pavia nach Leos Wahl (n. 329) fällt erst in den November und Dezember 964 (vgl. Böhmer-Ottenthal n. 363 u. n. 364 a). Vorher müßte erfolgt sein, was die Sage erzählt: Denuntiation der Meistersinger durch Papisten beim Kaiser, Anberaumung des Verhörs in Pavia, Vorladung der Meistersinger, Entsendung von Papstlegaten aus Rom, Beiziehung von Pariser Magistern (oder nach anderer Version: Sendung der Meistersinger nach Paris zur Universitätsprüfung), Eintreffen des Pariser Gutachtens, Information des Papstes über die Ergebnisse in Pavia. Eine Augsburger Version datiert auf 974 wohl in Verschreibung von 964. Die Namen der Meistersinger sind verschieden; im zitierten Lied heißen sie: Dr. Heinrich Frauenlob aus Mainz, Dr. Heinrich Mügling, Mag. Klingsohr, Mag. Popp, Ritter Walter von der Vogelweide aus Böhmen, Wolfgang Röhte, der Edelmann Ludwig Marner, der Schmied Barthel Regenbogen aus Mainz, ein gewisser Römer aus Zwickau, Konrad Geiger aus Würzburg, ein Fischer namens Kanzler aus der Steiermark und der Seiler Stephan.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †311a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0962-00-00_1_0_2_5_0_335_F311a
(Abgerufen am 26.05.2017).