Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 294 von insgesamt 1338.

Papst Johannes (XII.) empfängt im Lateranpalast den wegen kaiserlicher Angelegenheiten (pro imperialibus negotiis) nach Rom gekommenen Kaiser Otto den Großen, der ihm auf die Frage nach dem Grund seiner Reise berichtet, daß er von den Wundem des Märtyrers Maximus gehört habe und von dessen bei Furcona (in Furconensi provincia) verwahrten Reliquien etwas nach Hause mitbringen möchte. Der Papst billigt diesen Plan und reist gemeinsam mit dem Kaiser nach Furcona zum Grabe des Märtyrers, wo beide um die Erlaubnis zum Abtransport der Reliquien beten. Sie werden davon aber zunächst durch ein Wunder abgehalten. Am nächsten Tage berichtet der Kaiser dem Papste und den versammelten Erzbischöfen, Bischöfen und Fürsten, welche die Pilgerfahrt mitgemacht hatten, über eine nächtliche Engelsvision, welche dem in seinem Gefolge befindlichen Bischof Cesso geraten habe, daß vorerst an der Begräbnisstätte des Märtyrers ein Bistum und über dessen Grab ein Dom errichtet werden müsse. Mit Lobgesang ziehen alle neuerlich zum Märtyrergrab, geloben dort Erfüllung des Engelswunsches und öffnen sodann das Grab. Der Kaiser unterstellt das neue Bistum durch ein sofort ausgefertigtes Diplom dem Papstschutz, und der Papst bestätigt durch ein Privileg dem Bistum Furcona (Furconensi episcopatui) die kaiserlichen Verleihungen, nimmt es in den Schutz der römischen Kirche (sub Romanae ecclesiae tutela) und spricht auf Rat und Bitte des Kaisers sowie der übrigen Anwesenden Segen und Fluch über die Förderer beziehungsweise Feinde des neuen Bistums aus. Er legt den Grundstein zum Bau der dem Märtyrer Maximus geweihten Kathedralkirche, richtet das Bistum ein und kehrt sodann nach Rom zurück.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Inventio s. Maximi (AASS. Oct. VIII 407 ff.). Reg.: JL. † *3681; IP. IV 235 n. † *1. Lit.: A. Chiappini, Atti di S. Massimo martire levita di Aveia (Casalbordino 1932) 9.

Kommentar

Das angebliche Papstprivileg bezüglich der Errichtung des Bistums Furcona ist nicht mehr erhalten und wird in der zitierten Quelle nur resümiert. Über weitere Drucke, die alle auf einer Handschrift in Aquila beruhen, vgl. IP. IV 235 n. † *1. Die Inventio Maximi geht laut Angaben der Editoren wiederum auf eine ältere, verlorene Legenda s. Maximi zurück. Mit denselben Worten berichtet über die Privilegierung von Furcona durch Papst Johannes auch der heute als Cod. Vat. lat. 13279 in der Bibl. Vat. verwahrte Liber transumptuum seu registrum omnium iurium, privilegiorum, memoralium ecclesiae Aquilanae, fol. 10v‒11r aus dem 14. Jh., den Kehr noch im Archiv der Rota Romana fand (vgl. IP, IV 235) und von dem anscheinend wiederum eine Kopie aus dem 16. Jh. in einem Codex der Bibl. Vallicelliana in Rom (vgl. IP. IV 235) abhängig ist. Schon der Liber transumptuum bemerkt, daß das Papstprivileg damals verloren war. Das Diplom Ottos für das Bistum Furcona von Juni 956 (MG. DO. I n. 459, Böhmer-Ottenthal n. 247), das angeblich der Papst Johannes bestätigt haben soll, ist eine Fälschung, die laut Sickel wohl in der Zeit der Verlegung des Bistums Furcona nach Aquila um das Jahr 1257 entstanden sein dürfte. Es besagt nichts von der Unterstellung des Bistums Furcona unter den Papstschutz. Schon daraus ergibt sich, daß auch das verlorene Papstprivileg, dessen Ausstellungsdatum demnach ebenfalls der Juni 956 sein müßte, als Falsifikat zu beurteilen ist. Weder von einem Aufenthalt des Papstes in Furcona im Juni 956 noch von einem Besuch Ottos des Großen, der sowohl in seiner Urkunde als auch in der Inventio vorzeitig als Kaiser bezeichnet wird, in Rom ist für jene Zeit etwas bekannt. Daß der Kaiser später aus Mittelitalien Reliquien erworben hat, kann aus Sigebert v. Gembloux, Vita Deoderici (MGSS. IV 473) allerdings entnommen werden; vgl. dazu auch Duprè-Theseider, La grande rapina 424 ff. Das Bistum Furcona bestand schon vor dem 10. Jh. Bischof Cesso erscheint in der unechten Urkunde Ottos ohne Angabe seines Sitzes als Zeuge und ist auch sonst als Zeitgenosse des Kaisers bekannt (vgl. Böhmer-Ottenthal n. 247). Man wollte in ihm den ersten Bischof des im Jahre 956 neu begründeten Bistums Furcona sehen; vgl. auch Schwartz, Besetzung 280. Über Maximus vgl. Vies des Saints X (1952) 648 f.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †271, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0956-06-00_1_0_2_5_0_294_F271
(Abgerufen am 17.01.2017).