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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (XII.) berichtet dem Patriarchen Elias von Grado (Helie patriarche Gradensi) über den Besuch des Kaisers Otto (I.) und über dessen Bitte bezüglich der Weihe der von ihm gestifteten Kirche in Murano (ecclesiam sancte Marie de Murano Torcellane diocesis) (D. Torcello) (n. 266). Auf Grund dieser Bitten erteilt der Papst dem Patriarchen den Auftrag, sich mit seinen Erzbischöfen und Bischöfen nach Murano zu begeben und die erbetene Kirchweihe vorzunehmen. Er verleiht allen bußfertigen Teilnehmern am Weiheakt oder dessen Jahresfesten völligen Ablaß. ‒ Accedens ad presentiam nostram ... Dat. Rome apud s. Johannem Lateranum kal. Apr. pont. nostri a. I.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 16. Jh., Venedig Bibl. Marc.: Cod. Marc. lat. XIV 75 fol. 9v Drucke: F. Cornelius, Ecclesiae Trocellanae antiquis monumentis nunc etiam primum editis illustratae, II (Venedig 1749) 50; E. Besta, Una parola ancora sulla raccolta e la trascrizione di antichi documenti veneziani per opera di Tomaso Diplovataccio (Nuovo Archivio Veneto, N. S. 27/1914, 440); Cessi, Doc. II 191; Zimmermann, PUU. 257 n. † 141. Reg.: Cipolla, Fonti 115 n. 98; IP. VII/2, 103 n. † 1.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP. VII/2, 103 n. † 1. Cornelius bezog seinen Text laut eigenen Angaben aus einem alten Codex in Murano, der heute als verloren gelten muß. Ebenso aus diesem Codex ediert er II 49 f. das „Miraculum Mariae” (vgl. n. 266). Seine Vorlage hat im Vergleich zur zitierten Handschrift der Bibl. Marc. entweder einen besseren oder einen emendierten Text des Papstmandates an den Patriarchen. Jedenfalls heißt dieser bei ihm nicht Elias, sondern Bonus, was dem Namen des zeitgenössischen Patriarchen von Grado (vgl. n. 261) entsprechen würde, und die Datierung lautet wie in n. 267 XII. kal. Apr. Das päpstliche Mandat stimmt fast wörtlich mit n. 267 überein und ist wie dieses eine Fälschung, wie sich aus der Anspielung auf die angebliche Vision Kaiser Ottos (n. 266) und aus der anachronistischen Nennung des Elias in der Adresse ergibt, was schon Cornelius festgestellt hat. Im Anschluß an das Papstmandat findet sich bei Cornelius und in der zitierten Handschrift der Bibl. Marc. in Venedig auch eine undatierte Urkunde des Patriarchen, die im Wortlaut der bei n. 267 erwähnten Urkunde des Patriarchen Rodoald von Aquileja bezüglich der Weihe der Kirche von Poreč entspricht und über die Vornahme der anbefohlenen Weihe in Murano berichtet sowie den Besuchern der Kirche von Murano an deren Weihetagen, als welcher hier der 15. Aug. (Mariä Himmelfahrt) erscheint, einen Ablaß von einem Jahr und vierzig Tagen zusagt. An der Weihe sollen 24 Erzbischöfe und Bischöfe unter Führung des Erzbischofs von Nazareth (?) aus den Gebieten der Patriarchate von Grado und Aquileja sowie aus Istrien und Dalmatien Teilgenommen haben, deren Sitze zwar aufgezählt, deren Namen aber anders als in n. 267 verschwiegen werden. Als Auftraggeber erscheint in der Urkunde des Patriarchen ausdrücklich Papst Johannes XII., so daß eine Umdatierung des Papstmandates in ein anderes Pontifikat nicht in Frage kommt. In der zitierten Handschrift aus Venedig wird die Weihe der Kirche von Murano ohne Berücksichtigung des päpstlichen Mandates und dessen Ausstellers ins Jahr 803 datiert. Laut einer aber als Fälschung erwiesenen Inschrift, die wie die Patriarchenurkunde den Papst Johannes XII. als Auftraggeber der Kirchweihe nennt, soll diese erst 993 stattgefunden haben (vgl. IP. VII/2, 103 n. † 1). Tatsächlich ist die Kirche von Murano viel älteren Ursprunges; vgl. IP. VII/2, 102 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †268, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0956-04-01_1_0_2_5_0_291_F268
(Abgerufen am 16.01.2017).