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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Graf Azzo (von Canossa) erbittet durch einen heimlich aus Canossa nach Rom geschickten Boten den Rat des Papstes Johannes XII., ob er gemäß seinen Plänen die von ihm nach ihrer Flucht vor dem (italischen) König Berengar (II.) auf seiner Burg aufgenommene Königin Adelheid dem deutschen König Otto (I.) zur Frau geben dürfe, und erhält brieflich nebst einem Lob einen zustimmenden Bescheid des Papstes.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Donizo v. Canossa, Vita Mathildis I 1 u. Epitome Polironense 1 (SS. rer. Ital. V/2, 14 u. 114). Reg.:Lit.: V. Fumagalli, Le origini di una grande dinastia feudale: Adalberto-Atto di Canossa (Tübingen 1971) 80 ff.; Zimmermann, Canossa e il matrimonio de Adelaide 150.

Kommentar

Wie auch der Editor der Vita, L. Simeoni, p. 14 Anm. bemerkt, ist der Bericht eine Legende zum Ruhm Azzos, des Vorfahren Mathildes, die sich als solche schon durch die anachronistische Nennung des Papstes Johannes XII. zu erkennen gibt; vgl. Donizo (Scripsit ei magnae probitatis papa Johannes, quae gessit laudans, agat hoc ut vult et adoptat) und Epitome (Post hec Romam ad papam Johannem nomine XII. nuncium huius rei direxit, supplicans sibi super hac re dignum impendi consilium. Deliberaverat enim Atto reginam ipsam imperatori Ottoni, tunc Alamanie regi in coniugium copulare. Papa vero commendans, quod gesserat Atto, mandavit ei, ut quod de regina proposuerat salubriter adimpleret). Vgl. auch die Notiz von der angeblichen Mitwisserschaft Johannes' XII. bei den Heiratsplänen bei Andrea Dandolo (SS. rer. Ital. XII/1, 175) und Paulinus Minorita (Muratori, Antiquitates IV 954). Einzig der zeitweilige Aufenthalt Adelheids in Canossa nach ihrer Flucht dürfte historisch sein; vgl. dazu auch Dümmler, Otto der Große 196 Anm. 3, Fumagalli 82 u. zur Datierung Böhmer-Ottenthal n. 196 a u. 201 a. Bei späteren Historiographen begegnet häufig eine Verwechslung des ersten Italienzuges Ottos des Großen von 951 mit dem Romzug von 962; vgl. etwa auch Platina (SS. rer. Ital. III/1, 168) über die Berufung Ottos durch Agapit II. (n. 283). Im Jahre 951 hat Otto aber nur Erzbischof Friedrich von Mainz und Bischof Hartbert von Chur als seine Gesandten nach Rom geschickt (vgl. Ann. Einsidlenses, MGSS. III 142 u. Hermann v. Reichenau, MGSS. V 114), um durch sie über seine Aufnahme (pro susceptione sui) (vgl. Flodoard v. Reims, Ann. 952, Lauer 133) in Rom zu verhandeln; vgl. auch GP. IV/4, 74 n. *61. Der Plan des Romzuges hat sich aber zerschlagen; vgl. dazu Böhmer-Ottenthal n. 201 a; Graf, Widerstände 8 n. 2; Holtzmann, Kaiserzeit 148 f.; Lintzel, Schriften II 136 f. u. 148 f. sowie Zimmermann, Studien 138 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †232, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0951-00-00_1_0_2_5_0_251_F232
(Abgerufen am 25.07.2017).