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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Agapit (II.) teilt dem Erzbischof Gerhard von (Passau-) Lorch (Gerhardo sanctę Lauriacensis ęcclesię archiepiscopo) mit, daß auf seine durch Abt Hadamar von Fulda überbrachte Bitte der Streit zwischen ihm und Erzbischof Herold (von Salzburg) wie folgt entschieden wurde: Da laut den übersandten und den im Papstarchiv (in archivo sancti Petri) aufgefundenen Urkunden Lorch einst das einzige Erzbistum für beide Pannonien (in superioris atque inferioris Pannonię provintias) gewesen und Arno von Salzburg erst nach der zur Awarenzeit (tempora Hunnorum) erfolgten Zerstörung Lorchs und Verlegung der erzbischöflichen Residenz (nach Passau) während einer dortigen Vakanz zum apostolischen Vikar und Erzbischof in Bayern ernannt worden sei, wurde die Metropolitanwürde Lorchs und die Palliumverleihung Papst Leos (VII.) an Gerhard (n. 120) erneuert und diesem sowie seinen Nachfolgern Ostpannonien mit den Gebieten der Awaren, Mährer und Slawen (providentiam orientalis Pannonię regionemque Auarorum atque Maraharorum sed et Sclauorum) samt dem Recht der Bischofsweihe anvertraut, während Herold nur in Westpannonien erzbischöfliche Funktionen ausüben dürfe. Falls sich jedoch Herold oder dessen Nachfolger dieser Entscheidung widersetzen, solle Pannonien wieder vereinigt und ganz der Metropole Lorch unterstellt werden. ‒ Peticiones tuas ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 12. Jh., Wien Nat.Bibl.: Cod. 1051 fol. 67v. 2) 12. Jh., Köln Stadtarch.: Ms. W 129 * fol. 3. 3) 14. Jh., Kremsmünster Stiftsbibl.: Cod. Cim. 3 fol. 65. Erw.: n. 514; Magnus v. Reichersberg, Arm. 936 (MGSS. XVII 443); Magnus v. Reichersberg, Chr. (MGSS. XVII 485); Ano. Zwetlensis (Migne, PL. 213, 1026); (Bernardus Noricus), Hist. Cremifanensis (MGSS. XXV 656). Drucke: Lazius, Commentarii 1279; Gewold, Varia 13; Cocquelines, Bull. I 254; Mansi, Coll. XVIII 406; Fejér, Cod. dipl. Hungariae I 253; Filz in Wiener Jb. 70/1835, Anzeigenbl. 55; Boczek, Cod. dipl. Moraviae I 83; UB. d. Landes ob der Enns II 708; Tomassetti, Bull. I 405; Lehr, Pilgrim 40; Magnae Moraviae fontes III 267; Marsina, Cod. dipl. Slovaciae I 39; Zimmermann, PUU. 203 n. † 116. Reg.: J. 2795; Erben, Reg. I 28 n. 62; JL. † 3644; GP. I 13 n. 2† 28 u. 165 n. † 17; Gombos, Cat. I 21 n. 88; Wagner, UB. Burgenland I 12 n. 22; Boshof, Reg. von Passau 56 n. † 203 u. † 204. Lit.: Dümmler, Piligrim von Passau 24 ff.; W. Lehr, Pilgrim von Passau und die Lorcher Fälschungen (1909); Tomek, Kirchengesch. I 119; Heuwieser, Gesch. d. Bistums Passau I 63 ff. u. 79 ff.; Pelsőczi, Beziehungen 23; Zibermayr, Noricum 384; Fichtenau, Urkundenfälschungen Pilgrims 92 f. (= Beiträge zur Mediaevistik 2, 170); Fichtenau, Urkundenwesen 125.

Kommentar

Zur weiteren handschriftlichen und gedruckten Überlieferung vgl. GP. I 165 n. † 17. Die Urkunde gehört zu den Fälschungen Pilgrims; vgl. darüber n. 120. Die genannten historiographischen Quellen schöpfen aus keiner eigenen Tradition. Bei der Herstellung des Falsifikates diente n. 420 als Vorlage; vgl. Lehr 22. Zur Ungenauigkeit der Zirkumskription vgl. Wagner in Burgenländ. Forsch. 23/1953, 8: statt Pannonia superior bzw. inferior steht Ost- bzw. Westpannonien, und auf die spätantike Vereinigung von Noricum mit Pannonien zu einer Reichsdiözese wird angespielt. Vgl. weiters den Widerspruch zur Palliumverleihung an Herold n. 420. Der Fälscher hat, um glaubwürdig zu erscheinen, die Papstentscheidung mit dem Romaufenthalt Hadamars (n. 214) in Zusammenhang gebracht, doch regierte seit 946 nicht mehr Gerhard, sondern Adalbert in Passau. Dieser wird in den Akten der im Juni 948 tagenden Synode von Ingelheim (vgl. n. 218) als Lauriacensis ecclesie episcopo betitelt (MG. Conc. VI 158); vgl. dazu Beumann. Wissenschaft vom Mittelalter 389; Beumann in Sachsen u. Anhalt 18/1994, 35.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †217, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0948-01-00_1_0_2_5_0_232_F217
(Abgerufen am 28.05.2017).