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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Agapit (II.) sendet den Bischof Marinus (von Bomarzo) mit den Vollmachten eines päpstlichen Vikars zu König Otto (dem Großen) und beauftragt ihn mit der Einberufung und Abhaltung eines Konzils zur Schlichtung des Reimser Schismas. In einem dem Bischof mitgegebenen Beglaubigungsschreiben (charta legationis) wird den deutschen und französischen Bischöfen die Vollmacht des Legaten mitgeteilt und ihnen befohlen, sich bei dem geplanten Konzil einzufinden. Besondere Papstmandate ergehen an Erzbischof Artold von Reims sowie an einzelne Bischöfe Galliens und Germaniens.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Konzilsakten v. Ingelheim (MG. Conc. VI 159); Flodoard v. Reims, Ann. 948 (Lauer 109); Flodoard v. Reims, Hist. IV 34 f. (MGSS. XIII 585); Richer v. Reims, Hist. II 68 (Latouche I 240); Hugo v. Flavigny, Chr. (MGSS. VIII 361). Reg.: J. *2796 u. *2797; JL. *3545 u. *3546; Böhmer-Ottenthal n. 166 a; Boye, QuKat. 51; GP. IV/4, 74 n. 60, VI 47 n. *49 u. 50, VII/1, 46 n. 106, X/1, 40 f. n. 58 u. n.*59. Lit.: Dümmler, Otto der Große 162; Lauer, Le règne de Louis 168 f.; Mann. Lives IV 232 f.; Engelmann, Legaten 94 f.; Dumas, L'église de Reims 18 f.; Büttner, Ingelheim 20; Zimmermann, Studien 134 f.; Fuhrmann, Synode von Ingelheim 159 ff.; Beumann, Wissenschaft vom Mittelalter 385 f.; Schröder, Synoden 95; Hussong, Reichsabtei Fulda II 254 ff.; Wolter, Synoden 45f.; Sot, Flodoard 299 ff.; Pontal, Conciles 66.

Kommentar

Von sämtlichen damals ausgefertigten Papstschreiben weiß man heute nur noch aus Erwähnungen in den genannten Quellen. Der Legationsbrief des Marinus, den Richer irrtümlich zum Bischof von Ostia macht, wurde auf der Synode von Ingelheim verlesen. Er enthielt den Auftrag, daß der Legat in omni ecclesiasticarum legum discussione ... quęcunque liganda essent, apostolica auctoritate ligaret, et quę solvenda viderentur, parili solveret potestate. Die Spezialbriefe an die Bischöfe erwähnt Flodoard in seinen Ann. und auch Artold in seinem Schreiben an die Synode von Ingelheim (MG. Conc. VI 149). Einen in Ingelheim nicht erschienenen französischen Bischof lud Marinus brieflich zur nächsten Synode nach Trier (Okt. 948) und betont dabei seine päpstliche Beauftragung (MG. Conc. VI 169f.). Die Entsendung des päpstlichen Legaten erfolgte wohl auf Bitten Ottos, der vermutlich auch deswegen den Anfang Jan. 948 in Rom nachweisbaren Abt Hadamar von Fulda (vgl. n. 213 ff.) zum Papste geschickt hatte, nachdem die Bemühungen des Erzbischofs Robert von Trier um eine Entscheidung des Reimser Schismas auf der Synode von Verdun im Nov. 947 gescheitert waren (vgl. n. 208). Daher erklärt es sich auch, daß Marinus zu Otto und nicht nach Frankreich gesandt wurde. Terminus post quem für seine Entsendung wäre demnach Jan. 948, terminus ante quem die Synode von Ingelheim im Juni 948. Ob die Entsendung des Marinus nach Deutschland von König Otto und Abt Hadamar auch aus anderen, nicht nur das Reimser Schisma betreffenden Gründen erbeten wurde und ob dessen Legationsauftrag auch anderes enthielt, läßt sich aus den Quellen nicht eindeutig entnehmen. Marinus war aber an der Gründung der Bistümer Havelberg und Brandenburg durch Otto den Großen beteiligt (vgl. Böhmer-Ottenthal n. 134 u. 169; vgl. dazu auch Schlesinger, Beiträge 413 ff. sowie die als echt beurteilte Havelberger Urk. Ottos I., DO. I n. 76, ed. v. J. Huth in Jb. für Berlin-Brandenburg. KG. 58/1991, 35 f.; Schieffer, Papsttum u. Bistumsgründung 527) und weihte am 1. Nov. 948 laut Flodoard (Lauer 120) die neuerrichtete Klosterkirche in Fulda (vgl. GP. IV/4, 369 n. *41; Swinarski, Herrschen mit Heiligen 410 f.). Über das Wirken des Marinus in Deutschland vgl. zusammenfassend Engelmann 93 ff. u. 138; auch Riesenberger, Prosopographie 288 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 218, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0948-00-00_1_0_2_5_0_233_218
(Abgerufen am 16.01.2017).