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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Stephan (VIII.) bestätigt durch ein in Anwesenheit genannter Konzilsteilnehmer beschlossenes Synodalinstrument auf Intervention der Könige Berengar (II.) und Adalbert (von Italien) sowie auf Bitten des Bischofs Noting von Brescia (Belegario et Adelberto filio eius regibus intervenientibus, precibus domni Notengi Brixiensis episcopi) dem Kloster Santi Faustino e Giovita (in Brescia) (monasterio sanctorum martirum Faustini et Iouite) und dessen Mönchen die Ausstattung der Abtei (investituram abbatie in cura fratrum ... confirmamus), besonders deren Kirchen, sowie das durch Bischof Noting gewährte Recht auf Zehnten und Primizen; und befreit von allen Abgaben außer dem einen Silberpfund, welches das Kloster (jährlich) der Kirche von Brescia freiwillig entrichtet. ‒ In nomine sancte et individue trinitatis ... Dat. et corroborata VI. id. Jun. in patriarchio Laterani dom. Salvatoris. Ego Gratianus not. interfui et iussu dom. Stephani summi pont. omnia supradicta scripsi et tradidi.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 16. Jh., Mailand Bibl. Ambrosiana: Ms. D 231 inf. fol. 77. Erw.: Urk. Calixts II v. 1123 u. Innozenz' II. v. 1132 (IP. VI/1, 330 n. 3 u. 4). Druck: Kehr in GGN. 1902, 82; Zimmermann, PUU. 168 n. † 96. Reg.: IP. VI/1, 329 n. † 1 u. *2; Santifaller, LD. 312; Santifaller, Elenco 284. Lit.: Schneider, Eine antipäpstliche Fälschung 119.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP. VI/1, 329 n. † 1. Schon vor der Edition Kehrs war das Synodalinstrument in Regestenform gedruckt und bekanntgemacht worden. Das in den zitierten Urkunden der Päpste Calixt II. und Innozenz II. genannte Privileg eines Papstes namens Stephan, das in IP. VI/1, 329 n. *2 als verloren gesondert angeführt wird, ist wohl mit dem Synodalinstrument identisch, wie schon Kehr in GGN. 1902, 83 bemerkte. Die beiden Papsturkunden bestätigen mit Berufung auf Papst Stephan zum Teil Bestimmungen, die denen des Synodalinstrumentes ähneln. Dieses ist eine Fälschung, wie sich schon aus der anachronistischen Nennung der Intervenienten und des Petitors ergibt. Die beiden Könige waren damals noch nicht an der Regierung, und Bischof Noting von Brescia stand seiner Kirche in den Jahren 844 bis 865 vor. Als Teilnehmer der angeblichen Lateransynode, von der sonst nichts bekannt ist, werden am Ende des Synodalinstrumentes genannt: der Erzbischof Citonat von Cagliari, die Bischöfe Eustachius von Albano, Gratiosus von Palestrina, Georg von Porto, Deodat von Ostia, Marcian von Narni, Benedikt von Tivoli, Berard von Castro, Johannes von Perugia, Gregor von Oria, Theodor von Mileto, Gregor (von Todi) und Valentin von Miseno, weiters zwei Äbte, sechs Kardinale und vier Laien. Die Namenliste stimmt zum größten Teil mit der des Falsifikates n. 352 überein, von wo die ebenfalls nicht ins 10. Jh. passenden Namen wohl übernommen wurden, wie Schneider 119 bemerkt. Als Entstehungszeit der Fälschung muß die Zeit vor I 123, dem Datum der echten Urkunde Calixts II. angenommen werden. Textliche Übereinstimmungen mit der um 1120 entstandenen Fälschung auf den Namen Leo IX. für Bergamo (IP. VI/1, 384 n. † 1) läßt auf dieselbe Herkunft schließen. Die Datierung in den Pontifikat Stephans VIII. wird durch die zeitliche Nähe der Regierung Berengars II. und Adalberts nahegelegt. Daß nur die Jahre 940‒942 in Frage kommen, ergibt sich aus dem angegebenen Tagesdatum. Ein Notar Gratian ist zur Zeit dieses Papstes aber nicht bekannt. Aus der zitierten Urkunde Calixts II. erfährt man, daß das Kloster durch Bischof Rampert von Brescia, dem Vorgänger des im Synodalinstrument erwähnten Bischofs Noting, gegründet wurde.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †158, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0940-06-08_1_0_2_5_0_169_F158
(Abgerufen am 28.03.2017).