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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Leo (VII.) verleiht dem Erzbischof Gerhard von (Passau-) Lorch (Gerhardo sanctę Lauriacensis ęcclesię archiepiscopo) das Pallium, bestimmt gemäß den Verfügungen Papst Gregors (I.) die Palliumtage und mahnt zu guter Amtsführung. ‒ Si pastores ovium ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) 12. Jh., Wien Nat.Bibl.: Cod. 1051 fol. 74. 2) 12. Jh., Köln Stadtarch.: Ms. W 129* fol. 1. 3) 14. Jh., Kremsmünster Stiftsbibl.: Cod. Cim. 3 fol. 68. Erw.: n. 217; Magnus v. Reichersberg, Amn. 932 (MGSS. XVII 443); Magnus v. Reichersberg, Chr. (MGSS. XVII 485); Ano. Zwetlensis (Migne, PL. 213, 1025); (Bernardus Noricus), Hist. (MGSS. XXV 656); Auct. Cremifanense 932 (MGSS. IX 552). Drucke: Lazius, Commentarii 1281; Gewold, Varia 6; Mansi, Coll. XVIII 376; Migne, PL. 137, 1071; UB. d. Landes ob d. Enns II 702; Lehr, Pilgrim 34; Zimmermann, PUU. 115 n. † 70. Reg.: J. 2557; JL. † 3602; GP. I 164 n. † 15; Santifaller, LD. 311; Gombos, Cat. II 1450 n. 3425; Magnae Moraviae fontes III 266 n. 127; Boshof, Reg. von Passau 54 n. † 199. Lit.: Dümmler, Piligrim von Passau 22; Hacke, Palliumverleihung 13 ff.; W. Lehr, Pilgrim von Passau und die Lorcher Fälschungen (1909); Tomek, Kirchengesch. I 119; Heuwieser, Gesch. d. Bistums Passau I 63 ff., bes. 78 f.; Pelsőczi, Beziehungen 23; Zibermayr, Noricum 384.

Kommentar

Zur weiteren handschriftlichen und gedruckten Überlieferung vgl. GP. I 164 n. † 15. Die genannten historiographischen Quellen erwähnen aus der Kenntnis der Papsturkunde die Palliumverleihung an Gerhard, die beiden Reichersberger Quellen sprechen auch von der Erteilung eines besonderen Legationsauftrages an Gerhard (MGSS. XVII 443: Hic Leo papa VII. commisit legationem per privilegium et pallium Gerhardo archiepiscopo Lauriacensi), wovon erst in n. 146 die Rede ist. Das Privileg folgt dem üblichen Urkundenformular für Palliumverleihungen (LD. 45). Zur Berufung auf Gregor I. (JE. 1326) vgl. Hacke 109 und Zimmermann, Rechtstradition 134. Sie findet sich ebenso in den Palliumurkunden Gregors IV. von 837 und Nikolaus' I. von 860 für Salzburg (GP. I 10 n. 14 u. 11 n. 17), die laut Hacke 14 als Vorlage dienten. Als Palliumtage werden genannt: Gründonnerstag, Ostern, Weihnachten, die Apostel- und Marienfeste, Johannes-, Stephans- und Laurentiustag, die Feste der Domkirche und der in Passau verehrten Reliquien (qui corporaliter in tua requiescunt parrochia), der Ordinationstag des Erzbischofs. Weihetage und Synodalsitzungen im Missionsgebiet (si forte conventiculum illic fuerit neoffitorum, qui ad fidem Christi tua exhortatione sunt perducendi). Die Echtheit dieser und anderer Lorcher Urkunden (der Palliumverleihung des Symmachus und des Privilegs Eugens II., GP. I 159 n. † 1 u. 162 n. † 10, sowie der Urkunden n. 146, n. 217 und n. 514) bezweifelt bereits Kleinmayrn, Juvavia 75 ff. Dümmler (vgl. auch E. Dümmler, Über die Entstehung der Lorcher Fälschungen, SB. Berlin 1898, 758 ff.) beurteilte sie als Fälschungen und sah in Bischof Pilgrim von Passau deren Urheber. Nachdem K. Uhlirz, Die Urkundenfälschung zu Passau im 10. Jahrhundert (MIÖG. 3/1882, 177 ff.) den seit 970 in der kaiserlichen Kanzlei tätigen Notar Willigis C als Schreiber der ebenfalls gefälschten Herrscherdiplome (Böhmer-Mühlbacher n. 299, 778 u. 1942) erweisen konnte, hat Lehr endgültig die Fälschung der Papsturkunden konstatiert und durch Stilvergleich bewiesen, daß Willigis C auch an deren Ausfertigung beteiligt war. Jüngst möchte Fichtenau in Mitt. d. oö. Landesarchivs 8/1964, 85 ff. (Ndr.: Beiträge zur Mediävistik 2, 1977, 162 ff.) Willigis C mit Pilgrim identifizieren. Als Entstehungszeit der Falsifikate werden heute allgemein die Anfänge der Regierung Pilgrims (971‒991) angenommen. Damals bemühte sich dieser um das Pallium in Rom (vgl. n. 513) und um 977 auch um eine Anerkennung seiner Metropolitenwürde durch Kaiser Otto II. Zweck der Fälschungen war, Passau aus der Salzburger Kirchenprovinz zu lösen und zu einem eigenen Erzbistum für die östlichen Missionsgebiete, bes. für Pannonien, zu machen. Hiefür wurde die Tradition von einem antiken Erzbistum im Lauriacum an der Enns, der Provinzialhauptstadt von Ufer-Noricum, herangezogen, deren Bischof die Vita Severini des Eugippius als pontifex bezeichnet (vgl. R. Noll, Eugippius, Das Leben des heiligen Severin, 1963, 96). Nach der Zerstörung Lorchs durch die Awaren habe der Erzbischof seine Residenz nach Passau verlegt, den erzbischöflichen Rang aber an Salzburg verloren (vgl. n. 514). Über den Stand der Forschungen vgl. Bauerreiß, Kirchengesch. II 142 ff., Fichtenau 81 ff.u.F.R. Erkens in Ostbair. Grenzmarken 28/1986, 195 ff. Für die Datierung ist der Pontifikat Leos VII. maßgebend, des einzigen zur Zeit Gerhards von Passau herrschenden Papstes dieses Namens. Eine Romreise Gerhards wird in n. 146 erwähnt, doch gibt es keine Nachricht über einen damaligen Palliumempfang. Boshof wertet n. 146 als Terminus ante.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †120, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0936-00-00_1_0_2_5_0_127_F120
(Abgerufen am 24.01.2017).