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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Graf Heribert (II. von Vermandois) teilt dem Papste Johannes (X.) brieflich die Freilassung des Königs Karl (III. von Frankreich) mit (Heribertus comes litteras Romam dirigit significans ei de restitutione et honore Karoli), die ihm seinerzeit vom Papste befohlen worden war (n. 76), und beteuert, niemals zu den Verschwörern gegen Karl gehört zu haben, sondern diesen nur widerwillig gefolgt zu sein. Er berichtet ferner, daß außer ihm selbst auch andere Adelige mit Ausnahme einiger Bestochener für Karl seien, und ersucht den Papst, an den Episkopat und Adel Galliens und Germaniens zu schreiben und mit Androhung des Anathems die endgültige und allgemeine Anerkennung Karls als König zu fordern.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Flodoard v. Reims, Ann. 928 (Lauer 40); Flodoard v. Reims, Hist. IV 21 (MGSS. XIII 579); Richer v. Reims, Hist. I 54 (Latouche I 104 ff.); Hugo v. Flavigny, Chr. (MGSS. VIII 358); Chr. s. Martini Turonensis breve (Bouquet, Recueil IX 51). Reg.:Lit.: Eckel, Charles le Simple 132; Lauer, Robert et Raoul 51; Mann, Lives IV 175 f.; Venni, Giovanni 83; Zimmermann, Studien 125 f.; Fried, Laienadel 402; Sot, Flodoard 264.

Kommentar

Die Freilassung König Karls durch Heribert erfolgte Ende 927, als sich dieser mit König Rudolf von Frankreich entzweit hatte. Flodoard datiert den Brief an den Papst ins Jahr 928, und Richer berichtet, daß die Boten Heriberts das Schreiben in Rom nicht mehr dem Papste aushändigen konnten, da dieser indessen eingekerkert worden war (vgl. n. 89). Daraus ergibt sich als Zeitpunkt der Absendung der gräflichen Gesandtschaft etwa das Frühjahr 928. Den Inhalt des nicht mehr erhaltenen Briefes, den Flodoard in seinen Ann. nur in der zitierten Weise charakterisiert, gibt am ausführlichsten Richer in seinem Geschichtswerk wieder. Die sich dort findende Behauptung, daß Heribert nicht zu den Verschwörern gegen Karl gezählt habe, ist jedoch unwahr, denn der Graf selbst hatte Ende 923 den König gefangengesetzt. Heribert söhnte sich noch 928 mit König Rudolf aus und setzte Karl neuerlich in Haft, in der dieser am 7. Okt. 929 starb. Der Nachfolger Johannes' X., Papst Leo VI., hat sich nicht in die französischen Thronwirren eingemischt.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 88, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0928-00-00_1_0_2_5_0_93_88
(Abgerufen am 26.09.2018).