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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Päpstliche Maßnahmen in bezug auf das Erzbistum Narbonne. Papst Johannes X. erhält von dem neuen Erzbischof Aimerich von Narbonne sowie von dessen Suffraganen, den Bischöfen Wigo (von Gerona) und Reginald (von Béziers), die schriftliche Mitteilung der erfolgten Wahl und Ordination des Metropoliten. Weiters wird über den Ungarneinfall in die Provinz Narbonne und über dessen Abwehr durch den Markgrafen (Raimund) Pontius (III. von Toulouse) berichtet und entschuldigend mitgeteilt, daß gemäß der Sitte derzeit weder der Erzbischof selbst noch dessen Vertreter nach Rom kommen könnten, da der Reiseweg über die Alpen durch die Sarazenen verlegt sei. Der Papst wird gleichwohl um Anerkennung der Wahl des Aimerich durch Übersendung des Pallium ersucht und eine Romreise des Erzbischofs für den nächstmöglichen Termin in Aussicht gestellt. Der Erzbischof erbittet ferner die Bestätigung der Privilegien seiner Kirche. Wunschgemäß läßt der Papst eine Bestätigungsurkunde ausfertigen (n. 85) und gestattet dem Erzbischof das Tragen des Pallium zu Weihnachten, Ostern, Mariä Himmelfahrt, am Johannistag und bei Ordinationen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 85; Catel, Hist. 87 f. und Mémoires 778 f. Reg.: Martí Bonet, Reg. 384 n. 4. Lit.: Marca-Baluze, Marca hispanica 384; Gall. Christ. VI 27 u. 303; Griffe, Hist. rel. de l'Aude 127.

Kommentar

Der Inhalt der Wahlanzeige findet sich bei Catel, der behauptet, das Schriftstück im erzbischöflichen Archiv von Narbonne gesehen zu haben. Es muß heute als verloren gelten. Die Bitte des Erzbischofs um Privilegienbestätigung wird in n. 85 erwähnt, wo der Papst auch seinem Bedauern über die ihm mitgeteilte Bedrängnis der Narbonner Kirche Ausdruck verleiht. Im Papstprivileg wird nur der Erhalt eines einzigen Schreibens aus Narbonne bestätigt, so daß man annehmen muß, die genannten Suffragane haben dieses mit unterschrieben und nicht, wie sich aus Catel zu ergeben scheint, einen eigenen Brief nach Rom geschickt. Die Palliumverleihung berichtet Catel, Mémoires 779. Die mit n. 85 kaum identische Palliumurkunde ist heute ebenfalls verloren. Vgl. Martí Bonet, Concesión del palio 138 f. Über den Ungarneinfall westlich der Rhône in den Jahren 925‒926 vgl. Fasoli, Le incursioni 141 und Eszlary, Les incursions 68 f. Erzbischof Aimerich folgte dem am 11. März 927 verstorbenen Agius von Narbonne (vgl. Gall. Christ. VI 26), so daß seine Wahlanzeige wohl noch ins Jahr 927 datiert werden kann. Zur Datierung der päpstlichen Bestätigungsurkunde vgl. n. 85. Die Identifizierung der genannten Suffragane ist nicht ganz sicher. Wigo könnte auch der zeitgenössische Bischof Hugo von Toulouse sein, auf den Catel verweist, doch entscheidet sich die Gall. Christ. mit Baluze für Wigo von Gerona, woraus sich ergeben würde, daß je ein französischer und ein katalonischer Suffraganbischof von Narbonne wohl im Namen aller übrigen Bischöfe der Kirchenprovinz diesseits und jenseits der Pyrenäen die Wahlanzeige unterfertigt hat.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 83, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0927-03-00_1_0_2_5_0_88_83
(Abgerufen am 16.01.2017).