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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Päpstliche Gesandtschaft nach Bulgarien und Dalmatien. Die von Papst Johannes X. entsandten Legaten, Bischof Madalbert und Herzog Johannes, haben den Auftrag, einen Frieden zwischen den Kroaten und Bulgaren zu vermitteln sowie in Dalmatien eine Synode zur Organisation der dalmatinischen und kroatischen Kirche zu veranstalten. Sie überbringen diesbezügliche Papstschreiben. In Bulgarien wird die Zarenwürde des Fürsten Simeon durch den Papst anerkannt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Konzilsakten v. Split (Šišić, Enchiridion I 221 f. u. Kostrenčić, Cod. dipl. regni Croatiae I 37); Briefwechsel des Zaren Kalojan mit Innozenz III. (Dujčev in Annuaire de l'université Sofia, fac. hist. philol. 37/1942, 23 f. u. 44; Hageneder, Register V 224 ff.). Reg.:Lit.: Šišić, Povijest hrvata I 422 ff.; Srebrnić in Dissertationes 150 ff.; Zlatarski, Istorija I/2, 503 ff.; Runciman, Emperor Romanus 94; Runciman, Bulgarian Empire 173; Venni, Giovanni 104 ff. u. 112; Dabinović, Hrvatska državna I 74; Ostrogorsky, Gesch. 215; Zimmermann, Spliter Konzilien 12; Waldmüller, Synoden 37 f.

Kommentar

Bischof Madalbert wurde auch von Papst Johannes XI. als Legat verwendet (vgl. n. 111), sein Bischofssitz ist unbekannt. In dem als dux Cumas bezeichneten Legaten Johannes, den Šišić, Povijest I 423 Anm. 33 für einen Verwalter päpstlicher Patrimonien bei Neapel hält, sieht Gruber in Dissertationes 330 ff. in der Nachfolge von Farlati, Illyricum III 104 einen Gesandten des Bulgarenzaren Simeon an den Papst, der nun gemeinsam mit Madalbert zurückreiste. Dann würde sich auch erklären, wieso dieser Johannes nicht ebenso wie Madalbert an der zweiten Synode von Split (vgl. n. 92) teilnahm. Daß der Papst einen weltlichen Beamten als seinen Legaten in geistlichen Angelegenheiten verwendet haben soll, klingt ohnedies unwahrscheinlich. Vgl. zusammenfassend Soldo. Historiographie 57. Die Gesandtschaft ist sicher noch vor dem am 27. Mai 927 erfolgten Tode Simeons aus Rom abgereist. Die geplante dalmatinische Synode fand jedoch erst Anfang 928 nach der Rückkehr Madalberts aus Bulgarien statt (n. 92). Nur die nicht überlieferten Papstschreiben dürften wohl schon auf der Hinfahrt in Dalmatien übergeben worden sein. Zur Überlieferung der Akten von Split vgl. n. 71. Die Nachrichten über die Anerkennung der bulgarischen Zarenwürde durch den Papst finden sich nur im zitierten Briefwechsel Kalojans. Hier wird behauptet (Dujčev 44): ... invenimus scripturis, quod beate memorie illi imperatores Bulgarorum et Blachorum Symeon, Petrus et Samuel et nostri predecessores coronam pro imperio eorum et patriarchalem benedictionem acceperunt a sanctissima Romana ecclesia et ab apostolica sede, principe apostolorum Petro. Schon Innozenz III. hat diese Behauptung Kalojans bezweifelt (Dujčec 23 f.; Hageneder 229), die durch die päpstliche Autorität den Unabhängigkeitsbestrebungen der Bulgaren von Byzanz Nachdruck verleihen wollte. Höchstens an eine Anerkennung der Zaren Simeon und Peter durch Papst Johannes X. kann gedacht werden, kaum aber an die Übersendung einer Krone an Simeon oder an eine gemeinsame Krönung dieses Herrschers und seines Sohnes Peter durch die päpstlichen Legaten. Diese Anerkennung wird man am besten in die Zeit der Friedensgesandtschaft Johannes' X. nach Bulgarien datieren, doch hat Simeon damals schon längst den Zarentitel geführt; vgl. dazu Zlatarski I/2, 507 f. und 513 f.; G. Ostrogorsky, Die Krönung Symeons von Bulgarien durch den Patriarchen Nikolaos Mystikos (Bulletin de l'inst. arch. Bulgare 9/1935, 275 ff.); Dujčev 84; I. Snegarov, Kronjasan li e bil Knjaz Simeon v Carigrad prez 913 godina (Godišnik na Sofijskija Universitet VI. Bogoslovski Fakultet 24/1946‒47, Nr. 3); F. Dölger, Byzanz und die europäische Staatenwelt (1953) 148 ff. und Dvornik, Slaves 131 f. Die päpstliche Friedensvermittlung erwähnt auch eine kroatische Überlieferung des Lib. pont. (Hic fecit pacem inter Bulgaros et Chroatos per legatos suos Madalbertum, scilicet episcopum.et Johannem ducem: vgl. V. Foretić. Korčulanski kodeks 12. stolieća, in: Starine Jugoslavenske Akademije 46/1956, 30). Vgl. dazu und zur Anerkennung eines bulgarischen Patriarchats durch Byzanz als byz. Gegenaktion auf die päpstliche Einmischung am Balkan Every, Byzantine Patriarchate 142; I. Dujčev, Il patriarcato bulgaro del secolo X. (Orientalia Christ. Analecta 181/1968, 214 ff.). Zur Anerkennung des Zaren Samuel durch den Papst vgl. n. 595.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 81, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0927-00-00_2_0_2_5_0_85_81
(Abgerufen am 18.10.2017).