Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 70 von insgesamt 1338.

Nach Bekanntwerden der Verwüstung des oströmischen Reiches durch die Bulgaren sendet der Papst (Johannes X.) die Bischöfe Theophylakt und Carus als Legaten nach Byzanz. Diese stellen durch förmliche Verdammung der Tetragamie die Einheit zwischen der römischen und der byzantinischen Kirche wieder her und überbringen ein Papstschreiben an den Patriarchen Nikolaos, worin dieser aufgefordert wird, nochmals dem Bulgarenherrscher Simeon zu schreiben und die Legaten zu diesem weiterzuleiten. An Simeon richtet sich ein anderes Papstschreiben, worin dieser zum Frieden gemahnt wird. Die Legaten haben den Auftrag, ihn zu exkommunizieren, falls er sich allen Mahnungen verschließe. Patriarch Nikolaos schickt zwar den Papstbrief samt einem Begleitschreiben an Simeon, hält aber die päpstlichen Legaten angeblich aus Furcht, es könne ihnen von den Bulgaren etwas angetan werden, in Konstantinopel zurück.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Brief Nikolaos' an Simeon (Jenkins-Westerink, Nicholas Letters 192 ff., vgl. auch 539 n. 28; Grumel-Darrouzès, Reg. II 269 n. 756). Reg.:Lit.: Hergenröther, Photius III 690 ff.; V. N. Zlatarski, Pismata na carigradskija patriarch Nikolaja Mistika do bălgarskija car' Simeona (Sbornik za narodni umotvorenija, nauka i knižnina 10/1894, 390 f. u. 12/1895, 183 f.); Srebrnić in Dissertationes 141 f. u. 149 f.; Runciman, Bulgarian Empire 168; Venni, Giovanni 98 ff.; Jugie, Le schisme byz. 163 ff.; Every, Byz. Patriarchate 141; Boojama, Eastern Schism 131; Zimmermann, Dunkle Jh. 58 f.; Beck, Gesch. d. orth. Kirche 123; Zimmermann, Spliter Konzilien 10 ff.

Kommentar

Daß der Papst bei dieser Gelegenheit auch die alten Ansprüche Roms auf Bulgarien geltend machen wollte und deswegen die Legaten an der Weiterreise durch Nikolaos gehindert wurden, vermutete bereits Hergenröther III 690, während Zlatarski in Sbornik 12/1895, 184 eher daran denkt, Nikolaos habe befürchtet, Simeon könne die Annäherung Roms an Byzanz hintertreiben. Ob Johannes X. tatsächlich durch die Gesandtschaft die Tetragamie verdammen ließ, wie Nikolaos berichtet, ist fraglich; vgl. Hergenröther III 693 f. Die Datierung der Legation ergibt sich aus einer Notiz der Vita Euthymii (Karlin-Hayter 140), wonach der Tetragamiestreit im 10. Jahr des Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos (Juni 922‒Juni 923) beendet wurde; vgl. Grumel. Die beiden Papstbriefe sind verloren und nur aus der Erwähnung im Schreiben des Patriarchen bekannt. Vgl. über die päpstlichen Maßnahmen auch Karlin-Hayter in Jb. österr. Byz. 19/1970, 100.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 66, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0923-00-00_3_0_2_5_0_70_66
(Abgerufen am 25.01.2017).