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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Johannes (X.) trifft (gemeinsam mit einem römischen Konzil) die Entscheidung über das Schisma in Lüttich. Der auf Grund der päpstlichen Vorladung (n. 56) und auf Weisung König Karls (III. von Frankreich) nach Rom gekommene (Abt) Richar (von Prüm) wird als rechtmäßiger Bischof von Lüttich anerkannt und seine durch König Karl erfolgte Einsetzung bestätigt. Er erhält (am 4. November) vom Papst die Bischofsweihe sowie ein Papstprivileg, das ihm das Tragen des Pallium und den Gebrauch eines geschmückten Reitpferdes nach apostolischer Weise gestattet. Richars ebenfalls in Rom erschienener Gegner Hilduin entzieht sich dem päpstlichen Urteil durch die Flucht und wird als Parteigänger des (Herzogs) Giselbert (von Lothringen) und wegen seiner Treulosigkeit gegenüber König Karl mit Absetzung von der usurpierten Lütticher Bischofswürde und mit dem Bann bestraft. Er bemüht sich allerdings sofort in Rom um die päpstliche Absolution.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Flodoard v. Reims, Ann. 922 (Lauer 7); Folkuin v. Laubach, Gesta abb. Lobiensium 19 (MGSS. IV 63); Ann. Lobienses 920 (MGSS. XIII 233); Richer v. Reims, Hist. I 25 (Latouche I 60 ff.); Hugo v. Flavigny, Chr. (MGSS. VIII 358); Sigebert v. Gembloux, Tractatus de investitura (ed. J. Krimm-Beumann, DA. 33/1977, 69 f.); Sigebert v. Gembloux, Chr. (MGSS. VI 346); Ägidius v. Orval, Gesta ep. Leodiensium (MGSS. XXV 52). Reg.: J. *2733; JL. *3566; Böhmer-Ottenthal n. 1 a; GP. X/1, 283 n. *11. Lit.: Zimmermann, Streit um das Lütticher Bistum 33 ff.; Tüchle, Romfahrten 107; Martí Bonet, Concesión del palio 167; Kupper, Liège 112.

Kommentar

Die definitive Einsetzung Richars in Lüttich erfolgte nach seiner Rückkehr aus Rom im Jan. 922. Über die römischen Ereignisse berichtet am ausführlichsten Folkuin, besonders auch über das Richar verliehene, heute verlorene und durch keine andere Quelle bezeugte Papstprivileg: Richarius ... ab ipso summo pontifice pontifex ordinatur et consecratur, donato sibi omnium praedecessorum suorum soli archiepiscopali pallio et equo apostolico more ad procedendum strato. Vgl. über die übrigen Quellenaussagen Zimmermann 32 f. sowie über die Abhängigkeit der Quellen voneinander Zimmermann 16 f. Das Datum der römischen Bischofsweihe Richars verzeichnen die Arm. Prumienses (MGSS. XV 1292); vgl. dazu Zimmermann 33. Erzbischof Hermann von Köln hatte wegen Kränklichkeit der päpstlichen Vorladung nicht Folge geleistet, und man kann annehmen, daß er sich brieflich beim Papste entschuldigte; vgl. n. 62. Über Hilduins weiteres Schicksal vgl. auch n. 107. Sämtliche Quellen finden sich jetzt auch in MG. Conc. VI/1, 49 ff. abgedruckt.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 61, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0921-11-00_2_0_2_5_0_65_61
(Abgerufen am 29.03.2017).