Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 60 von insgesamt 1338.

Papst Johannes (X.) erteilt dem Erzbischof Hermann (I.) von Köln (Herimanno sanctae Coloniensis ecclesiae archiepiscopo) einen Tadel, weil er aus Furcht vor (Herzog) Giselbert (von Lothringen) entgegen kanonischen Vorschriften und in Nichtachtung des königlichen Gewohnheitsrechtes auf Bistumsbesetzungen (cum prisca consuetudo vigeat, qualiter nullus alicui clerico episcopatum conferre debeat nisi rex) den nicht von Klerus und Volk erwählten (Lütticher Kleriker) Hilduin zum Bischof (von Lüttich) geweiht habe, obwohl laut dem Zeugnis König Karls (III. von Frankreich) und Kaiser Berengars (vgl. n. 53) schon vorher (Abt) Richar (von Prüm) kanonisch gewählt worden sei und keine Bischofsweihe ohne königliche Erlaubnis erfolgen dürfe (nullo modo esse debeat, ut absque regali praeceptione in qualibet parrochia episcopus sit consecratus). Zur Entscheidung des Streites lädt der Papst den Erzbischof ein, mit Hilduin und Richar bis Mitte Oktober (921) oder, falls dies wegen heidnischer Einfälle unmöglich sei, bis Anfang April (922) nach Rom zu kommen. Dem König Karl wird wegen seiner Verwandtschaft mit Berengar und um seine Macht nicht zu schmälern das Recht seiner Vorgänger bezüglich der Bischofseinsetzung bestätigt (sicut priores suos antecessores nostrorum antecessorum auctoritate episcopum per unamquamque parrochiam ordinare probabiliter statutum est, ita ut Carolus rex faciat confirmando iubemus), die Verwaltung des Bistums Lüttich (Leogis episcopatus) bis zur päpstlichen Entscheidung dem Erzbischof übertragen und Hilduin die Ausübung der priesterlichen Funktionen untersagt. ‒ Cum simus dominicae plebis ...

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: Erw.: Folkuin v. Laubach, Gesta abb. Lobiensium 19 (MGSS. IV 63). Drucke: Sirmond, Conc. III 575; Labbe-Cossart, Conc. EX 574; Lünig, Spicilegium I/2, 321; Mansi, Coll. XVIII 320; Bouquet, Recueil IX 215; Migne, PL. 132, 806; Santifaller, Reichskirchensystem 118; Hehl in MG. Conc. VI/1, 53; Zimmermann, PUU. 80 n. 48. Reg.: J. 2731; JL. 3564; Oediger, Reg. I 101 n. 309; GP. VII/1, 44 n. 100 u. X/1, 282 n. 8. Lit.: Venni, Giovanni 76 ff.; Zimmermann, Streit um das Lütticher Bistum 15 ff.; Zimmermann, Studien 125; Santifaller, Reichskirchensystem 32; Neuß, Gesch. d. Erzbistums Köln I 163 f.; Zimmermann, Rechtstradition 136.

Kommentar

Zur Überlieferung des Papstschreibens, das Hermann mit einem Begleitschreiben an Richar und wohl auch an Hilduin weitersandte, vgl. Santifaller 118 sowie auch zur Interpretation, zur Datierung und zur Literatur Zimmermann, Streit 15 ff. weiters neuerdings über die von Sirmond verwendete Hs. Fuhrmann, Pseudoisidor 705 Anm. 255 u. Mordek, Bibl. capitularium 1038. Das zweifellos echte Papstschreiben ist ebenso wie n. 57 wegen der darin enthaltenen Anerkennung des königlichen Investiturrechtes durch den Papst von größter Bedeutung; vgl. dazu auch Lesne, Hist. de la propriété II/3, 41 ff. Auf falscher Information beruhen allerdings die Angaben über die Entstehung des Lütticher Schismas; vgl. dazu n. 61 und Zimmermann, Streit 16 ff. Über die Entscheidung des Streites vgl. n. 61. Zugunsten einer königlichen Vergabung von Bistümern hatte sich laut Hugo v. Flavigny (MGSS. VIII 354) auch bereits Papst Hadrian II. ausgesprochen (JE. *2922 u. *2923).

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 56, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0921-00-00_1_0_2_5_0_60_56
(Abgerufen am 25.05.2017).