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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Sarazenenkrieg und Schlacht am Garigliano. ‒ Die Sarazenen werden gezwungen, sich auf ihre Befestigungen am Garigliano zurückzuziehen, und dort drei Monate lang belagert. Papst Johannes X. nimmt an den Kämpfen teil und hält mit seinen und mit den Truppen des Herzogs Alberich (I. von Spoleto-Camerino) das rechte Garigliano-Ufer besetzt, während das byzantinische und süditalische Heer am anderen Ufer lagert. Nach drei Monaten gelingt es, die Sarazenen zu überwältigen. Der Sieg wird der Hilfe der Apostel Petrus und Paulus zugeschrieben, die vielen Kämpfern erschienen sein sollen.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 37; Liudprand v. Cremona, Antapodosis II 52-54 (Becker, SS. rer. G. 41/1915, 62); Benedikt v. Soratte, Chr. (Zucchetti, FSI. 55/1920, 157); Gregor v. Catino, Chr. (Balzani, FSI. 33/1903, 302); Leo v. Ostia, Chr. I 52 (MGSS. XXXIV 134); Martin v. Troppau, Chr. (MGSS. XXII 430); Ricobald-Bojardo, Chr. (Muratori, SS. IX 310 ff.). Reg.: JL. I p. 450. Lit.: P. Fedele, La battaglia del Garigliano (Arch. stor. Rom. 22/1899, 181-211); Gay, L'Italie 162; Venni, Giovanni 36 ff.; Fliche, Les origines 770 f.; Brezzi, Roma e l'impero 106 ff.; Eickhoff, Seekrieg 298 f.; Setton, Crusades I 50; Cilento, Sarazeni 118 f.; Hiestand, Byzanz 127 f.; Cilento, Italia meridionale 185; Marazzi, Vittoria sul Garigliano 253 ff.

Kommentar

Das genaue Datum der Schlacht teilt Leo v. Ostia mit: a. incarn. dom DCCCCXV., ind. III., men. Aug.; vgl. dazu Fedele 195 ff. und Hofmeister in MIÖG. Erg.Bd. 7/1906, 417 Anm. 6. Leo bringt auch die Nachricht von der dreimonatigen Belagerung der Sarazenen, woraus sich der Beginn des Sarazenenkrieges auf Juni 915 berechnen läßt. Schlachtort war die Ebene am Garigliano und laut Liudprand ein mons Garelianus, auf dem sich das sarazenische Lager erhob. Fedele 192 identifiziert diesen mit dem Monte d'Argento. Die Aufstellung der Truppen findet sich bei Leo; vgl. dazu Fedele 190 und Gay 162. Phantastische Angaben über die Stärke der Kontingente bringt Bojardo, wonach das päpstliche und spoletinische Aufgebot aus 11.000 Reitern und 15.000 Mann Fußvolk bestanden haben soll. Von der Hilfe der Apostelfürsten berichtet zuerst der Papst in n. 37 (... beatissimis scilicet apostolis intercedentibus ... Saraceni ... dissipati sunt), von deren Erscheinung während der Schlacht Liudprand und Gregor v. Catino. Spätere Quellen übernehmen diese Darstellung. Kämpfe mit herumstreifenden Sarazenenhorden, die der Schlacht am Garigliano vorausgingen, kennt Benedikt, und auch Martin berichtet, daß zunächst prope Urbem und erst dann am Garigliano gekämpft wurde. Wenn Liudprand II 49 f. (Becker 60 f.) mitteilt, ein sarazenischer Jüngling habe sich Papst Johannes X. angeboten, mit 60 Bewaffneten die Sarazenen zu vertreiben, und ihm sei es auch gelungen, die herumstreifenden Scharen auf den Garigliano zurückzuwerfen, so ist als wahrer Kern der Legende wohl nur an verschiedene Vorkämpfe mit den Sarazenen zu denken, wodurch diese gezwungen wurden, von ihren Streifzügen bis nach Rom abzulassen; vgl. Fedele 186 Anm. 1; H. Jessen, Die Wirkungen der augustinischen Geschichtsphilosophie auf die Weltanschauung und Geschichtsschreibung Liudprands von Cremona (1922) 39; Venni 43 f. und bes. Arnaldi, La fase preparatoria 126 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 35, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0915-06-00_1_0_2_5_0_39_35
(Abgerufen am 23.03.2017).