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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Bündnispakt gegen die Sarazenen. ‒ Im Auftrag des Papstes Johannes X. (per iussionem et dictum domni Johannis X. et universalis pape) beschwört eine dreizehnköpfige römische Abordnung unter Führung des Senators Theophylakt den Bündnisvertrag und verpflichtet sich, weitere siebzehn (römische) Edelleute nach Wahl der Vertragspartner zu demselben Eide zu veranlassen. Vertragspartner sind der (byzantinische) Stratege von Langobardia Nikolaos (Picingli), (die süditalischen Fürsten) Gregor (IV.) von Neapel, Landulf (I.) und Atenulf (II.) (von Capua-Benevent), Waimar (II. von Salerno) und (vor allem) Johannes (I.) und Docibilis (II.) von Gaeta. Den Gaetanern wird das Privileg des Papstes Johannes VIII. (IP. VIII 82 n. 5) und damit der Besitz der Territorien von Traetto und Fondi (territorium Trayectanum ... civitatem et terram Fondanam) in angegebenen Grenzen bestätigt. Der Papst verpflichtet sich, am Sarazenenkrieg teilzunehmen und mit den Sarazenen keinen Sonderfrieden abzuschließen. Die Gaetaner sollen nach Ratifizierung des Vertrages durch den Papst in Rom 1000 Mankusen erhalten und weitere 1000 Mankusen bei etwaiger Verwüstung ihrer Länder während des Sarazenenkrieges.

Überlieferung/Literatur

Druck: Vehse in QuF. 19/1927, 202; Classen, Verträge 73. Reg.: IP. VIII 83 n. 13; Zimmermann, PUU. 68 n. 40. Lit.: Hamel, Territorialgeschichte 95 ff.; Vehse, Bündnis 181 ff.; Gerstenberg, Entwicklung 17; Kölmel, Kirchenstaat 7; Venni, Giovanni 48 ff.; Arnaldi, La fase preparatoria 129 ff.; Cilento, Sarazeni 118 f.; Saletta, Arabi al Garigliano 104 ff.; Zimmermann, Dunkle Jh. 53 f.

Kommentar

Die Bündnisurkunde ist fragmentarisch als Insert in einer Gerichtsurkunde vom Jahre 1014 in Montecassino und in einer Kopie von 1347 in der Bibl. Vat. erhalten. Außerdem wird der Pakt noch bei Leo v. Ostia (MGSS. XXXIV 234) erwähnt. Zur Überlieferung vgl. Vehse und IP. VIII 83 n. 13, zu den Drucken der Urkunde von 1014 auch IP. VIII 82 n. 5. Die römische Abordnung bestand neben Theophylakt aus dem Senator Johannes, den Duces Gratian, Gregor und Antonius, dem Primicerius Sergius, dem Secundicerius Stephan, dem Primicerius defensorum Stephan, dem Arcarius Stephan, dem Sacellarius Theophylakt sowie aus den Adeligen Nistald, Sergius de Eufemia und Hadrian, dem Vater des Papstes Stephan (V); vgl. dazu auch Solmi, Il Senato Romano 107 f. Die süditalischen Fürsten werden in der Bündnisurkunde z. T. mit den ihnen von Byzanz verliehenen Titeln aufgeführt. Zu den genannten Personen vgl. Vehse 185 ff. und Arnaldi 140 ff. Der Passus über die Gebietsabtretung an Gaeta folgt der zitierten Urkunde Johannes' VIII.; vgl. Vehse 190 f. Über die Interpretation und Datierung dieser Vorurkunde vgl. Arnaldi 132 ff. Die Datierung des Bündnispaktes, durch den Gaeta für eine gemeinsame Aktion gegen die süditalischen Sarazenen und zur Aufgabe seines bis dahin noch bestehenden Bündnisses mit den Sarazenen gewonnen werden sollte, ergibt sich aus dem Zeitpunkt der Ankunft des Strategen Nikolaos in Italien (Apr. 915) und dem Beginn des Sarazenenkrieges im Juni 915 (n. 35); vgl. Vehse 195 f. u. Falkenhausen, Byz. Herrschaft 78.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 34, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0915-04-00_1_0_2_5_0_38_34
(Abgerufen am 27.07.2017).