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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Erzbischof Johannes (XI.) von Ravenna wird vom römischen Adel (und auf Veranlassung der (Frau des Senators Theophylakt) Theodora) nach Rom berufen und besteigt als Johannes X. den Papstthron.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Lib. pont. Cat. Casinensis (Duchesne II 240); Liudprand v. Cremona, Antapodosis II 48 (Becker, SS. rer. G. 41/1915, 60); Flodoard v. Reims, De triumphis (Lauer 178 f.); Leo v. Ostia, Chr. 152 (MGSS. XXXIV 134); Ano. Zwetlensis (Migne, PL. 213, 1025); Alberich v. Troisfontaines, Chr. (MGSS. XXIII 754). Reg.: JL. I p. 449. Lit.: J. Düret, Papst Johannes X. als Erzbischof von Ravenna und sein Pontifikatsantritt in Rom (Gesch. Bl. aus der Schweiz 1/1854, 214 ff. u. 290 ff.); P. Fedele, L'elezione di Giovanni X. (Arch. stor. Rom. 34/1911, 393 ff.); Buzzi, Per la cronologia 613 ff.; Amling, Gesch. d. Papsttums 8 f.; Buzzi, Ravenna e Roma 153 f.; Gerstenberg, Entwicklung 17; Kölmel, Kirchenstaat 2 f.; Venni, Giovanni 27 ff.; Brezzi, Roma e l'impero 106; Zimmermann, Papstabsetzungen 64 f. u. 71 ff.; R. Savigni, Sacerdozio e regno in eta postcarolingia: L'episcopato di Giovanni X, arcivescovo di Ravenna (905-914) e papa (914-928) (Riv. chiesa Ital. 46/1992, 1-29).

Kommentar

Die näheren Umstände der Erhebung Johannes' XI. von Ravenna zum Papst finden sich nur in den zitierten Quellen. Vgl. zur Berufung den Cat. Casinensis: Johannes archiepiscopus Rabennatis eclesie, invitatus a primatibus Romane urbis, contra instituta agens, Romane eclesie invasor factus. Der Autor vertritt in bezug auf die unkanonische Translation von Ravenna nach Rom den Standpunkt der Formosianer; vgl. ähnlich auch Leo v. Ostia (Johannes X., qui ex episcopatu Ravennate Romanam sedem invaserat) und dazu Zimmermann 64 f. mit Hinweis auf den Traktat Invectiva in Romam (Dümmler, Gesta 153) sowie Andrieu, La carrière 112 und jüngst Scholz, Transmigration 243 ff. Johannes X. verdankt seine römische Wahl der damals in Rom herrschenden antiformosianischen Adelspartei unter Theophylakt. Seine Berufung hebt auch Flodoard hervor (Inde petitus ad hanc Romanam percolit arcem). Den Einfluß der Theodora erwähnt in tendenziöser Form Liudprand, laut dem Johannes der Liebhaber Theodoras gewesen sein soll; vgl. dazu Fedele 407 ff. Über den Lebenslauf des Papstes vor seiner Erhebung vgl. zusammenfassend Venni 7 ff. Laut dem Lib. pont. (Duchesne II 240) stammte er aus Ravenna und war der Sohn eines Johannes. Weiters berichtet Liudprand (59 f.) (vgl. dazu Fedele 414 ff), daß er in Bologna zum Diakon geweiht, Nachfolger des dortigen Bischofs Petrus (IV.) werden sollte, noch vor seiner Weihe aber zum Erzbischof von Ravenna aufrückte und hierzu in Rom geweiht wurde, vermutlich im Jahre 905. Laut Liudprand verdankt Johannes seine ganze Karriere einem Verhältnis zu Theodora, mit der er schon als Diakon in Kontakt kam. Sicher war der Einfluß der römischen Antiformosianer maßgebend. In Ravenna hatte er einen formosianischen Gegenerzbischof, und laut Gilbert v. Rom (MGSS. XXIV 131) soll Johannes als Invasor vom ravennatischen Volk abgesetzt worden sein, was von späteren Autoren häufig übernommen wird. Irrig verlegt Gilbert die Herkunft des Papstes nach Rom und Bonizo v. Sutri (MG. Ldl. I 618) nach Tivoli. In Verwechslung mit Johannes XI. (vgl. n. 101) wird Johannes X. oft als Sohn des Papstes Sergius III. bezeichnet (vgl. auch Martin v. Troppau, MGSS. XXII 430) und als Bruder des Fürsten Alberich II. (Bonizo). Sofern die Quellen nicht der Berichterstattung Liudprands folgen, begnügen sie sich mit der Nennung des neuen Pontifikates. Zum richtigen Jahr 914 geschieht dies in Zusätzen zum Lib. pont. des Agnellus (MGSS. rer. Lang. 381), bei Johannes de Deo und Albert Milioli (MGSS. XXXI 319 u. 422). Bezüglich des genauen Datums der Inthronisation in Rom haben Fedele 396 und Buzzi 616 auf Grund von ravennatischen Urkunden (darunter auch n. 59) auf die Zeit zwischen 4. und 26. Mai 914 verwiesen; vgl. dazu auch jüngst Muzzioli, Carte 12. Dagegen verweisen Urkunden aus Farfa schon auf Apr. 914, so daß Venni 29 f. die Erhebung auf Ende März 914 ansetzen möchte. In Anbetracht des Todesdatums des Papstes Lando (n. 14), der in den Quellen verzeichneten Vakanz von 15 (Chr. univ. Mettensis MGSS. XXIV 509) bis 26 Tagen (Chr. s. Bartholomaei MGSS. XXXI 212) und der Zeit, welche die Berufung von Ravenna nach Rom gebraucht haben dürfte, muß aber doch mindestens bis in den Anfang Apr. 914 datiert werden. Johannes X., dem irrig auch die Ordnungszahlen IX. oder XI. gegeben werden, gilt als der 125. Bischof Roms. Vgl. auch Ebendorfer, Papstchr. (Zimmermann, MGSS. N.S. XVI. 307).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 15, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0914-04-00_1_0_2_5_0_17_15
(Abgerufen am 22.07.2017).