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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,4

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Heinrich wird von Erzbischof Arnulf von Mailand und von den Großen der Lombardei empfangen, er wird nach der Kirche San Michele geleitet, dort zum König gewählt und vom Mailänder Metropoliten gekrönt. – Noch am Krönungstage erheben sich die Bürger der Stadt. Die von ihnen angegriffene Pfalz, in welcher der König mit Erzbischof Heribert von Köln Quartier genommen hatte, kann bis zum Eintreffen der über die Stadt verteilten Truppen gehalten werden. Als die Nacht hereinbricht, wird Feuer in die Stadt geworfen. Daraufhin stürmen die Schwaben, Franken und Lothringer, die vor den Toren lagern, die Mauern, sie dringen in die Stadt ein und verwüsten sie durch Feuer, Schwert und Plünderung. Bei diesen Kämpfen wird Giselbert, der Bruder der Königin Kunigunde, tödlich verwundet. Der König verläßt die Stadt und zieht sich in das befestigte Kloster San Pietro in Ciel d'Oro (nördl. v. Pavia) zurück. Dort erscheinen nach der Niederschlagung des Aufstandes die Bürger, sie stellen Geiseln und unterwerfen sich. – Nach Jotsaldus cap. 6 (SS. 15/2, 813) hat Abt Odilo von Cluny beim König für die aufständische Bürgerschaft interveniert.

Überlieferung/Literatur

Thietmar VI, 6 (5): Papiam visitans urbem, ab archiantistite hoc et a primis illius regionis succeptus ... ad aeclesiam ducitur et communi electione sublimatus in solium regale collocatur; zum Aufstand l. c. 7 (6) f.; Catal. regum Ital. 0 53: fuit coronatus ad rege ic Papia tercio die ante festivitate sancte Xiri, qui fuit in medio Madio; Catal. regum Ital. 0 55: Et in die dominico, qui fuit die mense madio, inter Basilica sancti Michaeli, qui dicitur maiore, fuit electus Henrichus et coronatus. In secundo die, qui fuit die Lune civitate Papia ab igne combusta fuit (beide Kataloge ediert von H. Pertz SS. 3, 216 f., G. Waitz SS. rer. Langobard. et Ital. saec. VI – IX, 519 f. und von G. Cipolla FSI 31, 1898, 414 ff.); Adalbold cap. 36 (SS. 4, 692): ad sancti Michaelis ecclesiam ducitur. Ibi ... omnes unanimes uno ore Heinricum regem acclamant, collaudant, collaudatum per manuum elationem designant. Collaudatus igitur coronatur, coronatus ex debito ab omnibus honoratur; Joh. Diac. cap. 36 (FSI 9, 1890, 167): Papie a Mediolanensi archiepiscopo estitit coronatus; Arnulf cap. 16 (SS. 8, 10); Ademar cap. 37 (SS. 4, 133) mit einem unklaren Zusatz bezüglich des Königs Rudolf von Burgund; Ann. Quedlinburg. (SS. 3, 79); Ann. Hildesheim. (SS. schol.).

Kommentar

Datum der Wahl und Krönung nur aus den Angaben der ursprünglichen Fassung der beiden in Pavia verfaßten Catal. regum Ital. zu erschließen, die vor 1014 ihren vorläufigen Abschluß gefunden haben müssen (zur Entstehung der Kataloge vgl. Pertz l. c. und Waitz l. c.; Cipollas Ansatz 1023 l. c. 411 beruht auf einer unrichtigen Interpretation). Da in Pavia das Fest des hl. Xirus am 17. Mai gefeiert wurde, müssen nach Kat. 0 53 Wahl und Krönung am Sonntag, dem 14. Mai, erfolgt sein. Damit stimmt Kat. 0 55 überein, der diese Ereignisse „in die dominico” geschehen sein läßt. Falsch ist der in Kat. 0 55 nach dem Jahre 1027 eingefügte Nachtrag: XII. didies mensis Madii coronatus, was den 12. Mai ergeben würde. In Kat. 0 53 sagt ein datierter Nachtrag von König Heinrich: et abet modo regnato VIIII anno [et dies novem. XII. kalendas Iunias est odie] = 21. Mai 1013. Rechnet man von diesem Datum neun Jahre und ebenso viele Tage zurück, so kommt man ebenfalls auf den 12. Mai 1004. Die in den Katalogen angeführten Regierungsjahre Arduins von Ivrea und die italienischen Königsjahre Heinrichs II. sind falsch berechnet, denn sie ergeben den 14./15. April 1004. Unzulässig ist es, die beiden rechtskonstitutiven Akte der Wahl und der Krönung zeitlich zu trennen und sie auf zwei aufeinanderfolgende Tage zu verlegen, wie dies die Jbb. Heinrichs II. 1, 306 (14./15. Mai) und Cipolla l. c. 416 (12./13. Mai) getan haben. Die richtige Interpretation ergibt sich aus dem von Waitz l. c. sinngemäß gestalteten Text von Kat. 0 55, dem vor allen anderen Editionen der Vorzug zu geben ist: König Heinrich II. wurde am 14. Mai gewählt und gekrönt, was auch von Thietmar l. c. und Adalbold bezeugt wird. Auf den folgenden Tag verlegte der Verfasser von Kat. 0 55 den verheerenden Brand in Pavia, der eine Folge des Aufstandes war. Mit Thietmar von einer nichtigen Ursache dieser Revolte zu sprechen, ist bei deren Außmaß nicht zulässig. Sie war die Folge einer starken antideutschen Bewegung unter den Bürgern, die sich bald darauf wieder dem Gegenkönig Arduin angeschlossen hatten; vgl. B.-Appelt, Regg. Konrads II. 7 unter i, ferner G. Graf, Die weltlichen Widerstände in Reichsitalien gegen die Herrschaft der Ottonen etc., in Erlanger Abhandl. zur mittl. u. neueren Geschichte 24 (1936); Jbb. Heinrichs II. 1, 307 ff.; L. Chiapelli, La formazione storica del comune cittadino in Italia, in Arch. stor. ital. 88 (1930) 6; Holtzmann, Kaiserzeit 408 f.; G. Mor, Storia politica d'Italia 1, 534 f. – Giselbert ist noch am 18. Mai seinen Verletzungen erlegen; vgl. Necrol. Merseburg. ed. Dümmler in Neue Mitteilungen 11 (1865) 234 sowie Ann. necrol. Fuld. (SS. 13, 209) und eine Notiz in einer Handschrift s. XIII von Adalberts Vita Heinrici II. (SS. 4, 791); H. Renn in Rhein. Archiv 39 (1941) 87.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,4 n. 1562g, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1004-05-14_2_0_2_4_1_193_1562g
(Abgerufen am 28.05.2017).