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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,4

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Heinrich erhält Nachricht von den turbulenten Vorgängen in Böhmen. Dort hatte das Volk nach dem Tode des Herzogs Wlodowej (1002–1003) die einst von ihrem älteren Bruder Herzog Boleslaw III. vertriebenen Brüder Jaromir und Udalrich zur Herrschaft gerufen; Thietmar V, 29 (18) ff.; Herzog Boleslaw Chrobry von Polen stürzte sie mit Heeresmacht und setzte Boleslaw III., den die Böhmen 1002 verjagt hatten, wieder ein. Dieser wurde aber, nachdem er in der Fastenzeit unter seinen Gegnern ein Blutbad angerichtet hatte, auf Bitten des Volkes vom Polenherzog auf eine Burg gelockt (nach Cosmas I, 34 war es Krakau), geblendet und in Haft genommen. Boleslaw von Polen eilte darauf nach Prag und übernahm selbst die Herrschaft. König Heinrich läßt ihn durch eine Gesandtschaft auffordern, das Herzogtum Böhmen nach alter Rechtsgewohnheit (ut ius antiquum poscit) vom Reiche zu Lehen zu nehmen, was aber von Boleslaw abgelehnt wird.

Überlieferung/Literatur

Thietmar V, 31 (19); Adalbold cap. 22 (SS. 4, 689).

Kommentar

Zu den böhmischen Wirren vgl. Jbb. Heinrichs II. 1, 251 ff., ferner Bretholz, Geschichte Böhmens u. Mährens (1912) 115 f. und zur staatsrechtlichen Stellung des Herzogtums Böhmen W. Wegener, Böhmen, Mähren u. das Reich im Hochmittelalter (1950) 55 f.; zur sagenhaften Ausgestaltung der Ereignisse durch die ältesten böhmischen und polnischen Historiographen vgl. Jbb. Heinrichs II. l. c. 490 ff. u. Bretholz in AÖG. 82 (1895) 175 ff. – In diese Zeit dürften auch die Bemühungen des Polenherzogs Boleslaw fallen, für sich in Rom die Königskrone zu erwerben. Nach der Vita s. Romualdi cap. 29 (SS. 4, 853) hatte König Heinrich dies durch Gefangennahme des Boten verhindern können; vgl. dazu Jbb. Heinrichs II. l. c. 501 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,4 n. 1537a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1003-03-28_1_0_2_4_1_132_1537a
(Abgerufen am 19.01.2017).