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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto tauscht mit dem Erzbischof Friedrich von Ravenna alle öffentlichen Rechte in dem Gebiet von S. Apollinare in Classe und in allen Diöcesen und Grafschaften, für die das Erzbistum Ravenna Urkunden besitzt, gegen das Kloster S. Mariae zu Pomposa ein. Er befreit dieses Kloster von jeder Unterordnung unter das Erzbistum und jeder anderen Gewalt, so daß es nur dem König untertan sei; er gewährt den Mönchen das Recht, den Abt zu wählen, und trifft besondere, gegen simonistische Forderungen gerichtete Anordnungen für die Weihe des Abtes, die als Erster der Bischof von Comacchio vornehmen soll. Die Poena pecuniaria beträgt 100 Goldpfund (quod nos a domno Frederico sanctae Rauennatis ecclesiae archiepisopo monasterium sanctae Mariae in Pomposia per concambium accipientes, econtra donavimus sanctae Ravennati ecclesiae omnia placita et districtus et bannum de omni terra sancti Appolinaris et de omnibus episcopatibus sive comitatibus de quibus precepta habentur in sancta Ravennati ecclesia. Unde abbatiam sanctae Mariae in Pomposia ob omni subieccione archiepiscoporum sive aliorum excutimus, ut regalis sit nulli dominantium personae subjecta sintque monachi eius ab omni secularis servicii infestatione securi. ‒ Qui de suis qualem voluerint abbatem eligant ab episcopo Comaclensi consecrandum; qui si sibi pecunia vel pro aliqua humana potestate molestus esse voluerit, veniat ad archiepiscopum suum Ravennatem ab eo benedicendus et, si hoc in isto, quod in priori, invenerit, ad qualemcumque episcopum desideret causa consecrationis properet. Si quis hoc perceptum fregerit, componat centum libras auri cocti ...). ‒ Herimbertus canc. vice Petri episc.; verfaßt von Her. C und wie das alte Faksimile erkennen läßt, auch von ihm geschrieben; M., B. 4. „Omnium fidelium nostrorum.”

Überlieferung/Literatur

Archivio di Stato zu Rom. Racc. pergam. Fondo abb. di Pomposa Nr. I. cass. 75 (A).

Abschrift aus d. J. 1495, Archivio di Stato zu Modena, Canc. Pomposa, Busta 8, fasc. 1 (B) u. Abschrift von 1722, ebd.; Abschrift Scalabrinis in genauer Nachzeichnung in Mon. vetera monast. Pomposiani et Ravennatis in der Bibl. comunale zu Ferrara Nr. 234 (Nr. 454 ND 4) Quat. I. f. 17' und Ms. CL. I, Nr. 151, Mon. Ferrariensia, ebd.; Abschrift des XI-XII. Jh., Bibl. universitatis, ebd. MS. 334 (151, NC 5); Ms. Margarini A IV, 18, f. 305 in der Bibl. Queriniana zu Brescia; Notizie stor. d. 18. Jh. im Arch. di Stato zu Mailand, Prov. Bergamo, Conv. di S. Giacomo di Potida; Notariatskopie, Ms. Morbio Nr. 29, in der Bibl. Braidense, ebd.; Miscell. d. 17. Jh. (Abschrift Ughellis) Bibl. Barberina, Cod. XL 28, f. 389 in Rom, Bibl. Vaticana u.a.

Rossi (Rubei), Storia di Ravenna V. (1572); Ughelli, Italia sacra, Ed. I. Bd. 2 (1644) 357; Federicius Rer. Pomposian. hist. 1 (1781) 148 (nach A); Cappelletti, Chiese d'Italia II. 590; MG. DD. O. III. 850 f., Nr. 416; Dallari, L'orig. sconosciuto d'un dipl. d. imp. Ottone III. Atti e mem. Modenesi, Ser. V. 13 (1920) App. 206 bis 208.

Federicius w. o. 439, Nr. 27.

Böhmer 887; Stumpf 1274.

Kommentar

Verbesserter Text nach Wibels Aufzeichnungen (München MG.) und Dallari. ‒ Wibel konnte das Original, das zur Zeit der DD.-Ausgabe der MG. noch verschollen war, in Rom benützen. ‒ Nach Dallari wurde das Diplom am gleichen Tag in zwei Fassungen ausgestellt, diese war offenbar für das Kloster in Pomposa, die zweite (D 419, Reg. 1433) für Erzbischof Friedrich von Ravenna bestimmt. ‒ Intitulatio: Otto tercius servus apostolorum. ‒ Die Ursachen des Tausches sind nicht mit Sicherheit zu ergründen. Der Kaiser hatte im Frühjahr 1001 lange in S. Apollinare in Classe geweilt und dem Kloster wie dessen Abt Hardefadus, offenbar dem Nachfolger Romualds, seinen Dank für die Gastfreundschaft durch die Bestätigung aller Besitzungen und der Immunität abgestattet (vgl. D 400, Reg. 1433). In der Verbotsliste war ausdrücklich der Erzbischof unter den Trägern staatlicher oder kirchlicher Gewalten angeführt worden, denen jeder Eingriff in die Rechte des Klosters untersagt war. Jetzt aber wurde S. Apollinaris mit seinem gesamten großen Besitz dem Erzbistum Ravenna übergeben. Dafür wurde das Kloster zu Pomposa als Königskloster von jeder Unterordnung befreit, es wurde sogar noch eine besondere Verfügung gegen ein simonistisches Vorgehen sowohl von Seite des Bischofs von Comacchio, wie auch des Erzbischofs von Ravenna getroffen. Inwieweit man bei dieser Entscheidung den Einfluß Romualds und der Eremiten vermuten darf, bleibt unsicher. Jedenfalls hat Erzbischof Friedrich (vgl. Reg. 1426) eine bedeutende Ausgestaltung der Macht seines Erzbistums empfangen.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1430, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1001-11-22_2_0_2_3_0_1289_1430
(Abgerufen am 26.07.2017).