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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto, der schon im Vorjahr bei seiner Rückkehr aus Deutschland nach Empfang der Nachricht von dem großen dalmatinischen Flottenunternehmen der Venetianer den Wunsch geäußert hatte, heimlich mit dem Dogen Petrus II. Orseolo zu dem Zweck einer Unterredung zusammenzutreffen, und während seines Aufenthaltes in Ravenna durch Vermittlung des Diakons Johannes eine Begegnung nach dem Osterfest verabredet hat, begibt sich wahrscheinlich am Osterdienstag zu Schiff mit einigen Begleitern, dem Kämmerer Tammo, dem Grafen Heinrich (Hezilin) von Luxemburg, dem Kardinal Friedrich, dem Kapellan Walter, den Grafen Raimbald von Treviso, Rainard und dem „bellicosissimus vir” Teupernus zu dem Marienkloster de Pomposa am Nordrand des Comacchiosees angeblich aus gesundheitlichen Gründen. In der Nacht besteigt er ein Schiff, das der Diakon Johannes herbeigeführt hat.

Überlieferung/Literatur

Giovanni Diac. cron. Venez. c. 33 B (FSI, IX) 161f.: unde factum est ut inter utrasque partes saepedicto Johanne diacono crebro discurrendo, tale ventilaretur negocium. demum imperator salubre a duce accepto consilio sacrum diem pascalem devotissime celebrans omnibus maioribus suis indicavit se purgationis poculum apud sanctę Marię monasterium in quadam insula, que Ponposia nominatur, accipere, et aliquantis inibi diebus commorari velle. manet siquidem eadem insula non procul a Venecia ... his dictis, dies statuta est in qua ille et sancti Marci oraculum et diu desideratum compatrem adiret. tunc cum aliquantis, quibus hoc familiariter commissum habebat, intrans navim, predictum peciit monasterium; ubi minime pernoctans, abate cum monachis astantibus eiusdem monasterii quoddam ospiciolum previdens preparare iussit, in quo sese per triduum curationis potum custodire simulabat. nocte itaque perventa parvam naviculam ascendens, qua predictus Johannes diaconus ad ipsius insulę marginem prestolando latitabat; Hecilinus vero comes, qui postea Baiovariorum dux effectus est, et Raimbaldus Tarvisianus comes, Teupernus belicosissimus vir, Rainardus, Tamo camerarii, Walterus unicus capellanus, Fredericus, postmodum Ravennas archiepiscopus extitit, simul in predictam navim ascenderunt; ...

Kommentar

Vgl. Reg. 1407 e. ‒ Die meisten Begleiter Ottos gehörten zu seinem engeren Freundeskreis. Vgl. M. Uhlirz, Deutsches Gefolge 30f. ‒ Zu Hezilin = Heinrich von Luxemburg, dem Schwager Herzog Heinrichs von Bayern vgl. Wampach, Altlux. UB. I. Nr. 215, S. 305f. ‒ Tammo, der zeitweise in Pereum bei Romuald weilte, erscheint wieder als Inhaber eines Hofamtes. Vgl. D 393, Reg. 1404. ‒ Jbb. O. III. 364, Anm. 62. ‒ Daß der Kapellan Walter mit dem als Teilnehmer der Gerichtssitzung in S. Apollinaris in Classe genannten Baldericus identisch war, ist möglich, kann aber nicht mit Sicherheit behauptet werden. Klewitz hält sie für zwei verschiedene Persönlichkeiten. Vgl. D 396, Reg. 1407. ‒ Teupernus ist eine sonst nicht genannte Persönlichkeit, die aber wegen ihrer kriegerischen Tüchtigkeit bekannt gewesen sein muß. ‒ Rainard ist vielleicht der Vogt des Salvatorklosters in Pavia, der in D 396, Reg. 1407 genannt wird und der dem königlichen Hof infolge der engen Verbindung der Kaiserin Adelheid mit diesem Kloster nahegestanden haben mag. ‒ Schubert (Reichshofämter, MIÖG. 34, 444) ist der Ansicht, daß er mit dem Kämmerer des Kaisers Reginher identisch gewesen sei, der am 31. Januar 1000 eine Schenkung erhalten hatte. Vgl. D 346, Reg. 1344. ‒ Die Datierung des Besuches ergibt sich aus der am 19. erfolgten Rückkehr des Kaisers (Reg. 1408 a) und den genauen Angaben des Diakons Johannes, aus denen hervorgeht, daß er in der Nacht vom 18. zum 19. von Venedig nach S. Maria de Pomposa gefahren ist, eine Nacht (17.‒18. April) in Venedig und zwei Nächte (16.‒17. und 15.‒16.) auf der Hinreise verbracht hat. Demnach muß er am Osterdienstag von Ravenna abgereist sein. ‒ Da die Fahrt nach Venedig schwerlich einem größeren Kreis bekannt geworden ist, fehlt jede Nachricht über dieses wichtige Ereignis, das nur durch den Augenzeugenbericht des Diakons Johannes überliefert wird. ‒ Vgl. Wilmans, Jbb. O. III. 123 ff.; Giesebrecht, Kaiserzeit I8, 746 ff.; Kohlschütter, Venedig (1868) 44 ff.; Hirsch, Jbb. H. II. 1. Bd. 170; Kretschmayr, Venedig I 132 ff.; Hartmann (Gesch. Italiens IV./1, 147f.) nimmt nur einen eintägigen Aufenthalt in Venedig an; ter Braak, Otto III., 171 ff.; Cessi, Venezia ducale I. 379 ff. Zur Geheimhaltung des Besuches Ottos, einer Folge seines außergewöhnlichen Vorgehens vgl. Mitteis, Pol. Verträge 126. ‒ Der Entschluß des Kaisers, den Dogen zu besuchen, steht im Zusammenhang mit seiner konsequent gegenüber Venedig befolgten Politik, die ebenso wie bei Polen und Ungarn, eine Bindung an das von ihm vertretene Imperium anstrebt. Diese Bindung hat durch die großen Erfolge des dalmatinischen Flottenunternehmens der Venezianer noch an Bedeutung gewonnen und der Papst hat in Übereinstimmung mit diesen Absichten des Kaisers damals begonnen, Glaubensboten nach Dalmatien zu senden und die slawische Mission noch mehr zu fördern als bisher (vgl. Dvornik, Central Europe 180). Als ihre Pflanzstätten kommen außer der Siedlung Romualds in Pereum noch das Alexiuskloster auf dem Aventin und das Kloster Montecassino in Betracht.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1407d, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1001-04-00_1_0_2_3_0_1232_1407d
(Abgerufen am 23.01.2017).