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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Kaiser und Papst treffen mit ihrem Gefolge, bei dem sich Abt Odilo von Cluny, der Kardinallegat Friedrich, der Oblationar Rodbertus, Bischof Domenicus von Sutri, der italienische Erzkanzler Bischof Petrus von Como und Petrus, der Comes palatii des Palastes im Lateran, befinden, in Ravenna ein, wo sie von Johannes Diaconus, dem Gesandten des Dogen, von den Bischöfen Leo von Vercelli und Otbert von Verona, von Romuald von Camaldoli und seinen Eremiten, den Kirchenfürsten und den Großen des Exarchates empfangen werden. Otto bleibt längere Zeit in dem Kloster S. Apollinare in Classe und gibt sich während der Fastenzeit in dem Kloster S. Mariae in Pomposa und in der Eremitensiedlung Romualds in Pereum, dem Sumpfgebiet an der Pomündung, wo seine Freunde Tammo und Brun von Querfurt (Bonifazius) weilen, gesteigerten Bußübungen hin.

Überlieferung/Literatur

Gesta pontif. Camerac. I c. 114, SS. 7, 451: ... imperator cum Gerberto papa qui cognominabatur Silvester, una egressus, Ravennam et alias provinciae urbes peragrat ... ; Giov. Diac. cron. venez. c. 33B, 161: ... deinde in abstinentia, que pascalem antecedens solemnitatem, Ravennam descendere curavit; Petri Damiani vita S. Romualdi c. 25, SS. 4, 849f.: Per totam etiam quadragesimam in Classensi monasterio beati Apollenaris, paucis sibi adhaerentibus, mansit. Ubi ieiunio et psalmodiae, prout valebat, intentus, cilicio ad carnem indutus, aurata desuper purpura tegebatur. Lecto etiam fulgentibus palliis strato, ipse in storia de papiris compacta tenera delicati corporis membra terebat. Promisit ... Romualdo, quod imperium relinquens, monachicum susciperet habitum; et cui innumeri ... erant obnoxii, iam pauperculo Christo subiectus coepit esse debitor sui; Brun. vita quinque fratrum c. 2. SS. 15/2, 718f.: Nunc media nocte, nunc clara die solitarios visitare venit; hoc tamen in Dei silentio et, quod spirituales recrescere facit, sub fidei preciosum animal ita egit, ut extra quos ipse tali labori dignos socios iudicavit, quamvis iter regis difficille lateat, nemo facile hoc in palacio sciret ... Erat autem sponsis regis ut quae non amans sine fructu possedit, pro desiderio Jesu Christi regno et diviciis sponte careret, et quia adversa quae ad salutem dirigere solent homines, instabant, coram certis testibus in conspectu dei et angelorum mentem, quam dudum habuit, verbis patefecit, ut in ore duorum et trium testium stet omne verbum: Ex hac hora promitto deo et sanctis eius: post tres annos inter quos imperii mei errata corrigam, meliori me regnum dimittam et expensa pecunia quam mihi mater pro hereditate reliquit, tota anima nudus sequar Christum. ‒ Unus adstantium, quem senectus et longa virtus fari coegit, voce duorum discipulorum abbas Romualdus respondit: In hac voluntate permaneas, o rex.

Kommentar

Der Aufenthalt des Kaisers dauerte mindestens vom 24. März bis Mitte Mai. Ein Teil seines Gefolges erscheint unter den Anwesenden bei der Gerichtssitzung vom 4. April in S. Apollinaris in Classe; vgl. D 396, Reg. 1407. ‒ Über Rodbertus, den päpstlichen Oblationar, der vermutlich deutscher Abstammung und möglicherweise mit dem gleichnamigen Mitglied des Hofhaltes der Kaiserin Theophanu identisch war, vgl. Regg. 956 r, w, 1009 d, u. Jbb. O. III. 313, 367. ‒ Auch Friedrich war ein Deutscher; vgl. ebd. 351, Anm. 14; er befand sich in dem kleinen Gefolge vertrauter Freunde, mit dem sich der Kaiser nach Ostern 1001 heimlich nach Venedig zu dem Besuch des Dogen begab. Vgl. Regg. 1407 c, d; 1407, 1408 a. ‒ Zu den Bußübungen Ottos, bei denen er seine Freunde Tammo und Brun (Bonifazius) traf, vgl. Voigt, Brun v. Querfurt 58 ff.; Sackur, Cluniacenser I 345 f.; Tomek, Reform d. Klöster (1910) 56 f.; ter Braak, Otto III. 228; Schramm, Renovatio I, 180 ff. u. Jbb. O. III. 368 ff. ‒ Wenn die Nachricht Bruns von einem Versprechen Ottos gegenüber Romuald, daß er nach drei Jahren der weltlichen Herrschaft entsagen und sich ganz dem Mönchdasein hingeben werde, wirklich auf Wahrheit beruht, ‒ Brun war nicht selbst anwesend, als diese Äußerung gemacht worden sein soll ‒ dann kann sie nur als eine übereilte Zusage gewertet werden. Denn gerade damals plante Otto seine Vermählung mit einer byzantinischen Prinzessin und hat vermutlich schon Nachrichten von dem günstigen Empfang seiner Gesandten (Reg. 1381 a) erhalten, so daß an ein vollständiges Aufgeben seines weltlichen Daseins nicht zu denken war (vgl. Jbb. O. III. 368 Anm. 80 u. 413). Abzulehnen ist die Deutung der Worte Bruns „meliori me regnum dimittam” in dem Sinn, daß Otto beabsichtigt habe, sein Reich dem Herzog Boleslaw von Polen zu überlassen, wie sie Kętrzyński (Beitr. z. Gesch. d. Piasten IV. Anz. Akad. Krakau 1898, 50 ff.) vertreten hat, ebenso die Vorstellung Erdmanns, daß der Kaiser den Polenherrscher zum Patricius nördlich der Alpen habe einsetzen wollen (HZ. 160, 567 ff.). Vgl. dazu Jbb. O. III. Exkurs XX. Die Zusammenkunft in Gnesen 554 und Perlbach, Älteste Lebensbeschreib. d. hl. Adalbert, NA. 27, 69. Wahrscheinlich ist dieses Versprechen als eine Auswirkung des Endkaiserglaubens zu verstehen, nach dem dieser Herrscher vor dem Weltende die Heiden bekehren, nach Jerusalem ziehen und dann sein Reich in die Hand Gottes legen werde. Vgl. Naumann, Volkskönigstum (1940); Erdmann, Endkaiserglaube u. Kreuzzugsgedanke, ZKG. 51, 384f.; Jbb. O. III. 384 u. Anm. 144.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1404b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1001-03-25_1_0_2_3_0_1223_1404b
(Abgerufen am 28.03.2017).