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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto erläßt um seines Seelenheiles willen und auf Bitte des ihm nahestehenden Bischofs Hieronymus dem Bistum Vicenza, das durch die Einbringung des Fodrums schwere Schädigung erfahren hat, von 19 namentlich angeführten Burgen und den dort ansässigen Leuten der Kirche diese Abgabe und beschränkt sie auf den Fall, daß er selbst in das Gebiet von Vicenza kommen sollte. Ferner schenkt er der Kirche ein Theater aus Reichsbesitz, das an dem Flusse Retro in dem Ort, den man Berga nennt, gelegen ist, und untersagt allen Amtspersonen einen Eingriff in diese Rechte. Der angedrohte Strafsatz beträgt 300 Pfund Goldes (qualiter Hieronymus sanctae Vicentinae ecclesiae episcopus nosterque familiaris nostram adiit clementiam, postulans ut pro dei amore animaeque nostrae remedio castella sui episcopii Vicentini quae usque modo fodri detrimento vastabantur, nostrae imperialis auctoritas largitate sibi suisque successoribus perdonaremus et concederemus. Cuius petitionibus annuentes, ... concedimus ... eidem Hieronymo episcopo suisque successoribus ut de omnibus castellis ad suum iam dictum episcopatum pertinentibus ‒ (Ortsliste) ‒ seu de omnibus famulis famulabus vel de omnibus hominibus supra terram iam dicti episcopatus habitantibus ... non alicui homini tam ducibus quam marchionibus comitibus seu alicui magnae parvaeque personae fodrum persolvatur vel concedatur ... Si vero contigerit ut nos in eas partes veniamus, ipse iam dictus episcopus Hieronymus vel sui successores per se vel eorum missos fideles fodrum colligant nobisque servitia secundum posse praeparent. Insuper concedimus ... iam dictae ecclesiae Vicentinae quoddam theatrum nostri regni iuris iuxta flumen quod Retrona vocatur, situm in loco qui vulgo Berga dicitur ... eo ordine ut nullus dux patriarca marchio comes ... magna parvaque nostri regno persona ... de perdonatione et concessione fodri ... seu de praedicto theatro a nobis praelibatae ecclesiae concesso inquietare molestare ... 〈sine legali praesumat iudicio〉. ‒ Recognitionszeile fehlt; an dem Diktat und am Eingangsprotokoll dürfte Her. C, am Context und Eschatokoll Her. D beteiligt gewesen sein. „Si ecclesiarum dei curam gerimus”.

Überlieferung/Literatur

fehlt.

Fehlerhafte Abschrift des 16. Jh. im Cod. R 108 sup. der Biblioteca Ambrosiana zu Mailand (C); Abschrift des 17. Jh. in dem Cod. Addit Ms. 8602, plut. 121, H, f. 139' des Britischen Museums zu London (D); Biblioteca Barberina, Rom, Vatikan. Bibl. XXX. 159, f. 18.

Ughelli, Italia sacra ed. I, 5 (1653) 1104 aus nicht erhaltener Abschrift (B); MG. DD. O. III. 778 f., Nr. 349.

Stumpf 1213.

Kommentar

Die älteste und beste Wiedergabe des Textes liegt in der Nachurkunde DH. II. 173, S. 204f. vor, in der jedoch die auf die Schenkung des Theaters bezügliche Stelle fehlt; daher wurde für DH. IV. 366, S. 488 das DO. III. als Vorlage benützt. ‒ Über die verlorenen Urkunden und das ebenfalls nicht erhaltene Kopialbuch von Vicenza vgl. den Bericht von Breßlau. NA. III. 92 ff. ‒ Zur Datierung vgl. Kehr, Urkk. O. III. 250, der zwei Möglichkeiten offen läßt, daß entweder vor „id. mar.” die Zahl (etwa VIII. = 8. März) ausgefallen sei oder daß wir uneinheitliche Datierung annehmen müssen: angesichts der mangelhaften Überlieferung scheint die erstere wahrscheinlicher zu sein, nach der wir annehmen dürfen, daß der Kaiser bald nach der Ausstellung der Urkunde, also etwa am 10. März Gnesen verlassen habe und dann ohne jede Schwierigkeit am 22. Magdeburg erreichen konnte, wo seine Kanzlei am 23. März D 350 für Nienburg ausgefertigt hat. ‒ Die Gegenstände der Schenkung sind von besonderem Interesse; die Verfügung über die Erlassung des Fodrums, der eine besondere Verbotsformel angefügt wird, läßt erkennen, daß bei dem Einbringen des Heues der bäuerlichen Bevölkerung häufig schwerer Schaden zugefügt wurde; das „servitium regis” blieb jedoch bestehen. Das römische Theater, das zu dem Königsgut gehörte, war am Retrone gelegen (Flüßchen, das in Vicenza am rechten Ufer des Orolo mündet). ‒ Diese Urkunde ist die einzige Verfügung, die aus der Zeit des Gnesener Aufenthaltes überliefert ist. Merkwürdigerweise fehlt bei ihr der auf der Gnesener Reise gebrauchte Titel „servus Jesu Christi”, vgl. D 344, Reg. 1341. ‒ Bischof Hieronymus war ein treuer Anhänger des Kaisers und hat in dessen Gefolge die Fahrt nach Gnesen mitgemacht. Am 19. Juli 1001 bekam er auf Intervention des Patricius Ziazo einen besonderen Gunstbeweis des Kaisers, die Verleihung der gesamten Grafschaft Vicenza (vgl. D 406, Reg. 1420). Er muß daher zu dem engsten Freundeskreis Ottos gehört haben. Vgl. über ihn Schwartz, Bischöfe Reichsitaliens, 70f. ‒ Zur Ortsliste vgl. DH. II. 173: Barbarano = sw. v. Vicenza; Selvaciano = Salvazzano bei Saccolongo, D. Padua; Noventa = Noventa Vicentina, D. Lonigo; Albetone = Albettone, D. Barbarano; Aureliano = Orgiano, Prov. Vicenza, D. Lonigo; Vicentia = Vicenza; Grancona = in den M. Berici, D. Barbarano; Brendula = Brendola bei Montebello, D. Vicenza; Custodia = Costozza, D. Vicenza; Altavilla = bei Montecchio, D. Vicenza; Grumolo = Grumolo delle Badesse, sö. v. Vicenza; Montedigno = Montecchio Praecalcino, n. v. Vic.; Cornede = nw. v. Vicenza, D. Valdagno; Cluse =?, Malado = Meledo bei Montebello, D. Loniga; Cuculo = Cogolo im Val Astico, D. Thiene; Velo = Velo d'Astico, D. Schio; Arserio = bei Velo, w. v. Asiago, D. Schio; Sercedo = Sarcedo, n. von Vicenza, D. Thiene.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1350, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1000-03-08_1_0_2_3_0_1089_1350
(Abgerufen am 24.03.2017).