Regestendatenbank - 176.134 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

Sie sehen den Datensatz 1052 von insgesamt 1375.

Der Kaiser veranlaßt auf Intervention des Erzkanzlers Willigis und des Bischofs Franco von Worms und seiner Getreuen, sowie aller Bischöfe der Kirchenprovinz und des Bischofs Bernhar von Verden, daß Papst Silvester II. dem Kloster Lorsch alle Freiheiten bestätigt und es in seinen früheren Stand der Unabhängigkeit zurückführt.

Überlieferung/Literatur

Cod. Lauresh. (Glöckner) 356, Nr. 73 (eingereiht zu 965): Notum fieri volumus ... abbatiam que vocatur Lauresham dominio regum sive paparum solummodo subjectam antiquitus fuisse. Post vero tam imminutione rerum, quam peccatis increscentibus a priori statu degenerasse. Nunc autem a dilecto filio nostro Ottone, cesare augusto moniti, per interuentum Willigisi magontini archiepiscopi, ac Franconis wormatiensis episcopi, suorum fidelium, atque omnium eiusdem provincię episcoporum, simulque Berneharii verdensis episcopi, predictam abbatiam ad priorem statum nostra auctoritate redire iubemus, atque frui libertate quam antea habuisse manifestum est, hoc est ut regum atque paparum tantum dominio subdatur, alienę vero potestatis penitus fiat extorris. Scriptum ... in mense octobri. Indictione XIII. ‒ Reg. (Glöckner) 3594 und Chron. Lauresh. ib. c. 87, 369. ‒ J L. 3905.

Kommentar

Man hat die Liste der Intervenienten als interpoliert bezeichnet und überhaupt die Echtheit der Urkunde angezweifelt. Vgl. dazu Ewald, Zur Diplomatik Silvesters II. NA. IX. 349 ff. u. Böhmer, Willigis 86, die beide eine sonst nicht bezeugte Anwesenheit des Erzkanzlers in Italien annehmen. ‒ Jedenfalls bleiben die Fürsprachen auffallend, selbst wenn wir Ferninterventionen annehmen, vor allem muß die Anführung Francos, der am 28. August gestorben war, Bedenken erwecken. Die Schwierigkeiten lösen sich jedoch, wenn man „per interventum” auf das Vorgehen des Kaisers bezieht. Dafür spricht vor allem die Erwähnung „suorum fidelium”, da es sich dabei nur um die Getreuen des Kaisers handeln kann, der mit seiner an den Papst gerichteten Mahnung zugleich einen Wunsch seines dahingeschiedenen Freundes erfüllt haben mag. Dann wird auch die Fürbitte „aller” Bischöfe der Mainzer Kirchenprovinz und des Erzkanzlers Willigis verständlicher, die Bernhar von Verden überbracht haben dürfte. ‒ Zu Ostern hatte Otto auf der römischen Synode die Unterstellung des Klosters Lorsch unter das Bistum Worms durchgesetzt (Reg. 1305 d) und damit zweifellos einen Wunsch Francos erfüllt; diese Maßnahme hat begreiflicherweise den Widerstand des Erzkanzlers und der Kirchenfürsten der Mainzer Provinz geweckt und ihre Einsprache hervorgerufen. Es ist naheliegend zu vermuten, daß Franco angesichts des herannahenden Endes zurückgewichen ist und den Kaiser bewogen hat, dafür einzutreten, daß dem Kloster seine frühere Stellung wiedergegeben werde.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1329c, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0999-10-00_2_0_2_3_0_1052_1329c
(Abgerufen am 25.03.2017).