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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Eintreffen einer italienischen Abordnung unter der Führung des Pfalznotars Johannes aus Pavia an dem Hoflager der Kaiserin Adelheid in der Pfalz Erstein. Hier vollzieht die Kaiserin zum Seelenheil ihres Gemahls Kaiser Ottos I., ihrer Eltern, ihres Sohnes und Enkels wie ihres eigenen (ex nacione mea lege vivere salicha) auf einem elsässischen Gerichtstag die Bestätigung und Vestitur nach langobardischem Recht der den Klöstern Fructuosi bei Portofino und S. Salvatoris in Pavia von ihr geschenkten zahlreichen Güter innerhalb des italischen Königreiches (Legitimam facio tradita et vestituram per cultellum festuca notatum uuantonem et uuasonem terrae adque ramum arboris et me exinde foris expulli uuarpini et ad sasito feci et ad parte ipsius monasterio eis relinqui faciendum ... Et bergamenam cum atramentario de terra elevavi me paginam. ‒ Vgl. Cartul. Langobardorum MG. LL. IV. 595) und fügt für S. Salvatoris noch zwei weitere Schenkungen hinzu.

Überlieferung/Literatur

Vgl. Regg. 1308 a, 1309 a‒c.

Kommentar

Es dürfte sich hier um letztwillige Verfügungen der Kaiserin gehandelt haben und wahrscheinlich sind auch andere ihr nahestehende Stiftungen wie das Nonnenkloster Senatoris in Pavia, dessen Urkunden nicht erhalten sind, bedacht worden (Lanzani, Concess. immunitarie 39 ff.). ‒ Der Pfalznotar Johannes erscheint auch in der Urkunde für Fructuosi (Reg. 1308 a) vom 11. April, er dürfte beide Klöster vertreten haben. Zu beachten ist, daß er erst der Genehmigung des zuständigen elsässischen „Arimannengrafen” zu seiner Rechtshandlung bedurfte (Ego qui supra iohannes notarius sacri palacii scriptor uius carte ofersionis per data Licencia domni arjmanni Comitis istius comitatu alsasiense ...). Außer ihm sind noch ein Pfalzrichter (Adam Judex sacri palacii), ein kaiserlicher Richter (Ebbo, Judex domini Imperatoris) und mehrere Zeugen, von denen einer Luizo, Sohn des Ermenfrid, seine fränkische Abstammung betont (legem uiuente salicha). Die drei anderen (Andreas, Stephanus und Amizo) dürften der italienischen Abordnung angehört haben. ‒ Der Pfalznotar Johannes hat auch 995 zu Frankfurt die Urkunde über die Schenkung des Hofes Carisiana durch die Kaiserin an die Kanoniker von Vercelli verfaßt und geschrieben. Vgl. Regg. 1156 a, 1167 d. ‒ Die merkwürdige Tatsache, daß die Kaiserin drei Schenkungsurkunden an einem Tage für denselben Empfänger, S. Salvator zu Pavia, einem von ihr gegründeten Kloster, ausstellen ließ, dürfte seinen Grund darin haben, daß es sich bei der ersten Schenkung um zahlreiche kleinere, verstreute Besitzungen und Rechte in der Lomellina, am Po und Tanaro und in den angrenzenden Gegenden handelte, während die Schenkungen der großen Reichshöfe Mellaria und Mauratica, ebenso wie jene der dritten Urkunde, St. Nazaro und am Lambro, zusammenhängende große Herrschaftsgebiete betraf. Jedenfalls aber beweist die Ausstellung dieser Urkunden, daß die rechtliche Stellung der Kaiserinwitwe im italienischen Königreich eine andere war als in Deutschland, wo sie sogar ihre Lieblingsstiftung Selz nicht mit eigenen Schenkungen ausstatten durfte, sondern sich nur auf Interventionen beschränken mußte. Die Reichsabtei Erstein war als Erbe ihrer Mutter Bertha, die sie 953 von ihrem Schwiegersohn, Otto d. Gr., erhalten hatte, an Adelheid gelangt. Scheffer-Boichorst, Z. Gesch. d. 12. u. 13. Jh. No. XXI. 356f.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1307b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0999-04-00_2_0_2_3_0_988_1307b
(Abgerufen am 27.03.2017).