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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Gerichtsurkunde über die Verhandlung des Hofgerichtes über die Klage des Abtes Johannes von S. Vincenzo am Volturno gegen den Grafen Rainald, der sich vor zwei Jahren des Klosters S. Maria zu Apinianici bemächtigt hat und verurteilt wird, dasselbe herauszugeben. Ebenso müssen die Leute, die die Mönche aus dem Kloster entfernt und Nonnen eingeführt haben, widerrufen (... ipse Domnus Imperator Augusti proclamationem audivit a Johanne ... Abbate ... monasterii S. Vincentii ... situm super Vulturni fluminis fontes, super quendam Comitem Raynaldum de Monasterio S. Dei Genitricis Mariae ... qui nominatur Apinianici in comitatu Marsicano est constructum, quae est Cella praedicti coenobii S. Vincentii, quem idem ipse praedictus Raynaldus comes iam per duobus annis invasit ... et usque hactenus vi virtutis retinuit, et violenti manu vindicavit. Unde nutu Dei, ... dum Domnus Imperator in Secretario qui est iuxta Basilica S. Petri Apostolorum Principis, resideret cum Venerabilibus Archiepiscopis et Episcopis Ultramontanis et Italicis, et Ottoni Ducis et honoratissimis viris ... Quibus ad haec pius Imperator ... iussit suis Fidelibus, videlicet Domno Sanctissimo Leoni Archidiacono, et Judicem sacri palatii ... ut exinde foras abirent, et cum eo Domno Adalberto Episcopo S. Brixiensis Ecclesiae per Deificam legem eos finirent. Et mox inde egressi abierunt in dexteram partem huius Basilicae, residentibus ambobus Judex et Episcopus, et plurimis viris ibidem conspectui adstantibus ... Tunc suprascripti Judices iudicaverunt ut praedicto Raynoldo comite refutaret iam dictam Cellam suprascripto Abbati, eiusque Coenovio S. Vincentii. Raynoldus Comes aprehendit virgam manu, et consona voce refutavit eundem Monasterium ad suprascriptum Abbatem ...). ‒ Verfaßt nach romagnolischem Formular von dem päpstlichen Scriniar Johannes auf Befehl des Kaisers (ex iussione Domni Imperatoris feci, complevi et absolvi), Unterschriften des Vorsitzenden Leo sacrosancti Palatii et missus Domni Imp., sowie dreier Zeugen Raynaldus, Gifonus, Donellus.

Überlieferung/Literatur

fehlt.

Muratori, SS. rer. Ital. Ib (1725) 467; Chron. Vulturn. II. (FSI. LIX) 266 ff. No. 149 (zu Sept.-Dez. 997).

Hübner, Gerichtsurkk. 1115.

Kommentar

Wie diese und die folgende Notitia (Reg. 1263) erkennen läßt, nahm der Kaiser entweder allein oder gemeinsam mit dem Papst in der Peterskirche oder in dem Secretarium die Klagen entgegen und wies sie bestimmten Richtern und ihren Beisitzern zur Erledigung zu. Nur in besonderen Fällen führte er mit dem Papst den Vorsitz, doch war es auch bei anderen Verhandlungen den Vorsitzenden und Richtern möglich, bei schwierigen Entscheidungen seine Ansicht einzuholen (vgl. D 278, Reg. 1263). ‒ Die Urkunde, deren Text in ihrem zweiten Teil verworren ist und eine zweite Verhandlung, offenbar gegen Vasallen Rainalds mit der Hauptverhandlung verknüpft, ist zweifellos glaubwürdig, obgleich sie ursprünglich in die Ausgabe der MG. nicht aufgenommen wurde. Ein bei der Zentraldirektion der MG. befindlicher handschriftlicher Nachtrag reiht sie jedoch als Nr. 277 a ein. Die sachlichen Angaben sprechen für ihre Echtheit. Auch die Zeitbestimmung dürfte, im Gegensatz zu V. Federici, dem Herausgeber des Chronicon Vulturn., zutreffend sein, da Otto III. sich in den Monaten September ‒ Dezember 997 nicht in Rom, sondern in Aachen aufhielt. Auch die Zählung der Kaiserjahre und die Indiktion entsprechen dem Frühjahr 998. Graf Rainald hatte Ende Mai ‒ Anfang Juni 996 von dem Kaiser den Auftrag erhalten, den Abt Rotfried von S. Vincenzo in Volturno im Besitz der von ihm von dem Kaiser verliehenen Cella zu schützen. Rainald hatte sich aber selbst der Güter bemächtigt und sie tatsächlich zwei Jahre lang dem rechtmäßigen Besitzer, dem Kloster Farfa, entzogen. Vgl. Reg. 1189. ‒ Über den Archidiakon Leo, der mit dem Abt des Klosters S. Bonifacio ed Alessio auf dem Aventin identisch gewesen sein dürfte, vgl. Reg. 1321 c.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1262, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-03-30_1_0_2_3_0_885_1262
(Abgerufen am 18.01.2017).