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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Synode unter dem Vorsitz von Papst und Kaiser, auf der abermals Angelegenheiten des ehemals karolingischen Reichsgebietes, Deutschlands, Frankreichs und Italiens, besprochen werden. Auf dem Schlußakt der Synode sind außer Papst Gregor V. zwei Erzbischöfe, Gerbert von Ravenna und Gisebard von Capua, Erzkanzler Petrus von Como, 22 italienische Bischöfe, darunter jene von Fundi und Gaeta, sowie zwei deutsche, Lambert von Konstanz und Heinrich von Würzburg, sowie zwei burgundische Bischöfe, Hugo von Genf und Hugo von Sitten, unterfertigt. Für Deutschland wird bezüglich des Bistums Merseburg verkündet, daß dessen Aufhebung im J. 981, da sie ohne Zustimmung eines „Concilium universale” erfolgt war, ungültig sei und daher seine Wiederherstellung erfolgen solle. An Gisilher von Magdeburg, der entgegen dem auf der Synode zu Pavia erlassenen Befehl (Reg. 1217 i) nicht nach Rom gekommen ist und über den daher in seiner Abwesenheit geurteilt werden muß, wird die Aufforderung gerichtet, zu beweisen, daß er nicht aus „Ehrsucht und Habgier” das Magdeburger Erzbistum übernommen habe, sonst werde er der Strafe der Absetzung verfallen. Ferner müsse er den Nachweis erbringen, daß seine Erhebung auf rechtmäßige Weise durch Aufforderung und Wahl von Volk und Klerus erfolgt sei, und wenn das ihm nicht gelinge, solle er nach Merseburg zurückkehren. ‒ Ferner werden auf dem Konzil auch zwei Frankreich betreffende Fragen behandelt. König Robert wird mit der Exkommunikation bedroht, wenn er sich nicht von seiner Gemahlin Bertha, die mit ihm verwandt ist, trennen und 7 Jahre lang Buße tun werde. Über den Erzbischof Erchembald von Tours und die französischen Bischöfe, die an der Trauung teilgenommen haben, wird bis zu ihrer Verantwortung vor dem Papst das Anathem verhängt. Ferner wird die Besetzung des Bistums Puy-en-Velay verurteilt, dessen Leitung ohne Billigung des Papstes, wohl aber mit Unterstützung des Königs ein „invasor” Stephanus, erhalten hatte. Es wird ihm seine Würde abgesprochen und verordnet, daß eine Neubesetzung nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Papstes erfolgen dürfe. Alle Kirchenfürsten, die an der Weihe und Einsetzung Bischof Stephans beteiligt gewesen sind, werden gleichfalls mit dem Anathem belegt. Außer diesen Angelegenheiten kommen zweifellos auch Fragen zur Sprache, die sich auf die rechtliche und wirtschaftliche Lage einzelner Kirchen Deutschlands und Italiens beziehen, wie die Privilegien, die Kaiser und Papst im Zusammenhang mit der Synode ausstellen, erkennen lassen; auch wird vermutlich über die Haltung Arduins verhandelt, obgleich sein Name in dem Schlußakt nicht erwähnt wird. Besondere politische Bedeutung dürften den Verhandlungen mit dem Erzbischof Gisebard von Capua und den Bischöfen Rainer von Fundi und Bernardus von Gaeta zukommen (vgl. Reg. 1302 a).

Überlieferung/Literatur

Ottonis III. et Gregorii V. concilium Romanum (998 ex. ‒ 999 Febr.) MG. LL. sectio IV. Const. et acta I. 51 f. Nr. 24 ‒ ... Incipiunt capitula generalis concilii edita a domino Gregorio quinto papa, cui interfuit gloriosissimus tertius Otto caesar augustus et omnes subscripti episcopi, habiti Romae in basilica beati Petri principis apostolorum, anno tertio imperii eiusdem caesaris et apostolatus praefati papae. 1. Ut rex Robertus consanguineam suam Bertam, quam contra leges in uxorem duxit, derelinquat et septem annorum poenitentiam, agat ... 2. Herchembaldum Turonensem archiepiscopum, talis coniugii consecratorem, cum omnibus episcopis qui consentientes interfuerunt ... a sacrosancta communione suspendimus ... 3. Ut episcopatus Merseburgensis a sede apostolica et bonae memoriae Ottone primo imperatore per universale concilium fundatus itemque a sede apostolica et imperatore Ottone secundo sine concilio destructus, ut in proprium honorem redeat a sancta sede apostolica iudicatum est per universale concilium, praesidente domino Ottone tertio augusto caesare et domino Gregorio papa quinto. 4. Si Gislarius sanctae Magdeburgensis ecclesiae archiepiscopus potuerit canonice comprobare, quod per ambitionem de minori sede Merseburgensi ad maiorem Magdeburgensem non migraverit, ut non deponatur iudicatum est. Sed si cleri et populi invitatione et electione migravit, in eadem permaneat metropoli. Quodsi absque invitatione, non tamen per ambitionem et avaritiam, factum esse constiterit, ad priorem redeat sedem. At si ambitionem et avaritiam negare non potuerit, definitum est, ut amittat utramque. Artikel 5‒8 über die Besetzung des Bistums Puy-en-Velay vgl. JL. I S. 494; Boye, Quellenkatalog 67; Synoden Deutschlands u. Frankreichs 141, 157, 201 f., 265 f.; Hefele-Leclercq, Conciles IV/2, 890.

Kommentar

Besonders bemerkenswert ist der gemeinsame Vorsitz von Papst und Kaiser in einer Kirchenversammlung, die mit einer Ausnahme Angelegenheiten Frankreichs behandelt, und daß der Kaiser über die Gültigkeit der Ehe des französischen Königs entschieden hat. Doch hat er damit nicht über die Staaten des ehemaligen karolingischen Kaiserreiches hinausgegriffen und das ist ein Zeichen, daß Weltherrschaftspläne im weiteren Sinn nicht zum Ausdruck gekommen sind. ‒ Vgl. darüber R. Holtzmann, Weltherrschaftsgedanke, HZ. 159, 254; Schlierer, Weltherrschaftsgedanke, 72. ‒ Die Liste der Teilnehmer, die diesen Schlußakt der Synode unterzeichnet haben, muß nicht vollständig gewesen sein. So fehlt Christian von Passau, der damals sich in der Umgebung des Kaisers aufhielt (Reg. 1300), wahrscheinlich auch Wilderod von Straßburg, während die Abwesenheit Notgers von Lüttich mit den besonderen Aufgaben zu erklären ist, die ihm im Raume von Neapel übertragen worden waren (Reg. 1302 a). Auffallend ist auch, daß aus Oberitalien außer dem Erzkanzler nur die Bischöfe Adalbert von Brescia und Sigefred von Piacenza, beide besonders treue Anhänger des Kaisers, genannt werden. ‒ Der Bericht Thietmars über die Beschlüsse der Synode bezüglich der Wiederherstellung Merseburgs ist reichlich verworren und bezieht sich zum Teil auf die Verordnungen der Paveser Synode im Februar 997 (Reg. 1217 i); Thietmar IV c. 44 S. 182: Post haec imperator Gisillerum archiepiscopum, eo quod duas teneret parrochias, in sinodo accusans Romana iudiciali eum sententia ab offitio suspendi ac per internuntios ab apostolico eundem illo vocari precepit. Qui tunc paralisi percussus, cum huc venire nequiret, Rotmannum misit clericum, qui iuramento, si aliter non crederetur, se excusaret. Datis tum iudiciis differtur, usque dum inperator cum comprovincialibus episcopis hoc discutere valuisset. ‒ Vgl. Gesta archiep. Magd. SS. 14, 390; Ann. Magdeb. SS. 16, 161 (z. J. 1000); Chron. episc. Mers. SS. 10, 170 f.; UB. Merseburg 27 f. Nr. 26; UB. Erzbist. Magdeburg I 163 f., Nr. 115; Mülverstedt I, 451; Dobenecker I, Reg. 586. ‒ Vgl. dazu Holtzmann in der Ausgabe Thietmars S. 182 und in Sachsen u. Anhalt 2 S. 55, 59; Böhmer, Gisilher, 190 ff.; Jbb. O. III. 286, Anm. 12. ‒ Holtzmann stimmt der Ansicht Pflugk-Harttungs (Forschungen 25, S. 166 f.) zu, daß die Aufhebung des Bistums Merseburg deshalb erfolgt sei, weil die Zahl der in dem Elbe-Saalegebiet gegründeten Bistümer zu groß gewesen sei und Merseburg daher zu keiner Blüte gelangen konnte. Er betont ferner, daß Erzbischof Adalbert selbst Gisilher als seinen Nachfolger gewünscht habe; er bezweifelt die Nachrichten Thietmars über die Merseburger Frage und weist sie als tendenziös zurück, muß aber doch zugeben, daß Gisilher sehr ehrgeizig war. Jedenfalls hat es dieser sehr gut verstanden, auch unter Otto III. jede sich bietende Gelegenheit zu seinen Gunsten auszunützen. Vgl. dazu auch Boye, Synoden Deutschl. 206, Anm. 2. ‒ Zur Sendung Rotmanns vgl. Lintzel, Hoftage, 70, 84f. ‒ Zu dem Verfahren gegen Arduin, gegen den das Konzil, vielleicht mit Rücksicht auf Hugo von Tuszien, dessen Tochter mit Ardicin, dem Sohne Arduins, vermählt war, ein schroffes Vorgehen vermieden hat. Vgl. JL. 3894; Kehr, IP. VI/2, 144 Nr. 2 und 146 Nr. 2; Boye, Synoden w. o. 203; Provana, Studi critici, 343. ‒ Arduin wurde vorgeladen, zu Ostern auf einer Synode in Rom zu erscheinen.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1299c, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0998-00-00_3_0_2_3_0_956_1299c
(Abgerufen am 10.12.2016).