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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto schenkt auf Bitte der Gräfin Gerbirg dem Stift Meschede das Gut in Stockhausen im Gau Lochdorp in der Grafschaft Hermanns, das ein Geächteter namens Hunolt innegehabt hat (quomodo nos ob petitionem Gerbirgę comitissę dedimus ad quendam locum Mescide nominatum tale predium quale Hunoltus exlex dum vixit habuit, in villa Stohchusun dicta in pago Locdorp vocitato ac comitatu Herimanni comitis situm ...) ‒ Hildibaldus canc. vice Uuilligisi archiep.; von HF verfaßt und geschrieben; MF., SI. 4. „Omnibus fidelibus nostris praesentibus”.

Überlieferung/Literatur

Staatsarchiv zu Münster, Meschede Nr. 6 (A).

Seibertz, Westfäl. UB. 1 (1845) 20, Nr. 17 (aus A); MG. DD.O.III. 670, Nr. 254.

Westfäl. UB. Suppl. 559; Stumpf 1122; Wauters, Table chronologique VII. S. 110.

Kommentar

Die in der Urkunde genannte Gräfin Gerberga (vgl. D 363, Reg. 1370) wäre nach den letzten Forschungen von Klocke und Bischoff nicht mit der gleichnamigen Tochter König Konrads von Burgund und Mutter der Kaiserin Gisela identisch, wie noch Brandenburg und Holtzmann angenommen haben. Es müßte vielmehr nach ihnen zwei Gräfinnen von Werl, die den Namen Gerberga führten, gegeben haben und zwar in zwei aufeinanderfolgenden Generationen, von denen die ältere die Gemahlin des 978 verstorbenen Hermann I. von Werl war. Sie wird in der vorliegenden Urkunde und als Stifterin des Klosters Ödingen (D 363, Reg. 1370) im Jahre 1000 genannt. Ihr Sohn war Hermann II. von Werl, der 1004 die Witwe Herzog Hermanns II. von Schwaben, Gerberga, die Tochter König Konrads von Burgund geheiratet hat, deren jüngste Tochter aus ihrer ersten Ehe Gisela, die spätere Gemahlin Kaiser Konrads II., war. Zuletzt ist Hömberg wieder zu der älteren Ansicht zurückgekehrt. ‒ Vgl. dazu: E. Brandenburg, Probl. um Gisela. Sächs. Akad. phil.-hist. Kl. 80 (1928); Bollnow, Grafen v. Werl (1930) 9, 13, 44 ff. Stammtal. 1; Klocke, Grafen v. Werl, Westfäl. Zs. 98/99 (1949) 67 ff. u. Stammtafel.; Bischoff, Chronologie der Kaiserin Gisela. MIÖG. 58 (1950) 285 ff.; A. K. Hömberg, Gesch. d. Comitate d. Werler Grafenhauses. Westfäl. Zs. 100 (1950) 9 ff. ‒ Nach der Annahme von H. J. Rieckenberg (Das Geburtsdatum der Kaiserin Gisela. DA. IX. 1952, 535‒538) wäre das auf der in dem Grabe der Kaiserin aufgefundenen Bleitafel angegebene Geburtsdatum „II. Nov. 999” in 13. Nov. 990 zu ändern. Auch Bischoff (s. o.) tritt für das Geburtsjahr 990 ein. ‒ Über Hermann, Graf des Lochdorpgaues, vgl. auch Kloß, Grafschaftsgerüst, 77. ‒ Meschede = a. d. Henne, s. von Erwitte. Vgl. DO. III. 20 (Reg. 976); Stockhausen = nw. v. Meschede; Lochdorpgau = um Arnsberg. ‒ Hunald, der in Hessen, im Nahegau und im Gau Kuningessundra begütert gewesen war und anscheinend einem alten angesehenen Geschlecht entstammte, hatte sich an dem Aufstand Liudolfs gegen Otto I. beteiligt. Nach dessen Unterwerfung 954 wurden ihm in einem öffentlichen Gerichtsverfahren seine Erb- und Eigengüter abgesprochen. Der Ort Hunoldeshuson (= Hundshausen, ö. von Gemünden) dürfte von ihm gegründet worden sein. Vgl. DD. O. I. 207 u. 377; K. Uhlirz, Magdeburg, 69, Anm. 2. ‒ Vgl. zu der Verurteilung Hunalds Wenck, Hess. Landesgesch. II, 30; Köpke-Dümmler, Otto d. Gr., 243, 312. ‒ Der Ausdruck „exlex” stammt aus dem klassischen Latein und wird dann noch einige Male in den DD. H. II. u. III. (DD. H. II. 428 „a paralisi exlege”, DD. H. II. 434, 498 „iusto iudicio exlex”, DD. H. III. 310, 311) gebraucht.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1236, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0997-09-29_1_0_2_3_0_832_1236
(Abgerufen am 25.03.2017).