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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto schenkt auf Bitte seines teuren Vetters Heinrich, des Herzogs von Bayern, dem Bistum Freising, das unter der Leitung des Bischofs Gotschalk steht, sein Königsgut in der Gegend, die in der Volkssprache Ostarrichi genannt wird, in der Mark und Grafschaft Heinrichs, des Sohnes des Markgrafen Liutpold, und zwar den Hof in dem Ort Neuhofen und dreißig angrenzende Königshufen (qualiter nos dignis petitionibus dilectissimi nepotis nostri Baioariorum ducis Heinrici annuentes quasdam nostri iuris res in regione vulgari vocabulo Ostarrichi in marcha et in comitatu Heinrici comitis filii Liutpaldi marchionis in loco Niuuanhova dicto, id est cum eadem curte et in proximo confinio adiacentes triginta regales hobas ... super gremium Frigisingensis aecclesiae ad servicium sanctae Mariae sanctique Christi confessoris atque pontificis Corbiniani cui nunc fidelis noster Kotascalhus venerabilis pręsidet episcopus, in proprium atque perpetuum usum concessimus ...). ‒ Hildibaldus episc. et canc. vice Uuilligisi archiep.; unbesiegeltes Blankett, auf dem HF das Eschatokoll eingetragen hatte, und das von einem Freisinger Schreiber ausgefüllt wurde; MF., SI. „Noverint omnium industriae fidelium nostrorum”.

Überlieferung/Literatur

Diplom zweifelhafter Geltung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv zu München. KS. Nr. 859 (A).

Kopialbuch Freising aus dem 12. Jh. Ebd. Freising, Hochst. 4. f. 20'‒21' (B).

Hund-Gewold. Metrop. Salisb. ed. Mon. 1 (1620) 139; Mon. Boica 31a (1836) 259, Nr. 133 (aus A); MG. DD. O. III. 647 f., Nr. 232; Lhotsky, Ostarrîchi, Anh. 30; Santifaller, Ostarrîchiurkunde, Anh. 15 f.

Bildarchiv der Nationalbibliothek in Wien. Inv.-Nr. 56204; Lhotsky, w. o.; Santifaller, w.o.

Böhmer 785; Meiller, Babenberger Regg. 2; Wauters, Table chronol. I, S. 432 (Bruochselle, Broxole = Brüssel).

Kommentar

Vgl. zu der Urkunde und zu der hier zum ersten Mal gebrauchten Bezeichnung „Ostarrichi”, die der Volkssprache entnommen war und sich auf den östlich von Bayern gelegenen Teil des Reichsgebietes bezog: R. Müller, Der Name Österreich. Bl. d. V. f. LK. v. Nied.Österr. 35 (1901) 402 ff.; Vansca, Gesch. Nied.- und Oberösterr. I, 215; F. A. Gombos, Történetünk elsö Szazadaibol, Századok 45 (1911) 500; Schnetz, Der Name „Österreich” u. s. Gesch. In: Germanien (1938) 106 ff.; Schlesinger, Landesherrschaft (1941) 117, Anm. 440, 120, Anm. 450; Zibermayr, Noricum (1944) 388 f.; A. Lhotsky, Ostarrîchi. Vortrag i. d. Festsitz, d. österr. Akad. d. Wiss. 21, X, 1946, Wien 1947; L. Santifaller, Über die Ostarrichiurk. v. 1. XI. 996 (1948) und Tiroler Analekten MIÖG. 57 (1949) 401. Die Entstehung der Urkunde bietet in bezug auf ihre Echtheit zu schweren Bedenken Anlaß. Daß dem Bischof Gotschalk ein unbesiegeltes Blankett zur Ausfüllung durch einen Schreiber übergeben wurde, hat seine Ursache darin, daß das Kanzleipersonal mit den lokalen Verhältnissen in den weit vorgeschobenen und dünnbesiedelten Grenzgebieten nicht genügend vertraut war, um eine genaue Ortsbestimmung geben zu können. Bei Freising wiederholt sich die Erscheinung, daß die Urkunden (so DD. 170, 197, Regg. 1143, 1172) nicht von den Notaren des Kaisers, sondern von eigenen Schreibern angefertigt wurden. Dadurch war zweifellos die Möglichkeit gegeben, den mit der Kanzlei vereinbarten Inhalt zum Vorteil des Empfängers auszuweiten, ohne daß man dies in diesem Fall mit Sicherheit behaupten könnte. Ob die Urkunde noch wahrend der Anwesenheit Gotschalks am kaiserlichen Hoflager oder erst nach seiner Rückkehr in Freising fertiggestellt wurde, bleibt ungewiß. Bei dem Monogramm sind die spätere Hinzufügung des Vollziehungsstriches und des A deutlich erkennbar; jedenfalls hat man das fehlende Siegel später durch die Befestigung des aus den Jahren 1002‒1014 stammenden Siegels Heinrichs II. zu ersetzen gesucht. Für die Klärung der Echtheitsfrage ist zweifellos (vgl. Santifaller, Tirol. Anal. w. o. Anm. 9), eine Überprüfung der gesamten Freising-Innichen Urkundengruppe notwendig, zu der allerdings auch die Passauer Urkunden heranzuziehen wären. Inhaltlich bildet die Urkunde allerdings keinen Anlaß, eine Fälschung anzunehmen; eine Schenkung dieses Ausmaßes war in den menschenarmen Gebieten des Ostens keine Seltenheit und daß die Bezeichnung „Ostarrichi” damals üblich war, bezeugt die Erwähnung 998, in dem DO. III. 286, Reg. 1274.

Nachträge (2)

Nachtrag von Dieter Rübsamen, eingereicht am 07.11.2012.

Lit.: S. Haider, Zur Entstehung der Ostarrichi-Urkunde vom 1. November 996 (DO.III.232), in: Archivalische Zeitschrift 80 (1997), S. 96-124.

Nachtrag von Dieter Rübsamen, eingereicht am 22.09.2015.

Faksimile: Die Ostarrichi-Urkunde. Faksimile im Originalformat der Urkunde aus dem Besitz des Bayerischen Hauptstaatsarchivs, München, Kaiserselekt 859. Einleitung, Transkription und Übersetzung, hg. v. A. Wandruszka, Graz 1981.
A. Kernbauer, Ostarrîchi Urkunde vom 1. November 996. Eine Fälschung?, in: Jahresbericht des Bundesoberstufenrealgymnasiums Hartberg (1995/96), S. 8-10.

 

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1212, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0996-11-01_1_0_2_3_0_763_1212
(Abgerufen am 28.05.2017).