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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Der Kaiser teilt in einem von Gerbert verfaßten Schreiben Papst Gregor V. mit, daß er mit Rücksicht auf seine Gesundheit genötigt sei, nach Deutschland zurückzukehren. Zu dem Schutz des Papstes lasse er den Markgrafen Hugo von Tuszien und den Grafen Konrad von Spoleto und Camerino zurück; dieser werde als sein Legat auch die Verwaltung der acht strittigen Grafschaften leiten und sorgen, daß dem Papst die schuldigen Abgaben entrichtet werden.

Überlieferung/Literatur

Orig. fehlt.

Cod. Vallicellanus, Rom, G 94, f. 113.

J. Massonus. Epist. Gerberti (1611) No. 158; Havet, Lettres de Gerbert (1889) No. 216, S. 202: Reverentissimo papae G. O. gratia Dei imperator augustus. Quia temporis difficultate adstrictus vestris votis satisfacere nequeo, vehementi moerore afficior. Moveor enim pietatis affectu circa vos, sed naturae necessitas suo iure omnia constringens, qualitates Italici aeris qualitatibus mei corporis quadam sui generis contrarietate opponit. Mutamur ergo solum corpore, vobiscum mansuri mente, vestroque solatio atque subsidio primores Italiae relinquimus, Hu. Tuscum nobis per omnia fidum, C. comitem Spoletinis et Camerinis praefectum, cui octo comitatus, qui sub lite sunt, vestrum ob amorem contulimus, nostrumque legatum eis ad praesens praefecimus, ut populi rectorem habeant, et vobis eius opera debita servitia exhibeant. MG. DD. O. III. 643 f., Nr. 228.

Kommentar

Der wahre Grund der unvorhergesehenen Abreise des Kaisers war der Zwiespalt, der zwischen ihm und Papst Gregor V. über die Forderung der Kurie nach Restitution der Pentapolis und damit in der Frage der Anerkennung der Privilegien der römischen Kirche ausgebrochen war. Otto hatte nicht erwartet, daß sich sein Vetter, der erste deutsche Papst, die Forderungen der Kurie zu eigen machen würde. Er ist mit seiner Abreise vorläufig einer Entscheidung aus dem Wege gegangen. Vgl. Jbb. O. III. 217f., 416f. und Vorarb.III 182 ff.; Schramm. Renovatio I, 92, 162; Kölmel, Kirchenstaat, 54. ‒ Bezüglich der Datierung des Schreibens muß berücksichtigt werden, daß Gerbert, der diesen Brief verfaßte, sich schon Anfang Juli von dem Kaiser getrennt hatte, um nach Reims zurückzukehren, wo er gemäß dem Beschluß der römischen Synode die Verwaltung des Erzbistums übernahm und leitete, bis ihn im Herbst die Umtriebe seiner Gegner zur Flucht nach Deutschland nötigten. Es kann daher dieser Brief nicht später als Anfang Juli geschrieben worden sein. Dieser Ansatz entspricht auch dem Itinerar des Kaisers, der sich von Mitte bis Ende Juni in Pistia, nahe von Camerino befand, dann nach Foligno zurückgekehrt sein muß und über Arezzo (vgl. D 217, Reg. 1196) die Heimreise antrat. Die Entscheidung über seine Rückkehr muß daher in Pistia, also in den letzten Junitagen getroffen worden sein und bald darauf ist die Verständigung des Papstes erfolgt. Man wird sich daher weder der Datierung Havets, der die Frist bis August erstreckt (Lettres, 202, Anm. 5,) noch jener Sickels (Erläut 418 ff.; MG. DD. O. III. w. o.), der das Schreiben erst im September, als Otto sich von Pavia nach Deutschland begab, entstanden sein läßt, anschließen dürfen. Auch die Berufung auf die hochsommerliche Hitze ist im Juli berechtigter als beim Herannahen des Herbstes. ‒ Vgl. Zur Überlieferung des Schreibens Weigle, Studien II. DA. 11, 398, sowie M. Uhlirz, Vorarbeiten III. 182 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1195, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0996-07-00_1_0_2_3_0_732_1195
(Abgerufen am 25.05.2017).