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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Krönungssynode in dem Petersdom unter dem Vorsitz Papst Gregors V. und des Kaisers. Die Verhandlungsgegenstände betreffen die Entfremdung des Kirchengutes, die in Italien schon bedrohliche Formen angenommen hat, den Streit des Bischofs Odelrich von Cremona mit den Bewohnern der Stadt, ferner den Streit um das Reimser Erzbistum und die Vakanz des Prager Bistums sowie die mit der Anerkennung der päpstlichen Privilegien zusammenhängenden Fragen.

Überlieferung/Literatur

DO. III. 610, Nr. 201 (für Brugnato) Reg. 1176: „in synodo in eadem ecclesia beati Petri apostoli cum summo pontifice Gregorio spirituali patre pro definiendis rebus ecclesiasticis ... ”; Brunonis vita s.Adalberti c. 18, SS. 4, 604: „Post haec facta est synodus”; Lobgedicht, V. 795: „Dat quia Papa nova populo cum Cesare iura”; Rom. Vita (Canaparius) c. 21, SS. 4, 591 „Novus imperator dat iura populis, dat iura novus papa”. ‒ JL. I, S. 490; Boye, Quellenkat. 65 u. Synoden Dtschl. u. Reichsitaliens, 156, 264.

Kommentar

Am Anfang und Ende der überlieferten Synodalurkunden stehen die beiden Marktprivilegien für Freising und Salzburg, die mit Zustimmung und auf Rat des Papstes und der nach ihren Ländern angeführten anwesenden Bischöfe ausgestellt worden sind (DD. 197, 208, Reg. 1172, 1183) über deren Gegenstand jedoch schwerlich auf der Synode verhandelt wurde. D 198 für Cremona (Reg. 1173), D 199 für S. Zeno in Verona (Reg. 1174) und D 200 (Reg. 1175) für S. Flora in Arezzo stehen mit Vorgängen während der Anreise Ottos in Zusammenhang. Die Synodalurkunden beginnen erst mit D 201 (Reg. 1176) für Brugnato, ihre Reihe wird mit DD. 202 und 203 (Reg. 1177, 1178) sowie mit den drei Cremoneser Urkunden (DD. 204‒206, Reg. 1179‒1181) und dem D 207 (Reg. 1182) für das Bistum Como fortgesetzt. (Vgl. M. Uhlirz, Zur Kaiserkrönung Ottos III. Stengel-Festschrift, 266 ff.) ‒ Auch über deutsche Klöster wurde auf der Synode verhandelt, so über das Kanonissenstift Vilich und über Petershausen, die Stiftung Bischof Gebhards von Konstanz, die beide am 24. Mai Privilegien des Papstes empfingen. ‒ Von viel größerer Bedeutung waren aber die politischen Verhandlungen zwischen Kaiser und Papst über die Frage der Restitution der restlichen Grafschaften im Exarchat und der Pentapolis. Otto muß, wie die spätere Entwicklung erkennen läßt, sich geweigert haben, dem Verlangen des Papstes, der sich die Forderungen der Kurie zu eigen gemacht hat, nach Anerkennung des Constitutum Constantini und des Paktums Ottos I. vom J. 962 nachzukommen. Vgl. Reg. 1195. ‒ Besondere Bedeutung für die geistige und seelische Entwicklung des Kaisers besaßen die Verhandlungen über den Reimser Streit und die Vakanz des Prager Bistums deshalb, weil sie ihn mit Gerbert von Aurillac und Adalbert von Prag in nahe persönliche Berührung brachten. Vgl. Jbb. O. III. 209 ff. Gerbert hatte sich entschlossen, das Urteil des Papstes und der nach Rom einberufenen Synode anzuerkennen. Der Kaiser wurde Zeuge seiner glänzenden Verteidigungsrede, die bewirkte, daß die Entscheidung in dem Reimser Streit abermals vertagt wurde und zwar bis zu dem Erscheinen Arnulfs auf einer römischen Synode und daß Gerbert in der Zwischenzeit mit der Verwaltung des Erzbistums betraut wurde. Vgl. Richer, Anhang (Latouche II) 330: „Gerbertus Romam ratiocinaturus vadit, ac ibi ratione papae data, cum nullus accusaret, alia synodus indicitur.” ‒ Gerbert schreibt selbst über den Erfolg seiner Verteidigungsrede in einem an Abt Gerald von Aurillac gerichteten Brief (Lettres, 184f., Nr. 194): „Et quamvis emulis meis dicendi arte legumque prolixa interpretatione quantum mea interest satisfecerim, non tamen adhuc semel caepta deposuerunt odia.” ‒ Daß Gerbert aber nicht in dem Vollbesitz seiner erzbischöflichen Würde gelangte, lassen nicht nur seine späteren Briefe (so Nr. 181, vgl. dazu Reg. 1210 a und Vorarbeiten III) sondern auch der Umstand erkennen, daß er die Weihe seines Suffraganbischofs Erluin von Cambrai nicht vornehmen durfte und daß dieser nach Rom gekommen war, um die Konsekration durch den Papst zu empfangen (vgl. JL. 3866 „interveniente hac re, quae inter Arnulfum Remensis ecclesiae archipresulem et Gerbertum invasorem eius excrevit idem Herluinus Remis canonico more consecrari nequivit”. ‒ Gesta pontif. Camerac. c. 110f., 7, 449; vgl. Moreau, Hist. de l'église de Belgique I, 273). ‒ Gerbert war entschlossen, sich im November 996 nochmals nach Rom zu begeben und dort mit seinem Gegner sich dem Urteil der neuen Synode zu stellen (vgl. Lettres, Nr. 181; Richer, Anhang w. o.). Jetzt mußte er jedoch nach Reims zurückkehren und trat im Gefolge des Kaisers, der ihn noch auf der Krönungssynode in seine Umgebung gezogen hatte, die Heimreise an (vgl. Reg. 1189 b). Auch in den Verhandlungen über das Schicksal des Prager Bistums ist die Synode, vermutlich gleichfalls infolge der Einflußnahme des Kaisers, auf den die Persönlichkeit Adalberts den stärksten Eindruck machte, zu keinem klaren Urteil gelangt. Erzbischof Willigis, der die mönchischen Neigungen Adalberts verurteilte und es nicht zulassen wollte, daß eines seiner Suffraganbistümer einer Leitung entbehre, hat seine Ansicht „libera mente” vertreten und es durchgesetzt, daß Adalbert auf Beschluß der Synode sein Prager Bistum wieder übernehmen sollte. Willigis muß sehr bald nach Beendigung der Verhandlungen Rom verlassen haben; er bestürmte den Papst mit Briefen, daß er Adalbert zur Rückkehr nach Prag zwingen solle. Dieser aber erfreute sich der besonderen Gunst des Kaisers und der Papst hat ihm daher gestattet, wenn ihn die Bevölkerung von Prag ablehnen würde, als Missionsbischof bei den Völkern des Ostens tätig zu sein. Vgl. dazu Lobgedicht auf den hl. Adalbert, c. 22, V. 800 ff.: Vivere desertos cernens sine presule Sclavos Extemplo mestus cum papa plurima questus Stans in Apostolica sinodo, de plebe relicta Querit, quid sanctus decernat Pontificatus? Ecclesias propriis cunctas pollere maritis, Solam sed Pragam pastore suo viduatam, Si sinerent fieri, dicebat, crimen haberi. Multimodaque suos prece sollicitans per amicos Ecclesiae proprium vidue revocare maritum. Non prius, ut potuit, papam rogitando quievit, Quam vir apostolicus promitteret omne coactus Juxta velle suum grata pietate daturum. Tristis et efficitur presul, quod claustra iubetur Linquere, nam populi, scierat, quod flectere duri Nullius dogma potuisset ferrea corda. Cuius sed mentem lenit res una dolentem, Nam sibi commissa plebs si nollet sua iussa, Ut decet implere, nec dona salutis habere, Gentibus ignotis nec adhuc baptismate lotis Missus erat regnum celeste docere futurum. Ebenso R. Vita, Canaparius, c. 22, SS. 4, 591, wo noch bei der Anklage des Mainzer Erzbischofs hinzugefügt wird: „veterem quaerimoniam canens”. Diese Bemerkung bezieht sich darauf, daß Willigis schon etwa 992 Adalbert gezwungen hatte, das Klosterleben in Rom aufzugeben und nach Prag zurückzukehren (vgl. Reg. 1074 c). Es folgt dann die Stelle über den Briefwechsel des Erzbischofs mit dem Papst: „Rursum ex itinere quo versus est, ad patriam continuis litteris hoc idem reiterare non cessat; nec dimisit prius, donex pollicitus est domnus Apostolicus facturum se esse, quae vellet.” ‒ Brunonis vita s. Adalb. c. 18, SS. 4, 604: Zelo iuris tactus Magontinus archiepiscopus, antequam cantilenam cantat, episcopum sanctum a quiete monasterii ad relictos greges obstrahere parat. Assentit papa Gregorius et semel susceptum impune non posse dimittere gregem scripturarum voce testatur.”

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1174a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0996-05-00_1_0_2_3_0_705_1174a
(Abgerufen am 21.07.2017).