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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Eintreffen der Boten des römischen Adels und des Senates, die dem König die Unterwerfung Roms ankündigen und ihn bitten, er möge eine geeignete Persönlichkeit als Nachfolger des verstorbenen Papstes bestimmen. Otto sendet seinen Verwandten Brun, den Sohn des Grafen Otto vom Wormsgau, des Herzogs von Kärnten, einen Urenkel Kaiser Ottos I., in Begleitung des Erzkanzlers Willigis und des Kanzlers Hildibald nach Rom, die dort Wahl und Weihe des neuen Papstes durchführen sollen.

Überlieferung/Literatur

Ann. Hildesh. S. 27: Johannes papa obiit; unde imperator, in Italia iam positus, rumore incitatus, praemissis quibus principibus, publico consensu et electione fecit in apostolicam sedem ordinari suum nepotem dominum Brunonem, Ottonis filium, qui marcham Veronensem servabat, imposito nomine Gregorii. ‒ Giov. diac. cron Venez. c. 29 B (FSI. IX) 152 f. ... ibique (Papiae) Johannem, apostolice sedis antistitem, defunctum audiens, Brunonem, suum videlicet nepotem, Ottonis ducis filium, ad hanc dignitatis apicem fastigiare disposuit; quod postea complevit. ‒ Lobgedicht auf den heil. Adalbert (vgl. Vorarbeiten, II. 40 ff.; FF. rer. Bohem. II. S. 327; A. Kolberg, Zs. f. Gesch. u. Altertumsk. Ermlands VII. (1881) 468 f.): Vers 769 ff. Etiam prefatus Rex et totus comitatus Transcendens alpes Ravennas ibat ad arces, Romani Proceres veniunt cum dona ferentes, Verbaque que sanctus sibi miserat ordo senatus, Pectore devoto se dicunt tempore toto Illius adventum velut expectare paternum, Nec non et mestas addunt de morte querelas Patris Apostolici tocius plebis amici, Nisibus et totis querunt et cum prece votis De pastore gregis, que sit sententia Regis, Tanto vestire quem dignaretur honore. Forte capellanus tunc temporis affuit unus, Regis cognatus vir nomine Bruno vocatus Dogmate tam sacro pollens quam sanguine claro Vir bonus et talos esset perfectus ad imos, Si non incerta ferveret carne iuventa. Hunc quod Rex voluit mox omnis concio legit, Sedis Apostolice foret vel successor honore Quem duo Pontifices Romane sedis ad arces Willigiso pater simul Ildebaldus et alter Secum deductum cum magna laude receptum Imponunt sedi, guam sacrat sessio Petri.” Damit oft wörtlich übereinstimmend Joh. Canaparii vita S. Adalberti, c. XXI. SS. 4, 590 f. FF.; rer. Bohem. I. 254 f.

Kommentar

Die beiden Vitae des hl. Adalbert geben an, daß die Gesandten der Römer erst in Ravenna zu dem König gekommen seien. Diese Quellen übergehen die Fahrt von Verona über Pavia und Cremona vollständig. Da aber Otto frühestens um den 25. April gekommen sein kann und sich am 5. Mai schon auf dem Wege über Palazzuolo, (D 194, Reg. 1171) nach Rom befand, ist es ausgeschlossen, daß ihn die römischen Gesandten erst in Ravenna erreichten. Wahrscheinlich hat Otto die Nachricht von dem Tode des Papstes in der Tat schon in Pavia erfahren; aber die Abordnung einer Gesandtschaft und die volle Unterwerfung ist in Rom zweifellos erst dann beschlossen worden, als man von dem Erscheinen des Königs an der Spitze eines bedeutenden Heeres erfahren hatte und Crescentius, der vergeblich versucht hatte, einen seiner Anhänger, Johann XVI. als Papst durchzusetzen, die Nutzlosigkeit eines bewaffneten Widerstandes einsah (Reg. 1166 c.) Auch in dem Gefolge Ottos hatte man eine so rasche kampflose Ergebung des Crescentius und seiner zahlreichen Anhänger nicht erwartet. ‒ Brun war ein Mitglied der königlichen Kapelle, einer der jungen Freunde des Königs, der bei der Besetzung des päpstlichen Stuhles nicht anders als bei den Reichsbistümern vorgegangen ist (vgl. Holtzmann, Kaiserzeit, 333). Die Charakteristik des Lobgedichtes ist zutreffend, Brun war heftig und hart, wenn es galt, seine Gegner zu treffen.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1168b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0996-04-20_3_0_2_3_0_693_1168b
(Abgerufen am 28.07.2017).