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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Kaiserin Adelheid, die sich während der letzten Wochen in Augsburg aufgehalten und dort den Bau des Domes gefördert hat, sendet vermutlich durch ihren Notar Froumund eine Botschaft an einen Würzburger Geistlichen G. und ordnet für den 13. August die Bereitstellung einer Unterkunft, sowie des notwendigen Futters für die Wagenpferde und des Lebensunterhaltes für sich und ihr Gefolge an. Sie begibt sich dann von Würzburg nach Sachsen und zwar nach Quedlinburg zu ihrer Tochter, der Äbtissin Mathilde, und ihrer Enkelin Adelheid, um an deren Kanonissinnenweihe im Oktober teilzunehmen.

Überlieferung/Literatur

Vgl. Ann. Augustani, SS. 3, 124 ad a. 995: Liutoldus episcopus templum a fundamento construxit, Adelheida imperatrice cooperante. ‒ Brief im Namen der Kaiserin Adelheid an einen Würzburger Geistlichen G.; Tegernseer Briefsammlung (Froumund) MG. Epp. selectae III. ed. K. Strecker 16, Nr. 16: Inperitante Dei omnipotentis clementia Adelheida regnatrix augusta regimini christianę plebis temporaliter prelata G. venerando viro salutem et gratiam. ‒ Quia latitudo divinę potestatis subiecit nobis, que ipsa est dignata, quam plurima regnorum imperia, multos et clemens ubique potentes placavit amicos, quos colimus interdum absentes, modo namque nobis ministratur a presentibus, huius rei occasione antistitem Vindelicensis Augustę dudum adiveramus, aput quem manendi cursus statuti temporis iam pene perfeceramus et evolutis dierum spatiis revisentes patriam Saxonię habitationis directione nostri itineris adducimur vestrę Herbipolensi die quo idus numeratur mensis Augusti. Quocirca quia amicissimum nostrum episcopum domi non esse recordati sumus, cautum fore nostri sunt consiliati, si nuntium premitteremus, ut nobis previderi iubeatis hospitia ad manendum, pabula curruum et equorum ante tempus adquirantur, stipendia nobis nosque concomitantibus prevideantur. De propinquo namque loco ... (6 Zeilen fehlen).

Kommentar

Dieses Schreiben ist besonders aufschlußreich. Schon der Titel, den sich die Kaiserin beilegt und in dem sie sich als von Gott mit der Regierung des christlichen Volkes für eine gewisse Zeit betraut bezeichnet, läßt erkennen, daß sie noch manche Ansprüche auf die Regierung aufrecht hält. Wir erfahren ferner, wie sorgfältig für die Reisen der Herrscher vorgesorgt wurde. Die Kaiserin erwähnt ihren Aufenthalt in Augsburg (vgl. Ann. Augustani w. o.), ferner, daß sie Sachsen aufzusuchen gedenke und auf der Hinreise in Würzburg Aufenthalt nehmen werde. Da der Bischof von Würzburg abwesend sei, ‒ er hat zweifellos damals mit seinem Aufgebot an dem Slavenfeldzug teilgenommen ‒ schickt sie ihre Boten voraus und bittet den „venerandus vir G.”, in dem wir nach Schmeidler den Erzpriester G. von Würzburg erblicken dürfen (vgl. ib. Brief Nr. 11, S. 12), ihr eine Unterkunft vorzubereiten. ‒ Infolge der Übereinstimmung mit den Zeitereignissen dürfen wir mit Sicherheit annehmen, daß dieser Brief aus dem Jahre 995 stammt. ‒ Vgl. zu den Briefen Froumunds Schmeidler, Über die Tegernseer Briefsammlung, NA. 46 (1926) 412 f., 418, 422, der die Ansicht vertritt, daß Froumund zeitweise Notar der Kaiserin gewesen sei. Der Schluß des Briefes sei absichtlich weggelassen worden. ‒ Die Unterbringung und Verpflegung der Mitglieder des Herrscherhauses gehörte zu den Servitia der Reichsbistümer. Vgl. Heusinger, Servitium regis, 54 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1141c, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0995-07-00_3_0_2_3_0_621_1141c
(Abgerufen am 21.07.2017).