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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto gibt seinem getreuen Hugo, Markgrafen von Tuszien, um der vielen Dienste, die er ihm und seinen Eltern, dem Kaiser Otto und der Kaiserin Theophanu, geleistet hat, auf seinen Wunsch und Bitte ein Grundstück zwischen dem Hof und der Pfalz in Ingelheim in der Länge von 62 Fuß neben dem Platz gleichen Ausmaßes, den er dem Bischof Wilderod von Straßburg geschenkt hat, damit er sich dort ein Haus als Unterkunftsstätte anläßlich seiner Teilnahme an Reichstagen zu Ostern oder zu anderen Zeiten erbauen könne; außerdem schenkt ihm der König die Hufe eines gewissen Bernhard mit allem Zubehör (qualiter nos ob dilectionem et interventum fidelis nostri Hugonis marchionis Tusciae, ob devotum ac frequens servitium quod sępius beatę memorię genitori et aequivoco nostro Ottoni imperatori augusto et carę genitricę nostri Theophanu ... ac nobis pio animo exhibuit, desiderio ac petitioni illius concessimus et dedimus infra curtem et palatium nostrum Inglinheim vocatum locum unum habentem sexaginta duos pedes in longitudine iuxta eum locum quem dedimus Argentinensis ecclesie Vuiderolto episcopo eiusdem mensurę situm, ut ibi faciat aedificia sibi congrua in quibus manere possit, quotienscumque imperialis vel regalis conventus paschali aut alio tempore ibi habeatur. Ad hec etiam suae caritati et voluntati ab eo rogati in proprium dedimus mansum Berenhardi cum domo et ędificiis atque cunctis utensilibus ad eundem mansum rite pertinentibus ...). ‒ Hildibaldus canc. vice Uuilligisi archiep.; verfaßt und mundiert von HB, der auch die ursprünglich von HF geschriebene Datierung und Ortsangabe durch Rasur getilgt und durch „X. kal. octobris” und „Solegon” ersetzt hat; MF., SI. 2. „Notum sit omnibus fidelibus nostris”.

Überlieferung/Literatur

Niedersächs. Staatsarchiv zu Hannover, Domstift Hildesheim Nr. 3, vernichtet durch Bombenabwurf 1943 (A).

Hs. 7 h d. 18. Jh. capsa I., Nr. 10 in d. Dombibl. Hildesheim; Ms. Hoffmann, Ant. Hildesh. (B) im Staatsarch. Hannover diente als Vorlage für die älteren Drucke, wurde jedoch gleichfalls vernichtet, ebenso das Große Kopialbuch aus der Mitte des 15. Jh., Nr. 1086.

Orig. Guelf. 1, (1750) 66 (aus B); MG. DD. O. III. 557 f., Nr. 147; UB. Hochstift Hildesheim, 25 f., Nr: 37.

Böhmer 733; Stumpf 1019; Falce, Reg. 26.

Kommentar

Daß die Datierung und Ortsangabe auf Rasur stehen, in der „septemb” und unter „Solegon” deutlich „Ingilinheim” oder „Ingelenheim” erkennbar waren (vgl. Foltz, Anm. d), läßt vermuten, daß die Handlung schon hier, als die Fürsten am Hoflager des Königs eingetroffen waren, erfolgt ist. Vgl. Kehr, Urkk. O. III. 226, 239. ‒ Eigenartig ist auch die Selbstintervention des Markgrafen Hugo, der seine Bitte ohne Vermittler an den König richtet. Seine Verdienste werden übrigens mit der gleichen formelhaften Wendung, wie sie auch die Verfügungen zugunsten Hildibalds von Worms aufweisen, hervorgehoben. ‒ Die geräumige Anlage der Pfalz zu Ingelheim mit ihren großen Umbauten bot die Möglichkeit für derartige Schenkungen. Jedenfalls haben wir in ihnen die Ansätze, zwar nicht zur Bildung einer festen Residenz, wie Schulte gemeint hat, wohl aber eines Versammlungsortes für den Reichstag zu erblicken. Schon Otto II. (D 183) hatte Bischof Hildibald von Worms eine Wohnstätte in Frankfurt angewiesen. Vgl. dazu Schulte i. Hist. Jb. 55, 137 f. ‒ Über die Schenkung vgl. Ficker-Puntschart, Reichsfürstenstand II/2, 209; Gladiß, DA. 1, 125; Bögl, Königtum, 39; Kraft, Wormsgau, 216. ‒ Zur Anlage der Pfalz vgl. Schlag, Kaiserpfalzen, 18, 19, 77; G. v. d. Osten, Schrifttum über d. dtsch. Königspfalzen. Zs. Kunstgesch. 7, 238 ff.; Rieckenberg, Königsstraße AUF. 17, 56; Rheinhessen u. s. Vergangenheit, hrsg. v. G. Behrens IX. (1949). ‒ Die Hufe des Bernward, die sich „in villa Inglinneim superiori” (vgl. DD. O. III. 837) befand, sollte offenbar mit ihren Erträgnissen dem Aufenthalt des Markgrafen dienen. Sie wurde dann auf dessen Bitte am 12. Mai 1001 dem Freunde Ottos III., dem Grafen Tammo, übergeben. Vgl. D 403, Reg. 1417. ‒ Zur Stellung Hugos vgl. Falce, Ugo di Tuscia (1921) 17, 21.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1117, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0994-09-22_2_0_2_3_0_566_1117
(Abgerufen am 27.03.2017).