Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

Sie sehen den Datensatz 549 von insgesamt 1375.

Der Missus des Königs comes Oci, der auch Walpotus genannt wird, hält mit dem Patriarchen Johannes von Aquileja, zwei Grafen von Vicenza, fünf Pfalzrichtern u. a. Gericht in einem Streit um die Kapelle S. Thomae et Zenonis zu Monselice, die dem Mönch Adelardus, qui et Adoaldus, von S. Justina zugesprochen wird.

Überlieferung/Literatur

Muratori, Antich. Estensi 7, 128 ... in iudicio adesset Domnus Johannes Patriarcha, et Oci qui et Walpotus Comes et Missus Domni Ottonis Regis et Adelbertus qui et Azili, et Ubertus uterque Comitibus comitatu Vicentino ... ; Hübner, Gerichtsurkk. Nr. 1088: Mon. hist. duc. Carinthiae III, Nr. 186.

Kommentar

Monselice = s. Padua b. Este; S. Justina de monte Silice, Kollegiatstift. IP. VII/a, 200 f. ‒ Von besonderer Bedeutung ist das Cognomen „qui et Walpotus”, das allgemein als „Gewaltbote” und sogar als Pfalzgraf gedeutet wird (Waitz, Vfg. VII. 35 f. und Anm. 5; Pirchegger, Beitr. II. Zs. Steierm. (1931), 43; Braumüller, Kärntner Pfalzgrafenamt. Carinthia I. 140 (1950), 618 ff. und Wutte, Z. Gesch. d. Edlinger II. Gewaltbote, Pfalzgraf u. Pfalzgrafensitz d. Herzogsstuhles l. c. 139 (1949), 36 n. Dagegen muß man jedoch einwenden, daß zu dieser Zeit Doppelnamen sehr häufig waren und immer mit der Wendung „qui et” eingeleitet wurden. Auch „Walpotus” wurde hier nicht anders aufgefaßt wie die Bezeichnung „qui et Azili” bei dem gleich darauf folgenden Adelbertus und „qui et Adoaldus” bei dem Mönch Adelardus. Die Amtsbezeichnung Ocis wird ebenfalls angeführt, er war „comes” und „missus”, also keinesfalls ein Pfalzgraf, sondern hatte in Kärnten und dem Kroatengau dieselben Rechte und Pflichten, wie sie der Missus Cesso im Gebiet von Cremona oder Notger, Bischof von Lüttich, im Gebiet von Capua und Gaeta ausgeübt hat (vgl. Regg. 1298 c, 1302 b, 1303 b, 1305 f, 1319 c). Nun gibt es aber noch ein zweites Vorkommen dieser Bezeichnung in DO. I. 395 f., Nr. 279, Reg. 374 „in partibus Karantaniae in comitatu Hartuuigi comitis qui et ipsę inibi cognomine Uualtpoto dicitur”. Es wird auch hier in der kaiserlichen Kanzlei diese Bezeichnung nur als eine in Kärnten übliche Benennung empfunden, als ein dort gebräuchliches Cognomen, und nicht als ein besonderer Amtstitel, der „Pfalzgraf” = „comes palacii” bedeuten sollte. Walpot war in Kärnten offenbar nichts anderes als die volkstümliche Umdeutung von „Missus”, dem Vertreter der königlichen Gewalt, dem Sendboten des Herrschers. Hartwig wird noch in dem DD. O. I. 171, 173, 221, 235, 281, jedoch immer nur als comes genannt. Auch Otger erscheint in der Schenkung Ottos III. für den Slaven Zebegoi (D 133, Reg. 1101) nur als comes. Wäre er tatsächlich Inhaber der pfalzgräflichen Würde gewesen, würde er in einem amtlichen Schriftstück zweifellos den Titel „comes palacii” geführt haben.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1112a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0994-02-14_1_0_2_3_0_549_1112a
(Abgerufen am 25.09.2017).