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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto schenkt auf Bitte und Intervention seines lieben und getreuen Verwandten, des Herzogs Heinrich von Bayern und Kärnten, einem gewissen Sachso drei Königshufen in der Gegend, wo der Slave Gluzo zu roden und zu siedeln unternommen hat; sollten in dem Ort, der in der Volkssprache „Gluzengisazi” (=? Gleiss an der Ybbs, Nied.Österr.) genannt wird, so viele Ländereien nicht verfügbar sein, so sollten sie aus den benachbarten Gebieten genommen werden; würden sich aber in dem genannten Ort mehr als drei Königshufen befinden, so sollte alles überschüssige Land, sei es wenig oder viel, dem Sachso zuteilwerden, der mit der gesamten Schenkung verfahren könne, wie er wolle (quemadmodum nos ob petitionem et interventum dilecti fratris ac fidelis nostri Heinrici Baioariorum et Karentinorum ducis Sachsoni cuidam de nostra proprietate dedimus tres mansos regales in loco ubi Gluzo Sclauus habitare et diruere cepit, si ibi inveniantur; si autem numerus eorum ibi ad plenum inveniri non possit, in proximis loscis per circuitum ad regium ius aspicientibus nostra comprobatione et licentia sibi adimplendos concessimus; si autem in praedicto loco quem vulgari lingua nuncupant Gluzengisazi, numerus trium regalium mansorum superabundaverit ... totum quantum sit, parvum sive magnum, suo iuri in proprium tradidimus ... ea videlicet ratione ut idem iam dictus Sachso liberam dehinc de praefata proprietate ... faciendi quod velit potestatem habeat ...). ‒ Hildibaldus canc. vice Uuilligisi archiep.; verfaßt und geschrieben von HF; MF., Si. D. „Noverit omnium fidelium nostrorum”.

Überlieferung/Literatur

Bayerisches Hauptstaatsarchiv zu München KS. Nr. 167 (A).

Kopiar Hochstift Freising f. 11' aus der 2. Hälfte des 12. Jh. Ebd. Lit. 4 (B).

Hund-Gewold, Metrop. Salisb. ed. Mon. 1 (1620) 137; ed. Ratisp. 1, 93; Mon.Boica. 28 a, 253, Nr. 167 (aus A); MG. DD. O. III. 539 f., Nr. 128.

Böhmer 716; Stumpf 997; Dobeneker 558; Mon. hist.duc. Carinthiae III, 183; Kos, Gradivo II, 511.

Kommentar

Bei der Intervention ist die Bezeichnung „dilectus frater et fidelis noster” für Heinrich den Zänker zu beachten. „Frater” ist hier einerseits in Beziehung auf das nahe Verwandtschaftsverhältnis zu verstehen, andererseits entspricht der Ausdruck der angesehenen Stellung, die der Herzog am Hofe des Königs einnahm.Zur Überlieferung in d. Freisinger Kopiar vgl. W. Mommsen, Z. f. bayr. LG. V, 129 ff. ‒ Die Lage von Gluzengisazi ist nicht gesichert; Dopsch (Sozial. u. Wirtschaftsgesch. d. Alpenslaven, 62) hat sich für „Gleiß an der Ybbs” ausgesprochen (vgl. auch Nied.österr. Topographie III, 456; Müller, Jb. d. Ver. f. LK. Nied.österr. XXXIV, 373), doch läßt die Tatsache, daß das heute in München aufbewahrte Original aus Freising gekommen ist und dort auch in die Chartulare aufgenommen wurde, die Möglichkeit zu, daß es sich um einen Ort in dem Freisinger Gebiet Kärntens gehandelt hat. ‒ Der Einblick, den diese Urkunde siedlungsgeographisch gewährt, ist besonders interessant; der Slave Gluzo hat seine Rodungen zweifellos im Einvernehmen mit dem zuständigen Grafen durchgeführt. Die Grundverteilung hatte noch keine festen Formen angenommen. Sachso dürfte, nach der Intervention Heinrichs auf bayrischem Gebiet seßhaft gewesen sein. Vgl. dazu Schetter, Intervenienz, 83. ‒ Zu der Schenkung vgl. außer Dopsch w. o. Kerri, Reichsgut, 69, 72, 87 und Gladiß, Schenkungen DA. 1, 89 und Vjschr. Soz. u. Wg. 30, 158, Anm. 6. ‒ Zur „zidalweida” vgl. Reg. 1143.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1096, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0993-06-15_1_0_2_3_0_515_1096
(Abgerufen am 27.05.2017).