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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto gewährt seinem getreuen Bischof Christian für das Bistum Passau, das von den Herzögen keine geringen Beschwerden zu ertragen hatte, daß es von deren Gewalt befreit unter königlichem Schutz stehen und nur dem König bzw. dem Kaiser die entsprechenden Leistungen entrichten solle. Jede Verletzung dieser Bestimmungen soll als Majestätsverbrechen schwerstens bestraft werden (quomodo nos divini amoris instinctu et fidelis nostri Cristiani Patauiensis ecclesiae ... episcopi rogatu quae semper non parvam molestiam perpessa est a ducibus quasi debitam inde exigentibus servitutem, eidem ecclesiae ... concedimus, ut nullus dehinc dux vel alia quaelibet potens persona de eadem ecclesia vel locis illuc pertinentibus servitutem aliquo modo exigat debitam aut coactam tollere praesumat, sed ipsa sub emunitatis nostrae regia defensione ab omni ducum aliarumque potentium personarum invito servicio perpetualiter immunis consistat, excepto quod regio honori vel imperatoriae dignitati praesens provisor praefatae ecclesiae suique successores caritativa mente iusteque impendere debent. Si quis vero huius nostrae dominationis praecepti violator extiterit, sciat se quasi transgressorem regiae maiestatis et gratiae iure redargui et detrimentum pati). ‒ Hildibaldus canc. vice Uuilligisi archiep.; vermutlich mit Beteiligung von HB von einem fremden Notar, wahrscheinlich dem Passauer Geistlichen, der auch an der Herstellung der anderen DD. für Passau beteiligt war, in Nachahmung des Kanzleistils verfaßt und geschrieben; die Vollziehung des Handmals ist nicht erkennbar, das unechte Siegel erst später angebracht worden; M., SI. „Notum sit omnibus nostris fidelibus praesentibus”.

Überlieferung/Literatur

Bayerisches Hauptstaatsarchiv zu München, KS. Nr. 166 (A).

Chartul. Patav. antiquiss. aus dem 12. Jh. f. 9 ebd. (B).

Hund-Gewold, Metrop. Salisb. ed. Mon. 1 (1620) 363, Nr. 2; Mon. Boica 28 a, 251, Nr. 166 (aus AB); MG. DD. O. III. 526f., Nr. 115.

Bruschius De Laureaco veteri (1553), 122; Böhmer 705; Stumpf 985.

Kommentar

Die Urkunde ist von Sickel trotz schwerwiegender Bedenken unter die echten Privilegien Ottos III. eingereiht worden. Es handelt sich hier jedoch höchstwahrscheinlich um eine zeitgenössische Fälschung, wie wir nicht nur aus äußeren, sondern vor allem aus inneren Gründen schließen dürfen. Es ist nicht anzunehmen, daß der dreizehnjährige König ohne Mitwirkung eines oder mehrerer Mitglieder des vormundschaftlichen Rates eine so scharfe, gegen die Stellung Heinrich des Zänkers in Bayern gerichtete Verfügung getroffen hat. Vermutlich haben wir es auch hier mit einem von dem Passauer Bischof vorgelegten, aber von der Leitung der königlichen Kanzlei nicht gebilligten und nicht ausgefertigten Entwurf zu tun, der nach der Rückkehr nach Passau mit einem plump nachgeahmten Siegel versehen und als echte Urkunde ausgegeben worden ist. Besonders auffallend ist die nach dem Vorbild der italienischen Urkunden stilisierte Poenformel, die jedes Vergehen gegen die Verfügung des Königs mit schwersten Strafen bedroht. Vgl. dazu D 112, Reg. 1080; M. Uhlirz, Jbb. O. III. Exkurs IX. Passauer Urkunden Ottos III. 472f., 476. ‒ Im allgemeinen vgl. Johnson, Secular activities, 59; Heuwieser, Stadtrechtl. Entwickl. Passaus, 50, 80; Hollnsteiner, St. Florian, MIÖG. 40, 46f. ‒ Über das gefälschte Siegel: Foltz, NA. 3, 41 und Geib, Siegel deutscher Könige, Archival. Zs. NF. 2, 169.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1083, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0993-02-06_1_0_2_3_0_489_1083
(Abgerufen am 18.10.2017).