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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Sieg Herzog Heinrichs von Bayern über die Magyaren.

Überlieferung/Literatur

Ann. Ratisp. SS. 17, 584: Victoria super Ungaros Heinrici ducis; Auct. Garstense. SS. 9, 567: Heinricus dux de Ungaris triumphavit; Ann. s. Rudb. Salisb. Ib. 772.

Kommentar

Dieser kriegerische Erfolg war zweifellos, wie der Wortlaut der Quellen erkennen läßt, von großer Bedeutung und muß das Ausmaß der gewöhnlichen Grenzkämpfe (vgl. Regg. 962 f und 979 a) weit überschritten haben. Offenbar haben die Streitkräfte des Markgrafen Liutpald zur Abwehr der Magyaren nicht ausgereicht und sah sich Heinrich der Zänker genötigt, zum Schutze Bayerns einzugreifen. (Vgl. dazu A. v. Meiller, Über das ... Breve chron. Austriacum. Denkschr. Wiener Akad. Phil. hist. Kl. XVIII. 1869, S. 56f.) Spätestens jetzt muß die Grenze der Ostmark bis an den Wienerwald vorgeschoben worden sein und es ist sehr wahrscheinlich, daß im Anschluß an den Sieg Heinrichs das vielerörterte Placitum unter seiner und des Markgrafen Leitung zur Regelung der Besitz- und Rechtsverhältnisse des Landes stattgefunden hat. Da auch Bischof Pilgrim von Passau, der Ende Mai 991 gestorben ist (Reg. 1033 c), an dieser Versammlung teilgenommen hat, zu der alle im Lande begüterten Kirchenfürsten, die Grafen und Ritter, sowie die gesamte Bevölkerung einberufen worden war, muß das Placitum spätestens im April-Anfang Mai abgehalten worden sein. Die Kämpfe gegen die Magyaren wären dementsprechend früher, für die ersten Monate des Jahres anzusetzen. Über die Ergebnisse des Inquisitionsbeweises, der auf diesem Placitum zur Feststellung der Rechte des Bistums Passau geführt wurde, ist eine Aufzeichnung erhalten, deren Echtheit früher angezweifelt wurde, jetzt aber auf Grund eingehender Untersuchungen als gesichert angenommen werden kann. Sie besitzt besondere Bedeutung, weil sie den Verlauf der Grenze des Deutschen Reiches an der Donau gegen Ende des 10. Jh. erkennen läßt. ‒ Vgl. Cod. Pat. A(antiquiss.) f. 49 und Cod. Pat. B (III. Domkap.) f 129, no. 226, Hauptstaatsarchiv zu Münschen; Mon. Boica 28b, S. 81, no. 116 und 208, no. 7; UB. v. St. Pölten (Nied. Österr. UB. I.) 3f, no. 2; letzter Druck: Heuwieser, Passauer Traditionen 79 f., Nr. 92. ‒ Aus der umfangreichen Literatur vgl. Büdinger, Gesch. österr. I. Exkurs IV. 491‒496; Huber, Gesch. österr. 1, 177 f.; S. Hirsch, Jbb. H. II. 1, 141 Anm. 4; Dopsch, Steuerpflicht und Immunität, ZRG. Germ. Abt. 26, 7 ff.; Mitis, Stud. z. alt. österr. Urk. wesen, 83 ff.; Zibermayr, Traditionsbuch, Passau, MIÖG. 26, 383 ff. (mit Faksimile); H. Hirsch, Kaiserurk. MIÖG. 35, 79 ff. und Grenze zwischen Nied. Österr. u. Mähren. D. Arch. f. L. u. Volksforsch. 1, 857 f.; K. Lechner, Besitz- u. Kirchengesch. d. Mark. a. d. Donau. MIÖG. 52, 207 ff. Notum sit cunctis praesentibus scilicetet futuris, qualiter Heinricus strennuus Baioariorum dux in marca Liutbaldi marchionis congregatis omnibus tam episcopis quam comitibus primoribusque cum plebibus regni, publico placito habito populum terminalem pro facienda generaliter omnibus iusticia iurare fecit, quod iure unius cuiusque proprium esset de illis praediis que tunc sub ditione tenebantur dominica, (Passauer Dominikalland = Dopsch, Alpenslaven, 58 f.), et quid episcopatuum aut abbatiarum familię deberent marchioni, inter cetera autem quę ad sanctum Stephanum prothomartirem sedemque Pataviensem iuste legaliterque pertinere deberent. Tunc inprimis familiam sancti Stephani ab omni iugo vel districtione marchionis, hoc est collectis donativis operibus mansionaticis et ceteris servitiis liberam et absolutam asserebant. Deinde haec loca ad sedem Pataviensis aecclesię attinere sub proposita iusiuratione firmabant tempore pontificatus et praesentia Piligrimi episcopi: Muotarum quę Eparespurch nominatur, sursum de Wintestale a termino sancti Michaelis Rosseza, deorsum usque Chlepadorf Salzpurgensis aecclesie locellum, et ita perlatum in australem plagam ad deserta montana, exceptis duorum paucorum iugerum praediolis; deinde Treisimam civitatem monasterii sancti Yppoliti martiris, ea integritate ut quondam beatę memorię Adalbertus episcopus sub Purchardo marchione in sua tenuit vestitura et quemadmodum corta legali affirmatione antiquitus roborata et in publico recitata designabat; postea Persnicha sicut Willihelmus in proprium possidebat, quod tempore praesenti Boemani insidendo arabant; deinceps Liliunhova iuxta Tullonam, Egilinsteti, Zeizmannesstetin et Abbatessteti cum omnibus iure ad se respicientibus; postmodum autem a septem collibus ab occidente civitatis Zeizinmure sursum ad australem plagam Chunihohesdorf et sic usque in cacumen montis Comageni et ita usque ad Hangintenstein et ita ultra Danubium usque ad Marevinos terminos in latum et sursum in longum usque ad Mochinle et etiam Trepinse et utramque ripam fluminis Danubii infra iam dictum terminum locumque piscationis husonum, quem hactenus Tullonenses suis vendicabant usibus, sanctum Stephanum prothomartirem legaliter attinere. Nomina autem eorum qui ista iurando affirmaverunt haec sunt: Meginhart comes, Papo comes, Markwart comes et frater eius Rudker, Tiemo comes, Pertolt, Werinheri, Rupo, Egil, Mimilo. Zu den Ortsnamen vgl. J. Lampel, Wo lag Mochinlê? Bl. d. Ver. f. L. K. v. Nied. Österr. NF. 30, 55 ff; dazu R. Müller, ib. 30 und 34; Grienberger, Zur Kunde österr. Ortsnamen, MIÖG. 19, 520 ff.; Schachinger, Wienerwald, 27; Halmer, Wiener Wald als wehrpol. Grenze, Niederdonau 11, passim und vor allem die oben erwähnte Untersuchungen von Heuwieser S. 81 und K. Lechner. ‒ Muotarum quę Eparesburg nominatur = Mautern (K. Uhlirz, Jbb. O. II. 234, Anm. 4); Rosseza = Rossatz mit St. Michael, alter Besitz des bayrischen Klosters Metten; Chlepadorf = Kleedorf, heute nicht mehr erhalten; Treisma = St. Pölten (K. Gutkas, Die „Treisma” Orte. Uns. Heimat 22, 149); Persnicha = Perschling bei St. Polten; Liliunhova = Wüstung bei Tulln; ebenso Zeizmannsteti; Egilinsteti = Eichstaden?; Abbatessteti = Absstetten; a septem collibus = Langen-Lebarn; Zeizinmure = Zeiselmauer; Chunihohesdorf = Königsstetten; mons Comagenus = Wienerwald; ad Hangintenstein = Höhe bei Greifenstein a. d. Donau; Mochinle, dessen Lage vielumstritten war (Großmugl, Malleborn), wird jetzt von Lechner (S. 212) in Oberzögersdorf bei Stockerau gesucht; Trepinse = Trübensee bei Tulln. Dementsprechend verlief die Grenze des Deutschen Reiches gegen die Magyaren in der Ostmark am Kamm des Wienerwaldes bis Greifenstein, überquerte die Donau in der Richtung nach Spillern-Stockerau und führte dann als Grenze gegen Mähren über Oberzögersdorf an den Wagram (vgl. dazu Klebel, Ostgrenze d. karol. Reiches. Jb. f. Lk. v. Nied.Österr. NF. 21. S. 263 u. Hirsch, Mähren w. o.). Zu beachten ist außer der Anführung slavischer Siedler und der mährischen Nachbarn auch die Bemerkung über Fischfang und Handel an der Donau. ‒ Von den als Zeugen genannten Personen haben einige auch an den ebenfalls nach 985 und vor dem Frühjahr 991 von Bischof Pilgrim abgehaltenen Provinzialsynoden (vgl. Reg. 979 a) zu Mautern, Lorch, bzw. Mistlbach in Oberösterreich (bei Wels) teilgenommen. Papo war Graf im Donaugau bei Regensburg, Meginhart vielleicht Graf im Traungau, während Markward der Markgraf der Karantanenmark gewesen ist. Eine Vorstufe dieser Auseinandersetzung zwischen den Ansprüchen des Bistums, bzw. seines Vorstehers und den Vertretern der staatlichen Gewalt bildet D 21 für Passau (Reg. 977), in dem die Sonderstellung der Passauer Kirchenleute, aber auch gewisse Rechte des Markgrafen festgelegt worden waren. Von einer vollständigen Eximierung des Passauer Kirchengutes in der Ostmark kann auch nach dem Placitum nicht die Rede sein, obgleich die „familia” des Bistums von allen finanziellen und wirtschaftlichen Leistungen an den Markgrafen befreit wurde. ‒ Vgl. dazu Stengel, Grundherrschaft u. Immunität, 318. ‒ Die Berichte über die obenerwähnten Synoden zur Regelung der Zehentrechte Passaus sind ebenfalls in dem Passauer Traditionsbuch überliefert. Vgl. Cod.antiquiss, w. o. f. 50; Cod. III. f. 122, Nr. 211; Faks.: Zibermayr, Traditionsbuch, MIÖG. 26, zu S. 414. ‒ Drucke: Mon. Boica 28/II. S. 88, Nr. 177 u. 206, Nr. 5; UB. Nied.Österr. I. (St. Pölten) 11, Nr. 2; UB. ob d. Enns I., Nr. 57; Heuwieser, Traditionen Passau, 79 ff., Nr. 93. ‒ Vgl. dazu die Literatur w. o., ferner Boye, Quellenkatalog d. Synoden Deutschl. 62f.; Hauck. Kg. Dtschl. 3 3, 167 ff.; Plöchl, Zehentwesen i. Nied.Österr. (1935) 17; ‒ Zibermayr (Noricum, 324 ff.) verlegt diese Synoden in eine sehr frühe Zeit, bald nach dem Amtsantritt Pilgrims (971) und bezieht die Bemerkung, daß er die Zehentrechte „ante proximam barbaricam sue desolationis devastationem” erheben ließ, auf den Angriff im J. 955. Es ist jedoch viel wahrscheinlicher, daß damit die Vorstöße der Magyaren 990/91 gemeint sind, die zweifellos schwere Verwüstungen zufolge hatten und ein Eingreifen des bayrischen Herzogs notwendig machten und daß die Abhaltung der Synoden mit der Veranstaltung des Placitums in zeitlichem Zusammenhang stand.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1027a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0991-00-00_1_0_2_3_0_366_1027a
(Abgerufen am 30.03.2017).