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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Nach längerem heftigem Wahlkampf wird nicht Gerbert von Aurillac, den Adalbero zu seinem Nachfolger ausersehen hatte, sondern Arnulf, ein außerehelicher Sohn König Lothars und Kleriker in Laon, zum Erzbischof von Reims gewählt. Gerbert fügt sich dieser Entscheidung des Königs, der dadurch vermutlich einen Teil der Anhänger des karolingischen Hauses zu gewinnen hofft, und bleibt als Leiter der Domschule und Notar des neuen Erzbischofs in Reims. Zweifellos folgt er einem ihm überbrachten Wunsch der Kaiserin Theophanu und setzt seine politische Tätigkeit in ihrem Dienste fort.

Überlieferung/Literatur

Richer IV c. 28‒30 (Latouche) 188 ff.

Kommentar

Gerbert, der eben noch während des Wahlkampfes in einem vermutlich im Namen Bischof Ascelins von Laon an König Hugo Capet gerichteten Warnungsbrief seinen Gegner verächtlich zu machen gesucht hat, schildert ihn nun in der Wahlschrift der Suffraganbischöfe als einen Mann von ausgezeichneten Eigenschaften: Lettres, No. 154, S. 137: Itaque ad custodiam vestrae salutis monemus vos super statu Remensis aecclesiae, quae caput regni Francorum est. Nec putetis vile, infidum vobis vel dolosum vel idiotam inibi praeficere, cum omnia membra caput sequantur. Sit satis crudelissimis hostibus vestris tot protractionibus ac apertis calliditatibus vos delusisse. ‒ No. 155, S. 138: ...eligimus nobis in praesulem virum pietate praestantem, fide insignem, constantia mirabilem, in consiliis providum, rebus gerendis aptum, in quo hae virtutes, quia sic clare relucent, inditio sunt caeteras abesse non posse, Ar. dicimus, regis Lotha. filium. ‒ Vgl. Gousset, Actes de Reims I. 628 ff. ‒ Die Wahl ist durch die Umtriebe der Feinde Gerberts, wie dieser in dem Schreiben an König Hugo bemerkt, über Gebühr verzögert worden. In der Wahlschrift erwähnt Gerbert, daß das kirchliche Gesetz eine Wahl innerhalb von 30 Tagen vorschreibe, doch scheint es sich an dieser Stelle um einen Fehler der Überlieferung zu handeln, da vielmehr schon das Konzil zu Chaicedon 451 eine Frist von 3 mal 30 Tagen, also drei Monaten bis zu einer Neuwahl festgesetzt hatte. Demnach müßte die Wahl nach Ablauf dieser Frist ‒ 23. April ‒, also etwa Anfang Mai stattgefunden haben. Vgl. Vorarbeiten III. ‒ M. Uhlirz, Jbb. O. III. Exkurs VI. Zur Chronologie der Jahre 988‒990, S. 458 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1013b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0989-04-00_3_0_2_3_0_282_1013b
(Abgerufen am 29.03.2017).