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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto bestätigt auf dringliche Bitten seines „lieben und getreuen” Herzogs Heinrich von Kärnten dem Kloster S. Zeno in Verona, dem Wohnsitz des Bischofs Hilderich, alle Güter, die diesem von einer Anzahl namentlich genannter Bewohner der Grafschaft Verona geschenkt und verbrieft worden waren, unter besonderer Hervorhebung jener im Val Pantena und bei Azago. Außerdem überträgt der König dem Kloster alle öffentlichen Rechte und Einkünfte in dem Gebiet der Burg Azago nordwestl. von Verona und alle Rechte an den dort wohnenden „forestarii”, so daß die Vorsteher des Klosters berechtigt sind, deren Leiheverhältnisse in libellarische Pachtverträge oder auf andere gerechte Art zu ändern, und verleiht ihnen für die bestätigten Besitzungen die Immunität (notum volumus esse ..., Heinricum Karentanorum ducem nostrumque dilectum fidelem nostram humiliter implorasse regalem excellentiam, quatinus eius fidelitatis amore confirmaremus nostra preceptali pagina domui sancti Zenonis ubi Hildericus episcopus cathedram episcopalem regere videtur, omnes res et familias, quas per cartulam offersionis contulerunt ... habitantes in comitatu Veronense ... nostra preceptali pagina corroboramus beato Zenoni ... omnes proprietates et res ac familias, quas supranominati homines ... beato Zenoni ... tradiderunt, nominative quas habere videbantur in valle Paltenate in vico Azago ... Et quicquid ad nostrum publicum ius ac dominium tam in forestaria quam in aliis offitiis in castello Azago ..., ubicumque forestarii ibi pertinentes maneant, pertinere videtur, beato Zenoni ... concedimus. ... Eo videlicet ordine ... ut habeant potestatem commutandi in libellariis aliisque iustis inscriptionibus quibus voluerint. ... Precipiendo denique iubemus quatinus nullus archiepiscopus episcopus dux marchio comes vicecomes sculdascius gastaldio nullaque nostri regni magna vel exigua persona beatum Zenonem eiusque vicarium ... de supradictis ... proprietatibus ... una cum ... forestariis proprietario iure sibi a nobis concessis tam in Azago quam etiam in aliis locis habitantibus inquietare ... presumat. Siquis igitur ... huius nostre ... concessionis preceptum ... violare in aliquo molitus fuerit, profecto sciat se compositurum auri obtimi libras CC, medietatem camere nostre et medietatem ... beato Zenoni eiusque vicario). ‒ Verfaßt mit teilweiser Benützung der Vorurkunden von It. L.; M. „Si dignis nostrorum fidelium petitionibus assensum preberemus.”

Überlieferung/Literatur

fehlt.

Archivio di Stato zu Verona, 13. Jh. Sez: Orfanotrofio fem. No. 14 (D).

Ughelli, Italia sacra ed. I. (1644) 5, 660; MG. DD. O. III. 446‒448, Nr. 46.

Böhmer 657; Stumpf 915; Mon. hist. duc. Carinthiae 3, 168; Kos, Gradivo, II, 489.

Kommentar

Dieses Diplom ist als erstes seit dem Tode Kaiser Ottos II. wieder von einem italienischen Notar und zwar von It. L verfaßt worden; er dürfte 984 mit dem übrigen Personal der italienischen Kanzlei im Gefolge der Kaiserin Theophanu nach Deutschland gekommen sein. Von ihm vermutet Sickel (Erläuterungen, 223 ff.), daß er mit dem Griechen Johannes Philagathos, der 980/82 unter Otto II. Kanzler für Italien gewesen war und nun ebenfalls seit 984 an dem Hofe Theophanus weilte und als Lehrer der griechischen Sprache für König Otto III. bestellt worden war (Reg. 997 b), in naher Verbindung gestanden sei. Leider können wir, da bei der einzigen erhaltenen Kopie der Urkunde die Rekognition fehlt (Kehr, Urkk. O. III., 54), nicht feststellen, ob auch der italienische Kanzler an ihrer Ausstellung beteiligt war. Ihr Inhalt ist rechtsgeschichtlich von besonderer Bedeutung und zwar wegen der Hervorhebung der „forestarii”, der in dem Gebiet der Bannwälder angesiedelten Königsleute, die nun der Gewalt des Klosters übergeben werden und in Libellarier umgewandelt werden können. Dies muß nach dem Wortlaut der Urkunde für die „forestarii” einen sozialen Aufstieg bedeutet haben. Vgl. über die Libellarier M. Uhlirz, Ital. Kirchenpol. der Ottonen MIÖG. 48, 226 f. und die Literatur in Anm. 3. Das Kastell Azago war der Mittelpunkt einer alten Arimannensiedlung. Vgl. Schneider, Burg- u. Landgemeinde, 144 ff., 177. ‒ Jedenfalls tritt uns in dem Veroneser Diplom die wirtschaftliche und verfassungsrechtliche Entwicklung in einer höheren Stufe entgegen, als in dem im gleichen Jahre ausgestellten Forstprivileg für den Bischof Hildibald von Worms (Vgl. D 43, Reg. 1002). Zu beachten ist die in italienischen Urkunden übliche Erwähnung der Poena pecuniaria, hier in der ungewöhnlichen Bemessung mit 200 Goldpfund.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 1004, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0988-08-27_1_0_2_3_0_255_1004
(Abgerufen am 24.03.2017).