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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Kaiserin Theophanu, über deren Verbleib seit Ende August des Vorjahres keine urkundlichen Nachrichten vorliegen (Reg. 997), begibt sich von ihrem Winteraufenthalt nach dem Kloster Wildeshausen an der Hunte. Zu dieser Fahrt nach dem weit im Norden und außerhalb des gewöhnlichen Reiseweges des Hofes liegenden Ort dürfte die Kaiserin die Sorge um die dem Erzbistum Hamburg-Bremen unterstehenden Grenzgebiete des Reiches und um das Schicksal der außerhalb des Reiches in Dänemark gelegenen Missionsbistümer bewogen haben. Nach dem großen Aufschwung, den die Christianisierung Dänemarks unter den beiden ersten Ottonen genommen hatte, war nach der Niederlage bei Cotrone gegen die Sarazenen am 15. Juli 982 (K. Uhlirz, Jbb. O. II. 177 ff.) ein schwerer Rückschlag gefolgt. Im Frühjahr 983 waren die Dänen zum Angriff übergegangen (ib. 203, Reg. 890/e) und ihrem Beispiel waren nicht nur der Abodritenfürst Mistui, der Hamburg zerstörte, sondern zu Beginn des Sommers auch die Liutizen und Heveller gefolgt. Der unerwartete Tod des Kaisers am 7. Dezember 983 hatte noch viel weiter ausgreifende Bewegungen ausgelöst. In Dänemark war es zu einer heidnisch-nationalen Reaktion gegen König Harald Gormson, der 965 den christlichen Glauben angenommen hatte, gekommen, er hatte vor dem Angriff seines Sohnes Svend Tjugeskaeg (Gabelbart) nach der Jomsburg auf der Insel Wollin flüchten müssen, wo er am 1. Nov. 986 gestorben war (Reg. 984a). Die deutsche Kirche hatte in diesen Jahren schwerste Verluste erlitten, aber Theophanu und die vormundschaftliche Regierung Ottos III. waren vor der Beendigung des Thronstreites und der Festigung ihrer Herrschaft nicht imstande gewesen, sich den nordischen Fragen zuzuwenden. Jetzt aber erscheint abermals (Reg. 980) Erzbischof Adaldag mit seinem Boten Folgbert vor der Kaiserin und überbringt ihr alle Verfügungen der Kaiser und Könige zugunsten der Bremer bzw. Hamburger Kirche und erbittet ihre Bestätigung und entsprechende Ergänzung, um der opfervollen Tätigkeit der Missionsbistümer, zu denen als viertes noch Odense auf der Insel Fünen kommt, eine bessere Stütze zu gewähren.

Überlieferung/Literatur

Vgl. DD., 40‒42, Regg. 999‒1001. ‒ Adam v. Bremen, Hamb. Kg. II, c. 24: hoc est notandum, quod tercius Otto consistens in Wildashusin precepta fecit. ‒ Vgl. zu den Vorgängen im Norden des Reiches Thietmar III c. 24; Adam v. Bremen w. o. II, c. 3 ff. 24 ff.; Ann. Lund. (ad a. 985), SS. 29, 200; Cnutonis regis gesta I, c. 1, SS. 19, 512; Albrici, Trium-fontium chron. (ad a. 985) SS. 23, 773; Knytlinga saga, SS. 29, 273 f.; Hist. Olavi Tryggonis filii max. c. 60, ib. S. 386 ff.; Ex Snorronis hist. reg. Norweg. dicta Heimskringla. c. 24‒29, ib. S. 334 ff., 369 f.

Kommentar

Das Kloster Wildeshausen war eine Gründung des Grafen Waltbert, eines Enkelsohnes des Herzogs Widukind. Vgl. Dümmler, Gesch. d. ostfränk. Reiches I. 370, II. 335; ferner Börsting, Gesch. d. Bistums Münster, 397 ff. ‒ Den Reisebericht Waltberts anläßlich der Überführung der Reliquien nach Wildeshausen vgl. in „Translatio s. Alexandri”. Hrsg. v. B. Krusch, Gött. Nachr. 1933, S. 405‒436. ‒ Otto II. schenkte die Abtei 980 seinem Kloster Memleben. DO. II. 228; Jbb. O. II. 137, Reg. 823; Schurig in: Das 1000jährige Memleben (1936), 10. ‒ Köpke-Dümmler, Otto d. Gr., 187, 389 ff.; Hauck, Kg. 3 1, 94 ff, 254f.; Schubert, Kg. Schleswig-Holsteins, 56 ff.; Biereye, Nordalbingien IV. Kap.; Liliencron, Beziehungen zu Dänemark, 2 ff.; Hofmeister, Kampf um die Ostsee, 11 ff.; R. Holtzmann, Kaiserzeit, 96; Kirchberg, Kaiseridee u. Mission, 98 ff., 101; Scheel, Wikinger, 269f.; Noack, Nordische Frühgesch., 246 ff., 255 ff., 282; Johnson, Secular activities, 166 ff.; Vehse, Deutschl, u. d. Norden, 72f. ‒ Zu beachten ist, daß J. Renner, Chronicon der ... Stadt Bremen 1583 (Neudruck 1717), 1, Bl. 43 a von einem Besuch Ottos in Bremen anläßlich seines Aufenthaltes in Wildeshausen zu berichten weiß. ‒ Zu den Handelsbeziehungen vgl. Rowehr, Fries. Handel (1937); Jankuhn, Fränkisch-fries. Handel z. Ostsee. Vtjschr. f. Soz. u. Wg. 40 (1953) 193 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 998If, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0988-03-00_1_0_2_3_0_231_998If
(Abgerufen am 23.11.2017).