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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Otto bestätigt dem Kloster Peterlingen, das unter der Leitung des Abtes Majolus steht, auf Bitten seiner Großmutter Adelheid und seiner Mutter Theophanu den Besitz der Orte Colmar und Hüttenheim, die sein Vater und Großvater der Abtei geschenkt haben; er verleiht ihr die Immunität unter der Voraussetzung, daß die Mönche ihre Gebete zur Vergebung seiner und seiner Vorfahren Sünden und zum Wohle der Kirche verrichten, (quomodo nos dilectae aviae nostrae Adalheidis et carissimae genitricis nostrae Theophanu ... vota et petitiones adinplentes duas villas in Alsazia sitas, quarum una Columbra vocata in comitatu Liutfridi comitis, altera Hittinheim dicta in comitatu Eberhardi comitis iacet, quas antea ... avus et genitor noster aequivoci nostri ... ad s. Mariam cuius monasterium in loco Paterniacum nominato constructum videtur, cui etiam sub praesenti tempore Maiolus venerabilis abbas praeesse dinoscitur, ... tradiderunt ..., a novo ... donamus ... . Unde ... interdicimus, ut nulla persona cuiuslibet dignitatis sive excellentiae praedictum abbatem Maiolum ... aut monachos ... molestare praesumat, sed liceat eis sub imperiali tuitione et nostra regia defensione ... secure ac pacifice vivere ac deum pro nobis ac nostris peccatis parentumque nostrorum delictis et pro omni gradu et statu sanctae ecclesiae ... exorare). ‒ Hildibaldus canc. vice Uuiligisi archicap.; verfaßt mit einzelnen Wiederholungen aus D O. II. 307 und geschrieben von HB.; MF. SI. D. „Si aliquid ecclesiis dei nostra regia munificentia accommodaverimus.”

Überlieferung/Literatur

Archives cantonales Lausanne, Sign. Arch. cant. vaudoises, CI. b, no. 3. (A)

Herrgott, Geneal. 2, (1787) 89, Nr. 147 ex cod. dipl. abb. Fabariensis p. 29, mit III. kal nov.; MG. DD. O. III. 426 f., Nr. 27.

Böhmer 643; Stumpf 898; Hidber 1139.

Kommentar

Das Kloster Peterlingen (Payerne, Paterniacum) war 960/961 von der Kaiserin Adelheid mit ihren Eltern, dem König Rudolf II. von Hochburgund und Bertha, der Tochter Burchards von Schwaben, gegründet und dem Abt Maiolus von Cluny unterstellt worden. Otto I. war bei dieser Gründung nicht hervorgetreten, doch war er bestrebt gewesen, in dem Kloster und dessen Besitz einen festen Stützpunkt für die Sicherung des Weges von der oberrheinischen Tiefebene über den St. Bernhard nach Italien zu gewinnen. Deshalb suchte er die Abtei im Elsaß zu verankern und gab ihr zu den schon von Rudolf geschenkten Höfen Colmar und Hüttenheim 965 nach dem Sturz des Grafen Guntram den einen Teil dessen Besitzes im Sundgau, während der andere dem Bistum Konstanz zuteil wurde, das die von dem obersten Rheintal ausgehenden Zufahrtsstraßen nach Italien beherrschte (DO. I. 284, Reg. 383 u. DO. II. 51, Reg. 629). Einige Monate vor seinem Tode hatte Kaiser Otto II. am 15. Juni 983 dem Kloster ein umfassendes Privileg erteilt (DO. II. 307, Reg. 908), in dem er ihm die Immunität für die elsässischen Besitzungen, den Königsschutz und das Recht der freien Vogtwahl, damals noch eine Auszeichnung ganz besonderer Art gewährte. Damit hatte er im Sinne Clunys die Forderung der „libertas” für dieses Kloster erfüllt. Im Gegensatz zu diesem Privileg ist in der vorliegenden Urkunde von der Vogtwahl nicht mehr die Rede und auch die Verleihung der Immunität entbehrt der klaren Fassung und der Beschränkung auf das Reichsgebiet, wie sie DO. II. 307 bietet. Anscheinend liegt in DO. III. 27 überhaupt keine Steigerung der Teilimmunität zu einer Gesamtimmunität vor (Stengel, Immunitätsprivilegien, 580, 583), die angesichts der Lage des Klosters außerhalb des Reichsgebietes auch nicht möglich gewesen wäre; vielmehr wird die Immunität nur ganz oberflächlich berührt und das Hauptgewicht auf die Zusicherung des Königsschutzes gegen Übergriffe hochstehender Persönlichkeiten gelegt. ‒ Vgl. K. Uhlirz, Jbb. O. II. 199; Sackur, Cluniacenser I. 217 ff. 233 ff.; Hofmeister, Gründungsurk. v. Peterlingen. ZGO. 25, S. 217 ff.; Büttner, Elsaß I. 185, 196 f., 211 f.; Beck, D. Schweiz i. pol. Kräftespiel des ottonischen Reiches. ZGO. NF. 50, 268, 297 ff.; Baethgen, Burgund, Jb. Freiburg (1942) 80; Poupardin, Bourgogne (1907), App. V. 392‒413. ‒ Über den Begriff der „Libertas” vgl. Tellenbach, Libertas, Kirche u. Weltordnung. Forsch, z. Geistesgesch.VII., 48 ff., 85 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 984, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0986-10-25_1_0_2_3_0_180_984
(Abgerufen am 14.12.2017).