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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Aller Wahrscheinlichkeit nach hat bald nach der Frankfurter Zusammenkunft das von der Herzogin Beatrix veranlaßte „Colloquium dominarum” stattgefunden, auf dem Heinrich der Zänker seine lothringischen Anhänger ihrer Treuepflicht entbunden und ihre Aussöhnung mit der vormundschaftlichen Regierung Ottos III. vermittelt hat, wie der Wandel in der Haltung Egberts von Trier (Reg. 975) erkennen läßt. Das Ergebnis dieser Beratung muß auch für die Gestaltung der politischen Lage an der Westgrenze des Reiches und der Beziehungen des ottonischen Hofes zu König Lothar von größter Bedeutung gewesen sein.

Kommentar

Von der Abhaltung des Colloquiums erfahren wir nur durch die Mitteilungen Gerberts in zwei Briefen, die knapp vor der geplanten Veranstaltung geschrieben worden sind: Lettres No. 62, S. 61: Im Namen Adalberos von Reims an die Herzogin Beatrix. ‒ Sed quae res institutum colloquium dominarum sic commutavit, ut solus dux veniat Henricus? Id an dolo alterius partis agatur, et qui principum eo venturi sunt, si novistis, orantibus nobis plena fide perorabitis. ‒ Zur Datierung des Briefes, der in den letzten Tagen des Juni, nach dem Eintreffen der ersten Nachrichten von den Ergebnissen der Frankfurter Zusammenkunft geschrieben worden sein muß, vgl. Vorarbeiten III. ‒ Als Teilnehmerinnen waren außer der Kaiserin Theophanu und der Herzogin Beatrix wahrscheinlich noch die Königin Hemma von Frankreich, ihre Stiefschwester, die Äbtissin Mathilde von Quedlinburg, vielleicht die Königin Mathilde von Burgund und Adelheid, die Gemahlin Hugo Capets in Aussicht genommen worden. Auch Heinrich der Zänker hatte offenbar mit den Fürstinnen seiner Familie, seiner Gemahlin Gisela, der Tochter König Konrads von Burgund, und seiner am ottonischen Hof hochangesehenen Schwester Gerberga, der Äbtissin von Gandersheim, erscheinen sollen, doch ist er allein („solus”) gekommen. Gerbert vermutet, daß Intrigen die Ursachen seien. ‒ Gerbert ist dann längere Zeit ohne Nachrichten von dem geplanten Colloquium geblieben und richtet etwa vor Mitte Juli, sicher unmittelbar vor dem geplanten Beginn der Beratungen im Namen Adalberos von Reims eine Anfrage an Notger von Lüttich: Lettres No. 66, S. 64: Metis colloquium dominarum habendum, vos quam plurimum interesse optamus. Si relictum ut institutum est, causam effectricem per vos nosse laboramus. ‒ Der Erzbischof spricht hier den Wunsch aus, daß Notger an dem Colloquium teilnehmen möge, erwägt aber auch die Möglichkeit eines Scheiterns des Unternehmens. ‒ Vgl. zu den beiden Briefen Vorarbeiten III. ‒ Die Anhaltspunkte für die Datierung dieser beiden Briefe lassen ebenso wie das Itinerar der Kaiserin die Abhaltung des Colloquiums nur gegen Ende Juli ‒ erste Tage August zu, als sie sich auf der Fahrt nach Niederlothringen von Ingelheim über Metz nach Köln (8. August), bzw. Nimwegen (20. August) begeben konnte. Keinesfalls konnte die Kaiserin Adelheid an der Besprechung der fürstlichen Frauen teilgenommen haben, da sie zu dieser Zeit schon nach Italien zurückgekehrt war. Ihre Anwesenheit wäre nur möglich gewesen, wenn die Metzer Zusammenkunft vor der Frankfurter Tagung stattgefunden hatte; das ist jedoch nicht nur auf Grund der Briefe Gerberts ausgeschlossen, sondern auch deshalb, weil die endgültige Unterwerfung Heinrichs des Zänkers und die Aussöhnung mit ihm den Verhandlungen mit dem lothringischen Adel und den Vertretern Frankreichs vorausgegangen sein muß.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 972b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0985-07-00_2_0_2_3_0_132_972b
(Abgerufen am 26.05.2017).