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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Feier des Osterfestes nach altem Brauch. Die meisten Fürsten des Reiches waren auf dem Reichstag erschienen oder hatten Beobachter entsendet. Heinrich wurde von seinen sächsischen Anhängern, den Kirchenfürsten, die sich ihm angeschlossen hatten, und anscheinend auch von den Bischöfen und einigen Grafen aus Bayern als König mit den vorgeschriebenen Lobgesängen, den „laudes” begrüßt und geehrt. Auch Dietrich von Metz dürfte noch zugegen gewesen sein. Von großer Bedeutung war das Erscheinen der slavischen Fürsten, der Herzöge Mieszko von Polen und Boleslaw von Böhmen, sowie des Abotriten Mistui, die dem Rufe Heinrichs gefolgt waren, ihm als König huldigten und sich zu seiner Gefolgschaft verpflichteten.

Überlieferung/Literatur

Thietmar IV c. 2, S. 132: Inde egressus Heinricus proximum pascha Quidilingeburg festivis peregit gaudiis. Quo magnus regni primatus colligitur, a quibusdam autem venire illo nolentibus ad omnia diligenter inquirenda nuntius mittitur. Hac in festivitate idem a suis publice rex appellatur laudibusque divinis attollitur. Huc Miseco et Mistui et Bolizlovo duces cum caeteris ineffabilibus confluebant, auxilium sibi deinceps ut regi et domino cum iuramentis affirmantes. ‒ Ann. Hildesh., S. 24: plurimos sibi de Saxonibus associavit, qui eum in proximo pascha Quidelingaburg ad regem elegerunt. ‒ Ann. Quedlinb. SS. 3, 66) ad a. 984: ... dein accrescentis avaritiae stimulis agitatus, quorundam persuasione male illectus, regnum tyrannice invasit, atque in id elationis usque prorupit, ut et rex dici et in regem benedici appeteret. Sed rex dici a paucis obtinuit; in regem vero benedici, prohibente Deo, prohibente fidelium sibi non consentientium, sed regi electo et uncto iure faventium decertatione, non meruit.

Kommentar

Während Heinrich anfangs noch den Schein der Rechtmäßigkeit zu wahren gesucht hatte und als Vormund aufgetreten war, ist er nach seinen Erfolgen in Sachsen dazu übergegangen, für sich das Königtum zu beanspruchen. Die Ann. Quedlinb. (ib. 73) ad a. 995 gedenken auch anläßlich seines Todes dieses Umstandes: „mortuo imperatore Ottone secundo, aliena potius quam propria voluntate ad invadendum regnum eotenus illectus est, ut comprehenso imperatoris filio, ipse rex eligeretur”. ‒ Es ist aber nur zu einer Erhebung Heinrichs zum König, zu einer Art Designation durch seine Anhänger gekommen, nicht zu einer wirklichen Königswahl (Mitteis, Königswahl, 47 f. ‒ Zu den „laudes” vgl. Kantorowicz, Laudes regiae, 77). Nur das Chron. Ebersperg. (SS. 20, 13) weiß von einer Salbung zu berichten (dux ungui se faciens in regem), doch verdient diese Meldung gegenüber den Nachrichten Thietmars, der selbst in jugendlichem Alter das Quedlinburger Osterfest mitgemacht hatte (IV c. 16) und den zweifellos auf Teilnehmerberichte zurückgehenden Quedlinburger Annalen keinen Glauben. Auch im Volke lebte die Erinnerung an das Scheitern der Pläne Heinrichs fort. ‒ Vgl. Thietmar V. c. 2: De quo (sc. Heinrico) post mortem imperatoris (sc. Ottonis III.) cuidam venerando patri revelacione divina sic dictum est: Recordaris, frater, qualiter cecinit populus: Deo nolente voluit dux Heinricus regnare? (Giesebrecht, Kaiserzeit 1 5, 627). ‒ Das Kommen der slavischen Fürsten war für Heinrich von großer Bedeutung. Vgl. dazu L. Giesebrecht, Wendische Geschichten I. 266; Zeißberg, Miseco, 90f.; Schulte, Namensform Mieszko, 68 ff.; Köster, staatl. Beziehungen, 5; Naegle, Kirchengesch. Böhmens I/2., 382; Randt, Neuere poln. Geschichtsforsch. 62f.; Stasiewski, Untersuchungen I. 5 Anm. 29; Wojciechowski, Mieszko; über Mistui vgl. Biereye, Nordelb. Lande (1917) Anh. II. 452 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 956t1, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0984-03-23_1_0_2_3_0_44_956t1
(Abgerufen am 29.03.2017).