Regestendatenbank - 174.569 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

Sie sehen den Datensatz 45 von insgesamt 1375.

Zahlreiche Teilnehmer des Reichstages, die ihren dem König geleisteten Eid nicht brechen wollen, verlassen in kleinen Gruppen Quedlinburg und begeben sich auf die Hesleburg, wo sich der größte Teil des sächsischen Adels unter der Führung Herzog Bernhards und auf Befehl des Erzbischofs Willigis Abgesandte aus dem Frankenland zusammenfinden.

Überlieferung/Literatur

Thietmar IV c. 2: Multi ex his fidem violare ob timorem Dei non presumentes, paululum evaserunt et ad civitatem Hesleburg, quo consocii eorum adversus ducem iam palam conspirantes conveniebant, festinavere. Quorum hec sunt nomina. Ex oriente Mi comites cum Bernhardo duce et Thiedrico marchione, Ekkihardus, Biio, Esic, Bernwardus comes et clericus, Sifrith eiusque filius, Frithericus et Ciazo confratres. Conprovincialium autem Thiedricus et Sibert confratres, Hoico, Ekkihardus et Bezeco germani, Brunig et sui, militesque sancti Martini iussu archipresulis Willigisi, quibus adherebat occidentalium maxima multitudo.

Kommentar

Die Bedeutung der Versammlung auf der Hesleburg (Asselburg zwischen Hildesheim und Wolfenbüttel, südl. von Burgdorf, vgl. Geppert, Burgen bei Thietmar, Thür.-sächs. Zs. 16, 212) liegt darin, daß zum ersten Mal der geschlossene Widerstand einer bestimmten Gruppe des sächsischen Adels gegen Heinrich in Erscheinung tritt und daß diese Gruppe unter der Führung Herzog Bernhards von Sachsen über die Grenzen des Landes hinausgegriffen und die Verbindung mit dem Erzbischof Willigis von Mainz hergestellt hat. Vgl. Jbb. O. III. 19. ‒ Dieser hat anfangs offenbar eine entschiedene Stellungnahme in dem deutschen Thronstreit vermieden, solange der Schein der Vormundschaft gewahrt blieb. Erst als Heinrich mit den slavischen Fürsten in Verbindung trat und es in Magdeburg und Quedlinburg allen klar wurde, daß er nach der Krone strebe, war nach längeren Vorbereitungen (Reg. 956 p/1) für Willigis die Zeit gekommen, offen gegen Heinrich aufzutreten. Nicht ohne Einfluß wird auf ihn die entschlossene Haltung der lothringischen Großen und des Erzbischofs Adalbero von Reims geblieben sein. Vgl. Lettres de Gerbert No. 27, S. 21 f. ‒ Die Teilnehmerliste Thietmars ist von besonderer Bedeutung. Dietrich, der schon 985 starb, ist Markgraf der sächsischen Nordmark, seine Tochter Oda war die zweite Gemahlin Herzog Mieszkos von Polen (Böttger, Brunonen-Welfen, 118 ff.; Lüpke, Markgrafen, 13 ff.); Ekkehard ist der spätere Markgraf von Meißen (Posse, Markgrafen v. Meißen, 19 ff.; Lüpke, w. O. 23 ff.); Bio (Binizo) und Esiko sind die Grafen von Merseburg (Kloß, Grafschaftsgerüst, 39 ff., 43; Schlesinger, Landesherrsch., 171; Geppert, Burgen w. o. 199; Kurze, Pfalzgrafschaft, 290; Heinze, Pfalzgrafschaft, 32. Über Esiko vgl. noch Reg. 1317). ‒ Der „comes et clericus Bernwardus” ist der spätere Erzieher Ottos III. und Bischof von Hildesheim. Jbb. O. III. 18, 90 f.; Sigfried und sein gleichnamiger Sohn dürften die Grafen von Northeim gewesen sein. Gegen diese Deutung Holtzmanns (Thietmar 134, Anm. 1) vgl. Bollnow, Grafen von Werl, 72 u. Stammtafel III. ‒ Friedrich und Ziazo (Daedi) sind wahrscheinlich die Grafen von Eilenburg (Kurze, Pfalzgrafschaft, 306 ff. u. Holtzmann, Thietmar, 134, A. 3; Kloß, Grafschaftsgerüst, 38 ff., Anm. 10; Schlesinger, Landesherrsch. 169 ff., 188f.). Ziazo ist anscheinend der seit 995 urkundlich (DD. O. III. 172, 180, 346) bezeugte Kämmerer Tiezo, der 999 von Otto III. zum Patricius erhoben wurde. ‒ Zu Dietrich und Sicco vgl. Reg. 956 g/1. ‒ Hoico wurde nach der Auslieferung Ottos III. dessen Erzieher, seine Grafschaft lag im Hedergau westl. der Weser (Curs, Deutschl. Gaue, 9). ‒ Graf Eckard war der Gründer des Klosters Helmarshausen (vgl. D. 256, Reg. 1238). Über ihn und seinen Bruder Bezeko (Bezelin) vgl. Kloß, Grafschaftsgerüst, 41, 78. ‒ Graf Brunig war vermutlich ein älterer Graf von Braunschweig (Kloß, w. o 48 ff., 72). ‒ Über den Zeitpunkt der Versammlung vgl. Jbb. O. III. Exkurs II., 428.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 956u1, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0984-03-00_1_0_2_3_0_45_956u1
(Abgerufen am 22.01.2017).